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Zeittöne Sommer 2021 - Stiftung Liebenau

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Zuversicht Impuls Auf

Zuversicht Impuls Auf dem Weg hier schaltet sich Sigrid Klausmann in das Gespräch ein … eigentlich möchten wir doch auch gerne so umsorgt alt werden wie unsere Mütter. Aber das wird ein anderes Altwerden sein. Meine Mutter ist fast 95 Jahre alt und lebt seit 1951 im »Paradies«. So hat mein 2011 verstorbener Vater unser Elternhaus genannt, in dem meine sechs Geschwister und ich im Schwarzwald, weit ab vom nächsten Ort, aufgewachsen sind. Heute ist sie pflegebedürftig. Mein Bruder lebt mit seiner Familie im Haus, wir haben eine Hilfe für sie, einmal in der Woche wird sie, und darauf freut sie sich riesig, in die Tagespflege gebracht und am Wochenende ist immer jemand von uns bei ihr. Sie fühlt sich wohl und geborgen, dort wo sie seit Jahrzehnten zuhause ist. Ich habe im letzten Jahr eine Langzeitdokumentation über meine Mutter abgeschlossen, die eigentlich erst nur für die Familie gedacht war und jetzt auf Festivals eingeladen wird. Es ist eine Geschichte über Bescheidenheit, Demut, Zufriedenheit und Glück. Aber wir sind nicht mehr so bescheiden und, ja, auch nicht mehr so demütig und leicht zufrieden zu stellen. Wir leben ganz anders, flexibler, Lebensabschnitte werden bewusster gestaltet. Wir gehören schon zu den neuen Alten, wir werden die Mehrheit sein. Das wird spannend. Aber noch sind wir gesund und mit unseren Projekten ausgelastet. Walter freut sich schon, wenn er wieder auftreten darf und ich, wenn ich wieder reisen darf und weiter Filme über die Kinder dieser Welt drehen kann. PS für Theaterbegeisterte: Bei den Freilichtspielen in Schwäbisch Hall ist Walter Sittler bis September 2021 als Nathan in Lessings »Nathan der Weise« zu sehen. Karten unter www.freilichtspiele-hall.de Ich durfte dabei sein und war überrascht, wie Frau W. die neuen Pflegekräfte begrüßte. Wenn ihr ab heute miteinander Dienst tut, sagte sie, versteht euch immer als Team. Und es geht immer und ausschließlich um das Wohl unserer Gäste. Ich möchte, dass ihr euch immer vor Augen führt: Menschen, die bei uns wohnen, sind auf der Reise. Sie haben ihre Koffer gepackt und sind von zuhause aufgebrochen. Hier bei uns im Pflegeheim machen sie noch einmal Rast vor dem Sterben. Und unser ganzes Bemühen muss es sein, ihnen die Rast so geborgen wie möglich zu gestalten. Ich weiß, wir werden für jeden einzelnen wenig Zeit haben. So vieles muss geleistet werden. Wecken, Medikamente richten, waschen, anziehen, pflegen, den Tag gestalten. Ihr wisst schon, was alles zu tun ist. Das Entscheidende aber ist, mit welcher Haltung wir es tun. Denkt immer daran. Die Bewohner sind unsere Gäste auf einer der wichtigsten Reisen ihres Lebens. In ihrem Gepäck ist ihr ganzes Leben. Erinnerungen. Glück und Schmerz. Jeder trägt sein ganzes Leben mit sich. Manchen müssen wir tragen helfen, andere gehen unbeschwert, manche freuen sich auf diese Reise, andere haben Angst. Wir wissen nicht, wann sie wieder aufbrechen von hier. Aber wie sie sich fühlen hier bei uns, dafür stehen wir ein: Wir behandeln unsere Gäste mit großem Respekt und würdevoll. Erst wenn sie sich geborgen fühlen, sind wir zufrieden. Gäste auf ihrer wichtigsten Reise, dachte ich. Ja, so ist es und so darf es sein. Und so werde ich es Oma sagen können, dass sie auf dem Weg in eine neue Heimat noch einmal Herberge bezieht und Gast sein darf. Prälat Michael H.F. Brock ist Vorstand der Stiftung Liebenau 14 zeittöne Zuversicht zeittöne Impuls 15

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