Mediathek der Stiftung Liebenau
Aufrufe
vor 4 Monaten

Zeittöne Sommer 2022 - Stiftung Liebenau

  • Text
  • Wwwstiftungliebenaude
  • Bahmann
  • Servicewohnen
  • Lebenserinnerungen
  • Zeit
  • Haus
  • Ingrid
  • Stiftung
  • Liebenau
  • Pflege
  • Menschen

Zaubermärchen einer der

Zaubermärchen einer der Frauen, ob sie vielleicht ihre Großmutter sein möchte. Denn so eine wie sie, das wäre ein Vorbild. Noll sagt dazu: »Ob ich ein Vorbild bin, weiß ich nicht. Großmutter ist aber Ok. Da weiß ich wie das geht.« Sie selbst ist Großmutter von vier Enkeln. Auftritt der Autorin Ingrid Noll bei den Stuttgarter Kriminächten im März 2022. Sie stellt ihren neuen Roman »Kein Feuer kann brennen so heiß« vor. Da sitzt sie, die Grande Dame der Deutschen Krimiliteratur mit ihren zarten 86 Jahren und plaudert vor ausverkauftem Saal aus ihrem Leben, donnert gegen den Angriffskrieg in der Ukraine und nimmt auch sonst kein Blatt vor den Mund. Das Publikum ist begeistert von ihrem Witz, ihrer Selbstironie und ihrer ausgefeilten Sprache. Drei junge Schweizerinnen sind eigens angereist, weil sie große Fans sind. Ingrid Noll setzt sich bereitwillig für Selfies mit ihnen in Szene und bejaht mit einem augenzwinkernden »Selbstverständlich!« auch gerne die Frage Weinheim an der Bergstraße. Man nennt diese Gegend zwischen Heidelberg und dem Odenwald auch die Toskana Deutschlands. Hier ist Ingrid Noll zuhause. Die Stadt ist ihr in über 50 Jahren zur Heimat geworden. Ihre Kriminalromane spielen ebenfalls hier oder in der näheren Umgebung. Und weil sie eine der berühmtesten Persönlichkeiten der Zweiburgenstadt ist, wurde sie zu deren Botschafterin ernannt. Ehre, wem Ehre gebührt. Vor kurzem wurde der »Ingrid-Noll-Weg« eingeweiht. Auf etwa einem Kilometer Fußweg sind 13 Stationen zu finden. An jeder Haltestelle kann man ihre Plaudereien hören und lernt dabei gleichzeitig die Stadt kennen. Vielleicht hat man Glück und begegnet ihr auf dem wirklich hübschen Marktplatz im Cafe Florian. Aber Vorsicht! Denn Ingrid Noll lauscht gerne den Gesprächen anderer Leute und manchmal entsteht daraus der Charakter einer Figur in ihren Romanen. Denn Ingrid Noll geht es in ihren Büchern weniger um die Auflösung von grausamen Morden als um die Psychogramme ihrer Figuren, die eben leider deswegen auch zu Taten fähig sind, die zwar einzig Nolls hemmungsloser Phantasie entspringen, aber oft inspiriert sind von Menschen, denen sie irgendwo begegnet ist. Als Vorteil empfindet sie: »Je älter ich werde, desto unsichtbarer bin ich für andere. Die Menschen nehmen eine alte Frau nicht mehr wahr und sprechen ganz ungeniert miteinander oder in ihr mobiles Telefon.« Sie hört gerne zu und erfährt oft Dinge, die ganz sicher nicht für ihre Ohren bestimmt sind. »Dabei kommt es mir zugute, dass ich inzwischen ein Hörgerät trage – auch so ein Resultat der Materialermüdung, aber ich weiß es für mich zu nutzen.« sagt sie grinsend. Seit über 30 Jahren darf man Sie Bestsellerautorin nennen. Gleich Ihr erster Roman »Der Hahn ist tot« begeisterte die Leserinnen und Leser. Da waren Sie bereits Mitte 50. Die meisten Ihrer Kolleginnen und Kollegen beginnen in dem Alter schon mit ihren Alterswerken. Man fragt sich, hätte die Frau Noll nicht früher anfangen können? Ingrid Noll (IN): Nein, das hätte sie nicht. Schreiben und Geschichten erfinden war zwar schon immer meine Leidenschaft. Ich konnte bereits mit 5 Jahren lesen und schreiben und las Bücher, von denen ich kein Wort verstand. Das reinste Abenteuer! Aber dann meinte es das Leben auf andere Weise gut mit mir. Eine große Familie, ein offenes Haus, das wollte ich haben und bekam es auch. Ich habe nichts vermisst. Doch: ein eigenes Zimmer, denn das hatte ich bisher nie. Schließlich wurden die Kinder flügge und verließen das Haus. Mit über 50 Jahren bezog ich dann mein erstes eigenes Zimmer mit Schreibtisch. Wie fühlte sich das an? IN: Na endlich, habe ich gedacht. Aber dann wollte ich auch das Beste daraus machen und begann zu experimentieren. Geschrieben hatte ich ja immer, vor allem Briefe. Geschichten für die Kinder. Nie Tagebuch. Das war mir zu intim. Man stelle sich nur vor, das liest mal jemand… oje. Und dann dachte ich: Krimi, das wär‘s doch! Und natürlich habe ich niemandem etwas verraten. Deswegen hatte ich mir auch ein 8 zeittöne Zaubermärchen zeittöne Zaubermärchen 9

Hier finden Sie Impulse für den Alltag

Anstifter

Stiftung Liebenau Österreich