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Technik in der Pflege

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Überprüfung These 1

Überprüfung These 1 „Lebenserhaltung und Lebensentfaltung“ Ein solches GPS-System würde der Lebenserhaltung und Lebensentfaltung von pflegebedürftigen Menschen dienen, da es Schäden zu vermeiden hilft, die bei Orientierungslosigkeit entstehen könnten (z. B. Gefahr eines Unfalls auf befahrenen Straßen, Verlaufen in Städten oder Wäldern etc.). Der individuell bestimmbare Korridor bietet einen geschützten Raum der Entfaltung für Personen mit Hinlauftendenz. Ein ängstliches Festhalten der Person und Einschränken ihrer Mobilität wird überflüssig. Überprüfung These 2 „Mitverantwortung“ Die Mitverantwortung insbesondere der Pflegekräfte und Angehörigen wird durch ein GPS-System nicht aufgehoben, da die Korridore individuell festzulegen sind. Zudem wird ein persönliches Eingehen auf die Lage der betreffenden Person notwendig, wenn ein Signal durch das Überschreiten des personenspezifischen Korridors ausgelöst worden ist (vgl. auch These 5). Überprüfung These 3 „Passgenauigkeit“ GPS-Tracker sollten nur bei Menschen mit einer Hinlauftendenz eingesetzt werden, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich verirren. Die hier überprüften Geräte machen einen passgenauen Einsatz möglich, weil für jede Person ein eigener Bewegungskorridor festgelegt werden kann. Zudem können GPS- Sender flexibel befestigt werden, z. B. am Rollstuhl, als Brosche oder Armband. Überprüfung These 4 „Technikfolgenabschätzung“ Gemäß dem Vorsichtsprinzip muss auch mit einem Ausfall der Technik gerechnet werden (z. B. Akku leer, schlechter Empfang etc.). Insofern verlangt diese These zusätzliche Maßnahmen, z. B. Namensschild mit Adresse und Telefon. Gefordert ist aber auch eine hohe Sensibilität der Mitarbeitenden z. B. hinsichtlich der Zeiten, in denen Bewohnerinnen außer Haus sind. Signalfälle, also ein Überschreiten eines Korridors, das Auffinden der Person und individuelle Folgehandlungen sind gemäß den geltenden Datenschutzbestimmungen zu dokumentieren. Die permanente Speicherung der Aufenthaltskoordinaten von Personen mit GPS-Trackern ist zu unterbinden. Prinzipiell ist eine gewisse Entlastung der Mitarbeitenden und Angehörigen zu erwarten, da die Sicherheit durch GPS-Systeme steigt. 6

Überprüfung These 5 „Selbstbestimmung und Nichtschaden“ Die betreffende Person sollte über die Funktion und den Zweck des GPS-Senders informiert werden. Sie sollte mit dem Anlegen des GPS- Senders einverstanden sein. Die Pflegekräfte sind dann in einer besonderen Verantwortung, wenn das Tragen des GPS-Senders einmal abgelehnt wird, obwohl es grundsätzlich mit den Angehörigen oder Betreuern vereinbart ist. Hier müssen die Fragen beantwortet werden: Wie viel Schaden entstünde für alle Beteiligten, wenn der GPS-Sender nicht getragen wird und die Person dann ggf. zu Hause bleiben muss? Gibt es im Einzelfall Alternativen, z. B. gemeinsames Spazierengehen? Inwiefern kommen Validationstechniken in Frage, um eine Person vom Tragen des GPS-Senders zu überzeugen (z. B. der Hinweis auf die Schmuckfunktion, wenn der GPS-Sender eine Brosche oder ein Armband ist)? GPS-Sender haben nicht den Zweck einer elektronischen Fußfessel. Überprüfung These 6 „Abwägung zwischen Fürsorge und Freiheit bzw. zwischen Schutz und Teilhabe“ GPS-Systeme sollen die Fürsorge und den Schutz von Menschen mit Hinlauftendenz erhöhen, indem sie rechtzeitig Alarm geben, wenn jemand den ihm vertrauten und für ihn vorgesehenen Korridor verlässt. Auch soll größtmögliche Bewegungsfreiheit und Teilhabe erreicht werden, die ohnedies nur durch unverhältnismäßig hohen und häufig nicht vorhandenen Zeit- und Personaleinsatz erreicht werden könnten. Diese sechste These verlangt aber zugleich, immer wieder zu überprüfen, ob der festgelegte Korridor noch dem Fürsorge- und Schutzgedanken einerseits und dem Freiheits- und Teilhabegedanken andererseits entspricht. Fazit Werden die Anwendungshinweise, die sich aus den Thesen ergeben, für den Einsatz von GPS-Trackern berücksichtigt, bestehen ethisch keine durchgreifenden Bedenken gegen die Einführung des beschriebenen Personenortungssystems. Die Auseinandersetzung im Team wird dabei vorausgesetzt. 7

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