Mediathek der Stiftung Liebenau
Aufrufe
vor 2 Jahren

wir mittendrin - 1 / 2020

  • Text
  • Menschen
  • Liebenau
  • Behinderungen
  • Stiftung
  • Ravensburg
  • Inklusion
  • Grenzen
  • Landesgartenschau
  • Behinderung
  • Rosenharz
  • Liebenau.de
Die Zeitschrift von Menschen mit und ohne Behinderungen

6 1 |

6 1 | 2020 ENGAGEMENT Süßer Dank für Hilfsbereitschaft Die guten Taten von manchen Menschen bleiben oft im Verborgenen: Sie bieten ihre Hilfe ohne großes Aufheben und unaufgeregt an. Wie zum Beispiel Hans Dieter Natterer, den Martina Sulzer von den Ambulanten Diensten der Stiftung Liebenau begleitet und für die „wir mittendrin“ interviewte. Mit den Jahren sind Sie immer selbstständiger geworden, was hat Ihnen dabei geholfen? Bei der Arbeit in der Landwirtschaft und in der Grünlandgruppe habe ich schon viel gelernt: wie man fegt und Schnee schippt oder das Laub zusammen recht. Ich habe dann in einer Wohngruppe gewohnt, mit zwei anderen Männern. Da hat man mir gezeigt, wie die Waschmaschine geht und wie man Wäsche wäscht: Pullover und Hosen bei 30 Grad, Bettwäsche und Handtücher bei 60. Aber das steht am Zettele dran. Sie sind bekannt als ein sehr hilfsbereiter Mann. Wem helfen Sie? Ich habe dem Bruno oft geholfen, der ist aber vor kurzem ins Pflegeheim nach Rosenharz (Anm.: Fachzentrum der Stiftung Liebenau) gezogen. Ich habe ihn mehrere Jahre jeden Tag besucht und ihm das Mittagessen von den Johannitern warm gemacht. Der Bruno war so schwach, dass er auch nicht die Abdeckung vom Essen alleine wegmachen konnte. Seinen Plastikmüll habe ich auch immer weggebracht und seinen Briefkasten geleert. Im Herbst fege ich das Laub weg und im Winter tu ich Schneeschippen. Eigentlich die Parkplätze und Wege. Alle 14 Tage bringe ich die Laubsäcke runter zur Annahmestelle beim Feuerwehrhaus. Was hat Sie dazu gebracht, so viel für Bruno zu tun? Der Bruno war einfach schwach, dem habe ich gerne geholfen. Ich habe gesehen, wie schwer es oft für ihn war. Er ist auch manchmal gestürzt. Aber er wollte trotzdem allein wohnen. Da muss man doch dann helfen. Was haben Sie für Ihre Hilfe bekommen? Ich hab manchmal Mon Cheri oder einen selbstgebackenen Kuchen von Brunos Verwandtschaft bekommen. Darüber habe ich mich schon gefreut. Gibt es etwas, das Sie sich besonders wünschen? (lacht) Ich würde mal gerne nach Regensburg reisen. Im Fernsehen habe ich eine Sendung über die Domspatzen gesehen, die würde ich gerne mal hören. Oder die Wiener Sängerknaben oder den Tölzer Knabenchor. MOBILITÄT Wie kommt Mario in die Stadt? Der Freitag ist für Mario Miltz, Feuerwehrautos angeschaut, Reporter der „wir mittendrin“, und wenn ich genug Geld dabei- immer ein besonderer Tag. gehabt hatte, habe ich mir auch Dann hat er Zeit, für Erkundungstouren in der Stadt. Seit nem Hörgeräteakustiker gegan- er umgezogen ist, muss er dagen, um meine Hörgeräte reinifür noch einige Grenzen übergen zu lassen. Und manchmal winden. habe ich auch ein Eis gegessen. was gekauft. Ich bin oft zu mei- Am Abend bin ich dann mit dem Früher habe ich in Hegenberg Bus von Ravensburg bis nach gewohnt. Ich habe mich schon Langentrog gefahren. Von da immer gefreut, wenn ich im Kalender gesehen habe, dass Freigruppetag ist. Denn am Freitag bin ich allein mit dem Bus nach Ra- Bus hält fast vor dem Haus vensburg gefahren. Ich bin dann Jetzt wohne ich nicht mehr in von Hegenberg nach Unter- Hegenberg. Ich wohne jetzt in eschach zur Bushaltestelle ge- einem neuen Wohnhaus in laufen. Dann bin ich in den Bus Oberteuringen. Hier habe ich der Linie 3 nach Ravensburg eine Bushaltestelle fast direkt eingestiegen. Dort bin ich am vor meinem Wohnhaus. Aber ich Kornhaus oder am Marienplatz kann nicht mehr so einfach nach ausgestiegen. Wenn Flohmarkt Ravensburg fahren. Der Bus Li- war, bin ich an einer anderen nie 14 fährt jede Stunde in Haltestelle ausgestiegen. In Ra- Oberteuringen ab und fährt bis vensburg habe ich meinen frei- nach Friedrichshafen Stadten Nachmittag genossen. Ich bahnhof. Um dann nach Ravens- habe mir Spielsachen und burg zu kommen, müsste ich war es nicht weit bis zur Wohn- noch in die blaue Bob-Bahn einsteigen. Das ist für mich ganz schön schwer. Da habe ich Angst, dass ich den Zug verpasse. Und es sind mir zu viele Gleise. Da komme ich durcheinander und ich habe Schwierigkeiten die Anzeigetafeln auf dem Bahnhof zu lesen. Daher gehe ich nicht mehr nach Ravensburg. Jetzt übe ich mit dem Mitarbeiter Martin Schmidtke, wie ich mit dem Bus alleine nach Friedrichshafen komme und wieder zurück nach Oberteuringen. Es ist schade, dass am Wochenende der Bus nur alle zwei Stunden in Oberteuringen abfährt. Ich muss auch schauen, dass ich abends nicht zu lange in der Stadt bleibe. Denn der letzte Bus nach Oberteuringen fährt schon um 19.15 Uhr am Stadtbahnhof ab. Erkundungstouren warten Was ich toll finde, dass in Friedrichshafen ein Spielwarenladen in der Nähe vom Stadtbahnhof ist. Und ich freue mich darauf, nach Ravensburg jetzt auch Friedrichshafen alleine zu erkunden. Foto: Martin Schmidtke

