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Zeittöne Herbst/Winter 2019/2020 - Stiftung Liebenau

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Besonnenheit Gegenwind

Besonnenheit Gegenwind gibt’s immer Lieber Herr Ministerpräsident, zunächst herzlichen Dank dafür, dass Sie sich Zeit genommen haben, unseren Leserinnen und Lesern, einen kleinen Einblick in den Alltag des beliebtesten Ministerpräsidenten Deutschlands zu geben … Lassen Sie uns über Krawatten sprechen. Tragen Sie die gerne? Winfried Kretschmann Lacht. Nein. Aber sie ist ein Konsens, der vieles leichter macht und sie kann ein Statement sein. Eine Krawatte zeigt auch den Respekt, den man einem anderen entgegen bringt. Lassen Sie mich das so sagen: Ich mache seit über 40 Jahren mit großer Leidenschaft und ernsthaft Politik. Seit 2011 bin ich Ministerpräsident unseres Landes. Über das Tragen von Krawatten denke ich nicht nach. Ich mach es halt. Und ich bin froh über meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass immer eine Krawatte vorhanden ist, die zur entsprechenden Gelegenheit passt. Grün ist der Grundton. Da unterscheiden sich meine Krawatten also nicht von meiner Politik, ich trage sie also durchaus bewusst. Ich habe ja 1979 die Grünen mitbegründet. Wer damals einen Anzug trug, wurde schon kritisch beäugt. Die Kleiderfrage wurde auch als Haltungsfrage gesehen. Inzwischen ist Bekleidung ja längst eine globale ökologische und soziale Frage. Darüber mache ich mir mehr Gedanken als über das Kleiderstück selbst. Sie denken ja überhaupt viel nach und formulieren mit Bedacht. Wie geht das, wenn sich jeden Tag Nachrichten überschlagen, in der Koalition wieder Streit aufkommt und Sie permanent zu allem gefordert sind? Das ist in der Tat nicht immer einfach. Aber ich denke eben in langen Linien und möchte besonnen handeln. Auf meinem Schreibtisch steht seit meinem Amtsantritt vor acht Jahren ein Schutzengel. Das Geschenk einer befreundeten evangelischen Pfarrerin. Auch wenn ich oft nur kurz zu ihm blicke, gemahnt er mich doch fast täglich zum Innehalten, zur Reflexion über meinen Grenzen, Ängste und die Gefährdungen in der Politik. Regieren heißt ja nicht, dass ich da oben im Staatsministerium sitze und überlege, was kann ich morgen tun und alle machen frohgemut mit. Regieren heißt, die unterschiedlichen Interessen so unter einen Hut zu bringen, dass der Koalitionsvertrag erfüllt wird und wir im Land vorankommen mit den kleinen und großen Themen, die drängen und angepackt werden müssen. Die große Linie, den Klimaschutz und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft habe ich dabei konsequent im Blick. Aber egal wie, immer und überall gibt es Gegenwind. Da braucht es Besonnenheit und diplomatisches Geschick. Alles muss gut durchdacht sein, wenn man diese schwierigen Themen möglichst gemeinsam mit allen Beteiligten auf den Weg bringen will. Und ich will das! Da ist noch viel zu tun, deswegen habe ich mich auch für eine weitere Kandidatur entschieden. Klar ist aber auch: Manchmal gehe ich voran, entscheide und regiere kraftvoll. 12 zeittöne Besonnenheit zeittöne Besonnenheit 13

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