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wir - mittendrin 2 / 2018

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Arbeit Der Schuster

Arbeit Der Schuster macht‘s Orthopädische Schuhe können elegant oder sportlich sein. In jedem Fall müssen sie ganz genau passen, damit sie ihren Zweck erfüllen. Sie zu fertigen, ist aufwendig und kann nicht von Maschinen übernommen werden. Orthopädieschuhmacher-Meister Götz Maierhofer aus Tettnang schildert seine Arbeit. Zuerst macht der Schuhmacher vom Fuß einen sogenannten Blauabdruck. Dafür wird ein Umriss der Füße gezeichnet. Von beiden Füßen werden Maße genommen: von den Ballen, vom Spann, der Ferse und bei höheren Schuhen vom Bein. Auch der Verkürzungsausgleich wird vermerkt, damit die fertigen Schuhe von außen gleich aussehen. Anschließend macht der Schuhmacher einen 3D-Scan vom gesamten Fuß. Anhand des Scans liefert eine Firma die Schuhform. Diese Leisten sind aus Buchenholz gefräst. Sie sind das Grundwerkzeug, mit dem der Schuh gefertigt wird. Zuerst hilft ein exakter Plastikschuh. Bei der Anprobe kann der Schuhmacher damit exakt erkennen, wo der Schuh beim Kunden noch drücken könnte und korrigiert die Leisten. Danach wird der Schuh gefertigt. Die Montierung des Schuhs beginnt. Die Kappen werden in das Oberleder eingearbeitet. Der Schuh wird von Hand mit sogenannten Zwickzangen über den Leisten gezogen, dann unten mit Nägeln befestigt und mit der Brandsohle verklebt. Zum Schluss kommt der Bodenbau mit den Absätzen. Darüber kommt die Laufsohle. Der Schuh wird ausgeleistet, das heißt die Leisten werden dreiteilig eingeschnitten, die Schrauben gelöst. Dann wird die Einlage gefertigt, mit Leder bezogen und hineingelegt. Der Schuh ist fertig. Falls der Kunde beim Probegehen noch Probleme hat, kann der Schuhmacher sie noch beheben. Bis ein Paar Schuhe komplett fertig ist, rechnet ein Schuhmacher mit 30 bis 40 Arbeitsstunden. Allein ein Schaft wird aus vielen meist ledernen Einzelstücken hergestellt. Sie werden alle von Hand geschnitten und vernäht. „Da gibt es bis heute keine Maschine, die dies automatisieren kann“, sagt Maierhofer. Orthopädische Schuhe kosten durchschnittlich etwa 1.500 Euro. Text/Foto: Torsten Calamiello 8

Kultur Die weite Welt im Museum Claude Dornier war Maschinenbauingenieur. 1910 begann er als Versuchsingenieur bei der Abteilung „Luftschiffbau Graf Zeppelin“. Im Dornier Museum in Friedrichshafen werden alte Pläne und Messgeräte sowie Plaketten, ein altes Buch über Flugzeuge und Motorenbau in Italienisch gezeigt. In einer Wandnische steht ein Riesenpropeller. Man sieht die ersten Flugzeuge, zum Teil noch mit Holzpropellern, auch alte Hubschrauber. Kurz vor dem Krieg - 1938 - begann Dornier mit der Entwicklung der Schalenbauweise. Diese erregte vor allem das Interesse der Alliierten. Im Krieg beschäftigte Dornier viele Häftlinge, der größte Teil aus dem Ausland, die in Lagern gefangen gehalten wurden. Karten zeigen die Fluglinien, die von der Antarktis bis zum Nordpol reichten. Jeder Flug wurde dokumentiert: Datum, Abflugzeit, Flugdauer, Lande- und Abflugorte, Anzahl der Passagiere. Ein Flugzeugabteil ist nachgestellt: geschmackvolle, schöne Holzmöbel mit samtbezogenen Stühlen, ein kleines Waschbecken, Spiegel darüber. Auf dem Tisch schönes Geschirr. Das Luftschiff war sieben Meter lang, 3,5 Meter breit. Es bot 26 Passagieren Platz. Mit dem Flugboot begann der weltweite Langstreckenverkehr. Großbritannien startete Verbindungen zu seinen entfernten Kolonien wie Indien, Ceylon, Afrika. Nach dem 2. Weltkrieg begann die Zeit der Metallflugzeuge. Es werden verschiedene Passagierflugzeuge und Frachtmaschinen, aber auch Flugzeuge für den Transport von Soldaten gezeigt. In die Flugzeuge im Originalzustand kann man hineingehen. Die vielen Knöpfe, Schalter, Hebel sind für Laien nicht überschaubar. Text/Fotos: Ingrun Mathauer Dornier Museum Friedrichshafen: Mai – Oktober: täglich 9 – 17 Uhr donnerstags – 20 Uhr November – April: Di bis So von 10 – 17 Uhr Eintritt: 11 Euro; ermäßigt: 5 Euro/8 Euro www.dorniermuseum.de 9

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