1 | 2020 7 FREIZEIT UND KULTUR Tinte, Tafel, Tablet Das Schulmuseum in Friedrichshafen zeigt, wie Schule sich über die Jahrhunderte verändert hat. Ingrun Mathauer, Reporterin der „wir mittendrin“ lebt im Fachzentrum Rosenharz der Stiftung Liebenau. Sie berichtet über die Ausstellung. Aufstieg: Achim Gebert (links) und Dominik Marohn kicken inzwischen beim TSV Bodnegg. FREIZEIT Runde Sache ganz inklusiv Die beiden Freunde Dominik Marohn und Jedermann- beziehungsweise Alte-Herren- Achim Gebert leben im Fachzentrum in Ro- Training (AH) auf dem eigenen Sportgelände senharz, das zur Stiftung Liebenau gehört. an. An diesem Angebot nehmen die beiden Schon seit über zehn Jahren spielen sie Rosenharzer Bewohner jede Woche mit viel beim FC Rosenharz erfolgreich Fußball. Mit Leidenschaft und Einsatz teil. Nach Abspra- ihrem kameradschaftlichen und sozialen che mit Zielonka wurden sie vom Rosenhar- Verhalten sowie ihren fußballerischen Fäzer Training befreit, um in Bodnegg ihr fußhigkeiten sind sie ein wichtiger Teil des ballerisches Können weiter zu entwickeln. Teams der Rosenharzer Kicker worden. Rosenharz, gerade bei Turnieren. Ihr Blick ging jedoch immer Der Trainer des FC Rosenharz schon auch über den FC Ro- unterstützt die beiden, wo der senharz hinaus. Bereits vor ei- kann und hat auch Kontakt zum nigen Jahren haben die beiden Bodnegger Trainer Michael Kontakte geknüpft zu jungen Kohr, der nur Positives über Erwachsenen aus dem nahen Achim Gebert und Dominik Ma- Umfeld, die sich regelmäßig auch rohn berichtet. „Ich finde es eine in Rosenharz auf dem Sportplatz oder tolle Sache, auch vom TSV Bodnegg, in der Halle zum Freizeitkick getroffen ha- wie integriert und angekommen die beiden ben. Stolz berichteten sie hiervon immer ih- im Verein dort sind. Schön, wenn Inklusion rem Trainer Holger Zielonka. auf diesem Wege gelebt werden kann. Man merkt auch eine enorme Leistungssteige- Ansporn für Neues rung der beiden, seit sie in Bodnegg kicken“, Vor gut einem Jahr haben die beiden es schildert Zielonka. durch Eigeninitiative und Engagement geschafft, einen Schritt nach außen zu wagen: Text und Foto: Christian Duelli, Reporter Der benachbarte TSV Bodnegg, zu dem der der „wir mittendrin“ kickt selbst FC Rosenharz schon immer einen guten leidenschaftlich beim FC Rosenharz. Er Kontakt pflegte, bietet dienstagabends inte- arbeitet in der Cafeteria vom Fachzentrum ressierten Fußballern ein Rosenharz der Stiftung ge- Sie sind dennoch weiterhin Teil des FC Liebenau. Es begann mit dem Schreiben in alten Bildungseinrichtungen wie Dom- und Stiftsschulen, Klosterschulen, Lateinschulen, Pfarrschulen in Dörfern und Städten. Wenn ein Schüler mit der Rohrfeder umgehen konnte, dann konnte er in klösterlichen Schreibstuben tätig sein. Klar, alles auf Latein. Man brauchte viel Geduld zum Abschreiben von religiösen Werken. Denn: Bis zur Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg schrieb man von Hand. Tablet und digitales Schreiben waren noch in weiter Ferne, noch Zukunftsmusik. Auch die Schreibmaschine kam erst kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert in Gebrauch. Früher gab es für das Volk Dorfschulen. Diese wurden von 80 Prozent der Kinder besucht. Ausnahme: Wenn Eltern arm waren, ohne Kinderarbeit nicht auskamen. Es gab noch keinen 45 Minuten Unterricht, keine Noten, Klassenarbeiten, genaue Stoffverteilungspläne, Zwänge unter Druck einer Abschlussprüfung. Es gab viele Strafen: Strafstehen und -sitzen, Strafarbeiten wegen vergessener Hausaufgaben, Arrest, Züchtigungen mit Rute oder Stock. Prügel dienten dazu, „das Böse im Kind“ zu bändigen. Lehrerinnen sorgen für sich selbst Lehrerin werden war für bürgerliche und höhere Töchter, die einzige Möglichkeit für sich allein zu sorgen. Sie waren ledig und klug. Sie konnten ab 1858 in Volksschulen unterrichten. Bei Heirat gab es keine Anstellung mehr und es entfiel auch der Pensionsanspruch. Da haben wir es heute wirklich gut: Wir haben gute Lernmittel, geregelten Unterricht, keine Züchtigungen mehr. Wir setzen oft den PC ein. www.schulmuseum.friedrichshafen.de Foto: Schulmuseum Friedrichshafen

Hier finden Sie Impulse für den Alltag

Anstifter

Stiftung Liebenau Österreich