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Zeittöne Herbst/Winter 2019/2020 - Stiftung Liebenau

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Lebenslinien Traum einer

Lebenslinien Traum einer großen Anlage. Seine riesige Modelleisenbahn brachte er auch von Berlin an den See. Bärbel hatte den Garten. Sie stickte gern und liest leidenschaftlich. Da mußte Uwe oft in der Küche ran, damit es was zu Essen gab. Katzen gesellten sich dazu. Das Glück war perfekt. Sie lebten sich schnell ein und hatten bald einen großen Freundeskreis. Denn eines hatte man ihnen gleich gesagt: »Ihr müsst schon selber ins Dorf gehen, das Dorf kommt nicht zu euch.« Das Dorf kam bald auch gerne zu ihnen. »Wir lieben die Mentalität, den Humor und die Sprache der Leute hier«, sagt Bärbel und erklärt das so: »Wenn ich meine Krapfen in deinem Fett backen darf, dann darfst du deine Ripple in meinem Kraut kochen.« So sei das in diesem Landstrich mit Freundschaft und guter Nachbarschaft: Man geize nicht mit dem Fett, sondern teile es. Und noch etwas sei wichtig: »Wir grüßen alle, denn alles was sich bewegt, wird gegrüßt, alles, was sich nicht bewegt, wird geputzt …« Den Hof haben sie verkauft, weil es einfach zu viel Arbeit war und »wir ja nicht wussten, wie lange wir noch die Kraft haben werden. Verlottern lassen wollten wir ihn keinesfalls«, berichtet Uwe. »Schmerzhaft war das trotzdem«, sagen beide. Der »Adler« in Wittenhofen war lange schon eines ihrer Lieblingsziele, weil die »Sößle« dort sehr fein sind, und sie halt so gern zum Essen ausgehen. Also fragten sie den Adlerwirt nach einer Bleibe und der hatte was für sie. »Das war zwar sehr schön, aber nicht altersgerecht« erzählt Bärbel. Schließlich tat sich die Gelegenheit auf, in den Lebensräumen für Jung und Alt eine Wohnung zu bekommen. Da haben sie zugegriffen. Das sei schon eine Umstellung gewesen. »Vorher haben wir auf 200 Quadratmetern gelebt, jetzt auf 73.« Ein kleines Aquari- um, ein Kasten an der Wand mit den schönsten Waggons der Modelleisenbahn sind geblieben. Aber »in unser Seniorenbiotop mit anschließendem Gnadenhof passt halt nichts mehr rein. Wir mussten uns häuten.« Uwe Borgwardt sagt das ganz ohne Groll. Glücklich sind sie hier und genießen die Vorteile der Lebensräume für Jung und Alt, in denen sie manches neu gelernt haben. »Wir sind so viel aufmerksamer geworden, denken für andere mit und sie für uns.« Es sei eine tolle Erfahrung in dieser Gemeinschaft sein zu dürfen. »Kinder haben mich früher immer genervt, heute gehören sie dazu. Wir haben erst hier überhaupt den Umgang mit Kindern gelernt«, betont Bärbel. Auch das Mitdenken für Menschen mit Behinderung sei inzwischen eine völlige Selbstverständlichkeit. »Es gibt so vieles, das wir früher nicht in unserem Leben hatten und hier lieben gelernt haben.« Deswegen engagiert sich Bärbel Borgwardt auch im Bewohnerbeirat.« Uwe hat sich eine Skatrunde aufgebaut, die wöchentlich zusammenkommt und beide fahren regelmäßig zu ihren alten Skatfreunden nach Stockach. »Hier sind wir glücklich und werden bequem alt. Der »Adler« ist unser zweites Wohnzimmer. Was wollen wir mehr?« fragt Uwe und Bärbel entgegnet: »Ganz ehrlich, mein Garten fehlt mir. So ein bisschen Gartenarbeit würde mir schon noch gefallen.« 8 zeittöne Lebenslinien zeittöne Lebenslinien 9

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