Mediathek der Stiftung Liebenau
Aufrufe
vor 3 Jahren

wir 2 / 2018

  • Text
  • Menschen
  • Liebenau
  • Stiftung
  • Teilhabe
  • Behinderungen
  • Behinderung
  • Arbeit
  • Liebenauer
  • Gewalt
  • Lebensgeschichte

16 Biografiearbeit hilft

16 Biografiearbeit hilft beim Umgang mit traumatischen Lebensereignissen Der Weg zum positiven Selbstbild HEGENBERG – Was bedeutet ein Trauma oder traumatische Lebensereignisse? Der Begriff Trauma ist verknüpft mit dem Erfahren einer existenziellen Bedrohung, dem überwältigenden Gefühl von Angst und Hilflosigkeit und dem Mangel an Bewältigungsmöglichkeiten. Das heißt, die betroffene Person ist der Situation völlig ausgeliefert. In der Traumaforschung ist man sich einig, dass ein sehr belastendes Ereignis nicht automatisch zum Trauma, oder genauer zu posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) führen muss. Dies geschieht erst dann, wenn über einen längeren Zeitraum keine Möglichkeit besteht, die belastenden Erfahrungen einzuordnen und zu verarbeiten. Die existentielle Hilfe, Zuwendung, Sicherheit und das Vertrauen in die Welt wieder zu erlangen, sind deshalb entscheidende Faktoren für die weitere Entwicklung. Betroffene, die weniger Möglichkeiten erfahren diese Hilfe zu erlangen, sind weitaus gefährdeter, Traumafolgestörungen zu entwickeln. Dies sind etwa Kinder in belastenden familiären Strukturen oder Betroffene, die nicht aktiv ins Geschehen eingreifen können, wie zum Beispiel Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen. Störungen sind erkennbar etwa am veränderten Umgang mit Emotionen, mangelnder Impulskontrolle, geringer Aufmerksamkeitsspanne, verzerrter Selbst- und Fremdwahrnehmung, Schwierigkeiten in der Beziehungsgestaltung sowie einem beeinträchtigten Körpergefühl. Vor allem wiederkehrende Traumatisierungen im Kindes- und Jugendalter haben große Auswirkungen auf die Entwicklung des eigenen Selbstbildes. Sehr häufig entstehen unbewusst negative generalisierte Selbstüberzeugungen: „Ich bin nichts wert!“, „Ich kann mich auf niemanden verlassen und niemandem vertrauen!“, „Ich mach eh immer alles falsch!“. In der Traumatherapie und traumapädagogischen Begleitung spricht man anstelle von Heilung, von der Integration der Ereignisse und ein „Damit-Leben“ im Alltag. Zunächst werden biografische Ereignisse sowie Umstände für diese Verhaltensstrategien und Handlungsmuster beleuchtet. Dabei braucht es keine ganz detaillierte Kenntnis der traumatischen Situationen, die der Betroffene erlebt hat. Bei Carina E. (Name geändert) ist beispielsweise zu beobachten, dass sie Essensvorräte in ihrem Zimmer hortet und versteckt. Biografischer Hintergrund: Als Kleinkind wurde sie nicht regelmäßig mit Nahrung versorgt. Ihre heutige Strategie hat ihr früher das Überleben gesichert. Den Hintergrund von Strategien zu erkennen, einzuordnen und auch zu würdigen, ist Aufgabe der Fachkräfte. Mit Carina E. haben sie zum Beispiel gemeinsam erörtert, was sie für die Nacht braucht und wo sie „offiziell“ ihre Vorräte anlegen kann, um sich sicher fühlen zu können. Eine zentrale Haltung in der traumapädagogischen Begleitung ist es, den negativen Ereignissen neue positive Erfahrungen und Verlässlichkeit entgegenzusetzen. Ein positives Selbstbild kann sich entwickeln, wenn die Betroffenen Autonomie erhalten, selbst entscheiden können und dadurch Kompetenz erleben und außerdem erfahren, dass sie Einfluss nehmen können. Das Gefühl der Zugehörigkeit, die entgegengebrachte Achtung und Wertschätzung stärken den einzelnen Menschen. Festgefahrene Selbstüberzeugungen können bewusst gemacht und aufgrund stärkender Erfahrungen umgewandelt oder verändert werden. Die Grundhaltungen der Traumapädagogik stellen hohe Ansprüche an die Mitarbeitenden und erfordern oft täglich einen Neuanfang sowie einen langen Atem. Es lohnt sich jedoch, sich mit der „Überlebenskraft“ der Betroffenen zu verbünden und ihre bisherige Lebensleistung anzuerkennen, um wiederum Neues bewirken zu können. Dorothea Wehle-Kocheise Mit Hilfe der Traumapädagogik kann das eigene Selbstbild verbessert werden. Foto: Becker

