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Stellungnahme: Beihilfe zum Suizid in ethischer Bewertung

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Die Nationale

Die Nationale Ethikkommission der Schweiz im Bereich Humanmedizin hat sich im April 2005 in ihrer StellungnahmeBeihilfe zum Suizid“ mit diesen Fragen eingehend beschäftigt. 30 Einleitend nennt sie neben anderen Aspekten folgende drei Punkte als Anlass für ihre Beratung: • „Sterbetourismus: Die Sterbehilfeorganisation Dignitas bietet im Kanton Zürich und neuerdings auch im Kanton Aargau in wachsender Zahl Freitodbegleitungen für Menschen an, die aus dem Ausland anreisen. Nach Angaben der Stadtpolizei Zürich waren dies im Jahr 2000 3, 2001 37, 2002 55 und 2003 91 Fälle. (Quelle: Neue Züricher Zeitung, 22. Februar 2004) • Anstieg der Suizidhilfezahlen von Organisationen: Die Anzahl der Exit- Tode verdreifachte sich von 110 in der Periode von 1990–1993 auf 389 in der Periode von 1997–2000. • Beihilfe zum Suizid in Kranken- und Altersheimen: Auf den 1. Januar 2001 hat die Stadt Zürich eine Regelung eingeführt, welche es erlaubt, Beihilfe zur Selbsttötung in den städtischen Kranken- und Altersheimen durchzuführen. Eine neue Empfehlung der Chambre de l’éthique der Association vaudoise d’établissements médico-sociaux (AVDEMS) spricht sich für die Möglichkeit der Durchführung von assistierten Suiziden in Kranken- und Altersheimen aus, wenn die Suizidentinnen oder Suizidenten nicht mehr über ein eigenes Domizil verfügen.“ 31 Die Kommission kommt zu dem Schluss, die spezifischen Regelungen der Schweiz in der Frage der Hilfe zur Selbsttötung hätten zur Folge, „dass auch Menschen aus anderen Ländern (dorthin) reisen, um Suizidbeihilfe durch eine Organisation, welche in 30 Stellungnahme Nr. 9/2005 „Beihilfe zum Suizid“ der Nationalen Ethikkommission der Schweiz im Bereich Humanmedizin. 31 A.a.O., S. 10f. ihrem Land verboten wäre, hier legal in Anspruch zu nehmen.“ 32 Sie sieht die angemessene Lösung für die Problematik des daraus erwachsenden „Sterbetourismus“ darin, den Wunsch der um Suizidbeihilfe Nachsuchenden qualifiziert zu prüfen und eine staatliche Beaufsichtigung und Qualitätssicherung des Handelns der Organisationen für Sterbehilfe zu gewährleisten. Sie verweist auf die Kriterien, die die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften als Voraussetzungen nennt, um dem Wunsch nach Suizidbeihilfe nachkommen zu können (vgl. unten S. 28f.). Eine qualifizierte Prüfung dieses Wunsches „ist nur im Rahmen einer eingehenden und länger andauernden Beziehung möglich und nicht auf Grund eines kurzen oder einmaligen Kontaktes mit dem suizidwilligen Menschen“ 33 , der so aussieht, dass zwischen der Ankunft in Zürich und der Assistenz beim Suizid nicht mehr als 24 Stunden liegen. 3.3 Die Kontroverse um das ärztliche Handeln 3.3.1 Die Bedeutung des ärztlichen Standesrechts Da einerseits Suizidbeihilfe kein Gegenstand des deutschen Strafrechts ist, andererseits Ärzte auf Grund ihrer medizinischen Kompetenz bei möglichen Selbsttötungen als Helfer gefragt sein können, kommt dem ärztlichen Standesrecht in Fragen der Suizidunterstützung eine wichtige Bedeutung zu. Bis zum Jahr 2011 legte die Musterberufsordnung der Bundesärztekammer (BÄK) fest: „Beihilfe zum Suizid gehört nicht zu den ärztlichen Aufgaben.“ Der frühere Präsident der BÄK, Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, legte dies in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau am 26.12.2010 so aus: „Sie soll aber möglich sein, wenn der Arzt das mit seinem Gewissen vereinbaren kann.“ Der 114. Deutsche Ärztetag in Kiel beschloss dann im Juni 2011 mit Mehrheit, Ärzten die Suizidbeihilfe berufsrechtlich zu untersagen. In § 16 der neuen Musterberufsordnung der Bundesärztekammer heißt es nun: „Ärztinnen und Ärzte haben Sterbenden unter Wahrung ihrer Würde und unter Achtung ihres Willens beizustehen. Es ist ihnen 32 A.a.O., S. 63. 33 A.a.O., S. 76. 24 25

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