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Zeittöne Winter 2022/2023 - Stiftung Liebenau

Die Glückliche Ehepaar

Die Glückliche Ehepaar Mayer Nachwuchs an. Und wieder war es die Familie im Erdgeschoß, die fand, Margarete müsse kräftiger werden. Gesagt, getan. Eine Unter kunft im Schwarzwald wurde organisiert und Margarete dort bestens versorgt. Ihr Sohn wurde 1949 geboren. War gesund und kräftig. Was will man mehr? Auf dieser kleinen Hausinsel in Langenargen wurde die deutsch-französische Freundschaft nach dem schrecklichen Krieg aufs Innigste gelebt. Politisch wurde sie erst sehr viel später besiegelt. Aber da war die Offiziersfamilie längst wieder zurück in Frankreich. »Wir hatten noch eine Weile Kontakt. Aber irgendwann ist der eingeschlafen. So ist das Leben«. Es sei eine ganz besondere Zeit gewesen, an die sie sich gerne erinnere, sagt Margarete Mayer und schaut glücklich dabei aus. In Langenargen hat sie auch ihren Willi kennengelernt, der als Wehrmachtssoldat 1943/44 hier stationiert war, um zu kontrollieren, was sich am gegenüberliegenden Schweizer Ufer tat. Da tat sich nicht viel und so konnte er Margarete beobachten, die täglich mit dem Zug nach Friedrichshafen fuhr, um pflichtgemäß Sozialdienst in einem Kindergarten abzuleisten. Die Wehrmachtssoldaten veranstalteten an Weihnachten 1943 ein Fest und luden den ganzen Ort dazu ein. »Ich bin mit einer Freundin hin, um zu kucken, ob das überhaupt was für uns ist.« Aber da stand der Willi an der Tür und sagte: »Mädle, kommed no rei.« Und so nahm die Liebe ihren Lauf. Der Willi war übrigens aus Stuttgart und zehn Jahre älter als Margarete. Lange konnten sie ihr Glück nicht miteinander leben. Er wurde abkommandiert nach Russland. »Ob er wiederkommt? Da habe ich mir schon große Sorgen gemacht.« Der Willi kam wieder. Er wurde verwundet, und nachdem er einigermaßen genesen war, ist er mit einem Kameraden abgehauen. Irgendwie haben sie sich bis nach Stuttgart durchgeschlagen, wo seine verwitwete Mutter in der großen Sorge lebte, ob auch ihr zweiter Sohn im Krieg bleiben würde. Müde, mager, aber glücklich, überlebt zu haben, kam er in Stuttgart an und musste feststellen: Die Holz- und Kohlehandlung der Familie war zerbombt, und die beiden Laster wurden auch noch konfisziert. Es gab nichts mehr, was ihn dort hielt. Willi Mayer zog mit seiner Mutter auch in das Langenargener Haus der Hubers ein. Einige Jahre später: Die kleine Familie Mayer nahm ihre Zukunft in die Hand. Er, der Kaufmann. Sie, die Verkäuferin. Was lag da näher als ein eigenes Geschäft? In Leutkirch war bald ein entsprechendes Objekt gefunden und der Tante-Emma-Laden konnte 1953 eröffnet werden. Die Geschäfte liefen gut. Hier wollten sie bleiben. Sie waren schnell zuhause in dem liebenswerten Allgäuer Städtchen. Sie mochten die Menschen und die mochten sie. Die Wohnung unmittelbar über dem Laden. »Es war perfekt.« Aber dann gab es nach einigen Jahren Unstimmigkeiten mit der Vermieterin des Hauses. Sie gaben das Geschäft auf und fanden mithilfe eines großen Lebensmittelkonzerns in Laupheim eine neue Lebensgrundlage. »Auch hier haben wir uns schnell eingelebt und wären gerne für immer geblieben. Der Laden war ganz wunderbar.« Wenn Margarete Mayer von den Jahren als Geschäftsfrau erzählt, dann kommt oft das Wort Leidenschaft vor. Während die Worte Urlaub oder Freizeit nicht so wichtig waren. »Wer mit Vollblut Lebensmittel verkauft, kann keinen Urlaub machen!«, sagt sie. Aber es gab eine Vereinbarung der Eheleute, in den Sommermonaten nicht ganz so viel zu arbeiten und ab und zu gemeinsam auf die faule Haut zu liegen. »Da waren wir schon konsequent.« Und sie versprachen einander: eines Tages würden sie die ganze Welt bereisen. Doch diese Pläne wurden jäh durchkreuzt. Willi Mayer bekam mehrere Schlaganfälle, wurde zum Pflegefall und starb 1978 mit 66 Jahren. »Wir haben eine gute Ehe geführt und waren uns sehr verbunden.« Sein Tod hat ihr Leben durcheinandergewirbelt. Aber da war der sichere Hafen Langenargen. Sie kehrte zurück in das Haus, in dem ihre bereits verwitwete Schwester wieder lebte. Hier fand sie Ruhe und ihre Ausgeglichenheit kehrte zurück. Viele der Reisen, die sie ursprünglich mit ihrem Mann geplant hatte, unternahm sie mit einer Freundin. Die Enkelin wurde zu einer engen Vertrauten. Einer, die sie unterstützt und ihr beisteht. Margarete Mayer genießt nach den langen, arbeitsreichen Jahren jetzt ein entspanntes Leben und ist eigentlich ganz froh, sich nicht mehr um Haus und Garten kümmern zu müssen, sondern im Dr. Albert Moll Haus bequem alles zu haben, was sie braucht. Ab und zu holen Enkelin und Urenkel sie ab, dann fahren sie nach Langenargen. »Ich muss doch schauen, ob meine Hortensien immer noch gedeihen.« 10 zeittöne Die Glückliche zeittöne Die Glückliche 11

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