fachlich - menschlich - gut 17 Der neue Rektor der Don-Bosco-Schule wurde feierlich eingesetzt (v. l.): Markus Wursthorn (Geschäftsleitung Liebenau Teilhabe), Rektor Manfred Kohler mit Ehefrau und Jörg Munk (Geschäftsführer Liebenau Teilhabe). Foto: Luuka Manfred Kohler: neuer Rektor an der Don-Bosco-Schule Mut für neue Wege erwünscht Manfred Kohler ist der neue Rektor am Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) Don-Bosco-Schule der Liebenau Teilhabe. Da er schon seit Schuljahresbeginn 2017/2018 in Hegenberg tätig ist, konnte bei seiner feierlichen Einsetzung eine erste positive Bilanz gezogen werden. Dass keine Vakanz der Schuleiterposition nach der Pensionierung des ehemaligen Rektors Wolfgang Közle entstanden sei, ist nicht selbstverständlich, so Markus Wursthorn, Geschäftsleiter im Bereich Arbeit und Bildung der Liebenau Teilhabe. Denn die Aufgaben eines Rektors sind komplexe und vielschichtige Führungsaufgaben, die aber auch viel Gestaltungsspielraum bieten. So ist Jörg Munk, Geschäftsführer der Liebenau Teilhabe besonders erfreut, mit Kohler einen auch in der Sonderpädagogik fachlich erfahrenen Mann gewonnen zu haben, der zunächst von außen einen Blick auf die besonderen Herausforderungen der Schule im Rahmen des Fachzentrums Hegenberg werfen kann. Schließlich bedeutet Rektor der Don-Bosco-Schule zu sein, gleichzeitig Verantwortung für neun Standorte mit mehr als 200 Schülern zu übernehmen, die intensive Zusammenarbeit mit anderen Schulen im Umfeld zu pflegen und die Kooperation mit Gemeinden und dem Schulamt auszubauen. Unruhige Zeiten in der Bildungspolitik Kohler selbst war lange Zeit beim Staatlichen Schulamt in Markdorf beschäftigt, wo er gelernt hat „über den Tellerrand der Schule“ hinauszublicken. Simone Daasch, Schulrätin für SBBZ, wies darauf hin, dass auch fast zehn Jahre nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Bildungspolitik noch ein gutes Stück Weg zurückgelegt werden muss, damit inklusive Bildung verwirklicht werden kann. Das SBBZ Don-Bosco-Schule bietet aber einen „verlässlichen Schutzrahmen, individuelle Förderung und gute Perspektiven“ für Kinder und Jugendliche mit Assistenzbedarf. Munk ergänzte, dass es in Zeiten der Veränderung und der Orientierungsphase mit oft unklaren Rahmenbedingungen, besonders wichtig ist „eine gute Spürnase auch für kleinere Schritte, die möglich sind, zu haben und diese mit Bedacht zu gehen“. So dürfe der neue Schulleiter auch den Mut für neue Wege haben und könne sich dabei auf die Unterstützung der Stiftung Liebenau verlassen. Wie wichtig eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Schulen und den Gemeinden ist, zeigte sich in der Anwesenheit sowohl vieler Rektoren aus der Umgebung, als auch durch Bruno Walter, Bürgermeister von Tettnang und Elisabeth Kugel, Bürgermeisterin von Meckenbeuren. Kugel ist überzeugt, dass „die Schüler der Don-Bosco-Schule Schätze mitbringen, die tiefer liegen – auf die wir aber nicht verzichten können und wollen.“ Die Gemeinde Meckenbeuren sei bereit, gute Rahmenbedingungen für die fein abgestimmten und hoch spezialisierten Förderprogramme der Schule zu schaffen. Anne Luuka

Stiftung Liebenau Österreich