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Zeittöne Sommer 2022 - Stiftung Liebenau

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Gute Strukturen »Man

Gute Strukturen »Man muss sich auf uns verlassen können!« Vom Klinikalltag ins Haus der Pflege St. Nikolaus Es war im Frühjahr 2021 als die Gesundheits- und Krankenpflegerin Sophie Rentsch nach dem ersten Jahr der Pandemie eine weitreichende Entscheidung traf: Raus aus der Klinik, rein in die Altenpflege. Leicht war der Umstieg vom klar strukturierten, aber kräftezehrenden Alltag im Krankenhaus zur Aufgabe im Haus der Pflege St. Nikolaus in Owingen nicht. Aber Sophie Rentsch hat ihr erstes Jahr gut gemeistert, ist um viele Erfahrungen reicher und froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Fast die ganze Wohngruppe hat sich zur Kaffeestunde eingefunden. Alle haben ihren angestammten Platz eingenommen. Pflegerin, Helferin und eine Ehrenamtliche kümmern sich darum, dass jede und jeder bekommt, was sie am liebsten mögen. Und auch Sophie Rentsch, die Pflegedienstleitung ist gekommen. Ein Mitbewohner sucht das Gespräch mit ihr, um ein für ihn wichtiges Thema zu klären. Sie nimmt sich einen Kaffee, setzt sich neben ihn und hört zu. Nach wenigen Minuten scheint die Sache zur Zufriedenheit des Mannes besprochen. Sie lachen und plaudern noch eine Weile miteinander, dann geht sie weiter zu den anderen Tischen. »So geht das hier«, sagt sie. »Alle, die hier leben, müssen sich darauf verlassen können, dass wir ihnen gerecht werden und Zeit für sie haben, wenn sie uns brauchen.« Ihre Philosophie, damit das gelingt, lautet: Gute Strukturen, gute Atmosphäre – für alle. Für die Menschen, die im Haus leben und die Mitarbeitenden, die für sie da sind. Gelernt hat sie das im Krankenhaus. Dort hatte sie als Stationsleitung viel Verantwortung. Jeder Handgriff muss sitzen. Und das heißt auch, dass Kompetenzen klar verteilt sind und wie Zahnräder ineinandergreifen müssen. »Es muss ja oft schnell gehen im Krankenhaus, da müssen alle sehr genau wissen, was sie zu tun haben.« Mit der Erfahrung von Schnelligkeit, gepaart mit Kompetenz, Verlässlichkeit und dem Wissen, dass Hierarchien auch ein Gutes haben, wechselte sie in das Haus der Pflege St. Nikolaus. Sophie Rentsch stellt dabei im Rückblick fest: »Das war erstmal ein Schock für mich.« Die Aufgabe im Haus der Pflege ist vergleichbar mit einem langen ruhigen Fluss im Gegensatz zu dem reißenden Bach aus dem sie kam. Also mindestens zwei Gänge runter schalten, nicht mehr rennen, sondern gehen. Nicht mehr fünf Fälle gleichzeitig im Auge behalten, sondern sich mit Ruhe dem einzelnen Menschen widmen, ihn kennenlernen, seine Bedürfnisse wahrnehmen und Nähe herstellen. Aber das war es ja, was sie wollte: den Mensch intensiver in den Mittelpunkt ihres Tuns rücken. Heute sagt die 32jährige, die erst Arzthelferin gelernt, dann zwei Jahre was ganz anderes gemacht hat, schließlich zurückkehrte und sich zur Gesundheits- und Krankenpflegerin ausbilden ließ: »Ich mag meinen Beruf unfassbar gerne, auch ohne den ständigen Adrenalinkick. Den brauche ich nicht mehr.« Denn die Bedürfnisse der Menschen im Haus stehen im Vordergrund. Das Team täglich neu zusammenzuschweißen ist dabei ebenso wichtig wie immer zu sehen, was die Bewohnerinnen und Bewohner umtreibt, was sie brauchen. Denn nur ein Team, das mit klaren Regeln und Vorgaben arbeitet, bewältigt den Alltag im Haus so, dass »wir zusammen Sicherheit, Verlässlichkeit und Zuwendung geben können.« Dass sie sich dabei auf ihr Team verlassen kann und ihr Team auf sie, ist für sie essentiell. Dieser Spirit spricht sich längst auch in Owingen herum. Es gibt immer mehr Ehrenamtliche, die sich engagieren und auch die Angehörigen bringen sich ein. Das Telefon klingelt. Angehörige organisieren ein Grillfest im Haus. Letzte Details müssen besprochen werden. Auch das braucht Struktur und Zuwendung. Sophie Rentsch ist in ihrem Element. 12 zeittöne Gute Strukturen zeittöne Gute Strukturen 13

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