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Zeittöne Sommer 2022 - Stiftung Liebenau

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LebenSerinnerunGen

LebenSerinnerunGen Wolfgang Bahmann war etwa 10 Jahre alt, da wurde er zum Surfer. Nicht am Meer, sondern in den Straßen von Thalkirchen. Was wir heute als S-Bahn-Surfer kennen hat der 89-jährige zu seiner Zeit mit dem Aufspringen auf Lastwagen erprobt. Nicht ganz ungefährlich. Aber Bahmann kam im Gegensatz zu seinem Freund ungeschoren davon, weil er das Risiko einzuschätzen wusste. Ärger blieb ihm dennoch nicht erspart. Das kann man nachlesen auf den ersten Manuskriptseiten, die, inspiriert von seinen Söhnen, eines Tages seine ganze Lebensgeschichte erzählen werden. Als Ingenieur hat er sich zunächst auf die Zellstoffproduktion spezialisiert. So wurde ihm eines Tages der Aufbau einer Fabrik zur Zellstoffgewinnung im Irak angetragen. Die Iraker wollten aus Zuckerrohr Papier produzieren. Ab da lebte er einige Jahre fern von Frau und den vier Kindern. Davon zeugt eine Kiste mit zahllosen Briefen, die er und seine Frau Lore einander geschickt haben. Rückblickend sagt er: »Ich hätte mehr zuhause sein, mich mehr mit meinen Kindern beschäftigen müssen. Ich bedauere das im Nachhinein sehr, in dieser wichtigen Zeit andere Prioritäten gesetzt zu haben.« Der Auftrag an die Deutschen wurde 1975 vergeben, da war es schon unruhig in der Region. 1979 griff Saddam Hussein im Irak nach der Macht. Im Iran, dem einstigen Persien, war die islamische Revolution auf dem Vormarsch und der Erste Golfkrieg zwischen beiden Ländern begann. Bahmann kehrte nach München zurück und betreute die Anlage, so gut es ging, von hier aus. Irgendwann wurde das Werk stillgelegt. In den 80er Jahren wendete er sich der Entwicklung einer Maschine zu, die geeignet war, große Mengen an Linoleum für den Wohnungsbau zu bearbeiten. Vier dieser Poliermaschinen hat er im Auftrag des sowjetischen Präsidenten Michael Gorbatschow bauen dürfen. Geliefert und bezahlt wurden sie, in Betrieb gegangen sind sie nie. Große Ingenieursleistungen, Lebenswerke durchaus, aber keines davon hat je zur Gänze zeigen dürfen, was in ihm steckt. Wolfgang Bahmann hat sich davon nicht erschüttern lassen. Schließlich ist mit ihm Qua- lität Made in Germany in die Welt gereist, die politischen Entwicklungen hatte er nicht zu verantworten. Und weil er in diesen Jahren viel Zeit auf Flughäfen verbrachte, fing er spielerisch an zu zeichnen. Das wurde bald zur Passion. Seit 1978 sind viele hundert Werke entstanden. Auch Lore Bahmann hat mit der Malerei begonnen. Zusammen haben sie viele Kurse besucht und auf Reisen war das Malzeug wichtigstes Utensil im Rucksack. Wolfgang Bahmann ist ein sehr reflektierter Mann, der manchmal zu harsch mit sich ins Gericht geht. Was ihn derzeit so richtig ärgert, ist, dass er sich nie richtig mit dem Smartphone und seinem Laptop beschäftigt hat. Das würde viel erleichtern. Aber er bemüht sich darum. Immerhin ist er ja dabei seine Lebensgeschichte zu schreiben, damit seine Kinder, die sieben Enkel und sechs Urenkel erfahren, was er erlebt hat. 16 zeittöne Lebenserinnerungen zeittöne Lebenserinnerungen 17

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