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Stellungnahme: Beihilfe zum Suizid in ethischer Bewertung

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Folgende Kriterien 45

Folgende Kriterien 45 sind in den Augen der Kommission wichtig: –– die Urteilsfähigkeit des Suizidwilligen; –– das Leiden, das er empfindet und das durch palliative Pflege nicht hinreichend gemindert werden kann; –– die Diagnose einer tödlichen oder schwer beeinträchtigenden Krankheit; –– das Domizil des um Beihilfe zum Suizid Ersuchenden, da sich die Lage in einem Alten- oder Pflegeheim, einem Krankenhaus oder der eigenen Wohnung jeweils unterschiedlich darstellt; –– die Frist zwischen Ersuchen und Akt der Beihilfe sowie das Einholen einer Zweitmeinung; –– ein psychiatrisches Gutachten, da die große Mehrheit der Suizide im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung erfolgt. Hierzu sagt die Kommission: „Beihilfe zum Suizid soll aus ethischer Sicht auf keinen Fall erfolgen, wenn die Suizidalität Symptom oder Ausdruck einer psychischen Erkrankung ist“; –– tiefe und langjährige Vertrautheit (als wünschenswertes, aber nicht generell zu forderndes Kriterium); –– psychologische Unterstützung und pharmakologische Ausbildung der Suizidbegleiter; –– das Alter des Suizidwilligen, das freilich – außer im Falle von Kindern – nicht als ausschließendes, sondern nur als verstärkendes Kriterium ins Feld geführt werden kann. Die Stellungnahme geht dann noch auf eine Reihe von Sonderfällen ein: Suizidwünsche von psychisch Kranken, von Unmündigen, organisierte Suizidbeihilfe und „Sterbetourismus“. 3.3.3.3 Die Empfehlungen der „Nationalen Ethikkommission“ Folgende zwölf Empfehlungen 46 verabschiedete die Nationale Ethikkommission am 27.04.2005. Bis auf die siebte Empfehlung, bei der es ein Mehrheits- und ein Minderheitsvotum gab, erfolgten die Voten einstimmig oder ohne Gegenstimme. 1 Zwei Pole Die ethischen Fragen, welche die Suizidbeihilfe aufwirft, ergeben sich aus dem Spannungsverhältnis zwischen der gebotenen Fürsorge für suizidgefährdete Menschen einerseits und dem Respekt vor der Selbstbestimmung eines Suizidwilligen andererseits. Empfehlungen, Richtlinien und rechtliche Regelungen müssen beiden Polen in diesem Spannungsverhältnis Rechnung tragen. 2 Suizidbeihilfe und Tötung auf Verlangen Die Mitwirkung bei der Selbsttötung sollte in ethischer Sicht unterschieden werden von der Tötung auf Verlangen. 3 Straflosigkeit der Beihilfe zur Selbsttötung Die Beihilfe zum Suizid bleibt nach Auffassung der NEK-CNE aus ethischen Gründen zu Recht straflos, sofern sie nicht aus eigennützigen Motiven durchgeführt wird. Die Kommission empfiehlt, am geltenden Art. 115 StGB keine Änderungen vorzunehmen. 4 An der Person orientierte Entscheidungen Eine Entscheidung zur Suizidbeihilfe muss sich an der Person und an der Situation des Suizidwilligen orientieren und darf nicht zu einer bloss aus Regeln abgeleiteten Entscheidung werden. 5 Sterbehilfeorganisationen Art 115 StGB schützt de facto die Selbstbestimmung der am Suizid Beteiligten, indem er diese straffrei lässt. Diese grundsätzlich liberale Haltung soll nicht in Frage gestellt werden. Im Hinblick auf 45 Ebd., S. 53-58; im Folgenden mit Auslassungen wörtlich übernommen. 46 Ebd., S. 65-77. 32 33

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