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LAWerleben - 1|2020

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Neues aus den Liebenauer Arbeitswelten

Liebenauer Arbeitswelten

Liebenauer Arbeitswelten Wild auf Arbeit – auch in Krisenzeiten TEXT: ANNE LUUKA FOTOS: ANNA-LENA FORSTENHÄUSLER, ANDREA WAGNER, BRIGITTE ARFF Durch die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Deutschland kommt es auch in den Werkstätten und Förder- und Betreuungsbereichen für Menschen mit Behinderung der Stiftung Liebenau zu Einschränkungen. 6:45 Uhr, Zeit für Stefan L. aufzustehen und zu frühstücken. Dann macht er sich fertig für seinen Weg zur Arbeit. Er freut sich, wie jeden Tag, auf eine sinnvolle Beschäftigung – und natürlich auch darauf, seine Kolleginnen und Kollegen wieder zu treffen. „Mal ein kleines Schwätzchen zwischendurch, das muss schon sein“, berichtet Stefan L. und lacht ein bisschen verschämt dabei. Doch ab dem 18. März war alles anderes. An diesem Tag wurde die Schließung der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) vom Sozialministerium in Baden-Württemberg Corona bedingt beschlossen. Stefan L. ging es so wie vielen Beschäftigten in Deutschland: Sie durften nicht mehr zur Arbeit. Doch er verstand nicht warum, er ist doch gesund und fühlt sich topfit. Monika und David Andreas fertigen von ihrer gemeinsamen Wohnung aus Zuschnitte für das Liebenauer Nähwerk an. Und was sollte er denn dann den ganzen Tag machen? Stefan L. wohnt in einer Wohngemeinschaft der Stiftung Liebenau. Die Beschäftigten aus den WfbMs waren nun auch tagsüber auf den Gruppen und mussten sinnvoll beschäftigt werden. Lernpakete bringen Struktur in den Tagesablauf Wöchentlich wurden 520 Menschen, die in den Liebenauer Arbeitswelten beschäftigt sind, mit Lernpaketen versorgt. Diese gab es in drei unterschiedlichen Niveaus, jeweils auf die Fähigkeiten des Einzelnen zugeschnitten. Sie beinhalteten ganz unterschiedliche Themen: Auf Lernblättern wurden Formen und Zahlen behandelt, es ging um Hygiene, englische Vokabeln konnten gelernt werden, es gab Aufgaben zum Thema Pflanzen und zur Arbeitssicherheit in den Werkstätten. Vorlagen für Mandalas wurden bereitgestellt, zum Vorlesen gab es Entspannungsgeschichten, Tipps zur Ernährung oder Koordinationsübungen wurden angeboten. Das alles diente der Erhaltung oder Erweiterung der beruflichen Kompetenzen und der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit der 8 1|2020

Liebenauer Arbeitswelten Sonja Wagner aus Bodnegg schraubt in Heimarbeit im elterlichen Wohnzimmer Deckel auf Flaschen. Stefanie Allgaier kuvertiert Briefe und konfektioniert Etiketten von zu Hause aus. WfbM-Beschäftigten. Die Lernpakete boten aber auch Abwechslung, Spaß und Kreativität. Aufträge in Heimarbeit Diese Angebote betrafen aber nicht nur die Betreuten in einer Wohngruppe, sondern richteten sich ebenso an Menschen mit Behinderungen, die selbstständig wohnen oder bei ihren Familien leben. Silke V., die bei Isny alleine in einer eigenen Wohnung lebt und von den Ambulanten Diensten bei der Bewältigung des Alltags unterstützt wird, bekam neben den Lernpaketen auch ein Arbeitspaket. Sie nahm bei sich zu Hause Etikettieraufträge an, die sie sonst in der Teilhabe-Werkstatt ausgeführt hätte. Bebilderte Anweisungen in Leichter Sprache erklärten ihr den Auftrag. Isabella Burgey-Meinel, die zusammen mit Stefan Fricker den Bereich Arbeit und Bildung in der Liebenau Teilhabe leitet, weiß, dass „manche unserer Beschäftigten regelrecht wild auf Arbeit sind, denn Arbeit ist sinnstiftend“. In diesem Sinn ergänzt Fricker: „Eine sinnvolle Tagesstruktur muss aufrecht erhalten bleiben. Deswegen haben wir ein ganzes Bündel an Maßnahmen geschnürt, um alternative Beschäftigungsmöglichkeiten bereit zu stellen.“ Im Gespräch mit: Manuel Fischer (Berufsbildungsbereich) Wo arbeiten Sie? Ich bin im Berufsbildungsbereich (BBB) und arbeite im Transport auf dem LKW. Welche Aufgaben haben Sie dort? Ich bin Beifahrer und helfe beim Ein- und Ausladen Was macht Ihre Arbeit besonders? Die Abwechslung, dass man viel sieht und rum kommt. Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Chillen. Ausruhen von der Arbeit. Meistens bin ich nach dem Arbeiten so kaputt, dass ich nicht mehr viel machen kann, vor allem wenn ich den ganzen Tag arbeite. 1|2020 9

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