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Kriterien für Lohngerechtigkeit

zu verlassen und sich

zu verlassen und sich auf den in demokratischen Gesellschaften bewährten „Zweiten Weg“ zu begeben. Der „Dritte Weg“ ist weder theologisch noch ethisch ausreichend legitimiert. Er weicht vor allem von dem zentralen ethischen Kriterium eines gerechten Lohnfindungsverfahrens ab. Auch die Versuche der Tarifflucht in Richtung eines „Ersten Weges“ sind aus Gerechtigkeitsgründen nicht gut zu heißen. Ihnen fehlen wirksame Partizipationsmöglichkeiten seitens der Arbeitnehmer. Das Kriterium eines fairen Lohnfindungsverfahrens ist im „Zweiten Weg“ eher gewährleistet, weil er einklagbare Partizipationsrechte der Mitarbeiterseite und deren Koalitionsfreiheit beinhaltet. Ihm gebührt aus ethischer Sicht der Vorrang. Was die Entgeltsysteme in den neuen Gesellschaften der Stiftung Liebenau angeht, so hält sie die Ethikkommission unter diesem Kriterium nur insoweit für vertretbar, als sie nachweislich der Sicherung von Arbeitsplätzen und der Schaffung neuer Arbeitsplätze dienen. Die Kommission empfiehlt dem Vorstand, in den kommenden Monaten und Jahren zu einer einheitlichen, transparenten Vergütungsgestaltung zu kommen, die sich noch stärker an den von der Ethikkommission für entscheidungsrelevant gehaltenen Kriterien und insbesondere an dem der Verfahrensgerechtigkeit orientiert. Das Ziel muss eine Unternehmenskultur sein, in der durch Transparenz und Mitbestimmung Vertrauen entsteht. Die Ethikkommission hat kontrovers diskutiert, Einigkeit war nicht in allen Punkten herstellbar, Widersprüchliches und Kompromisse mussten analysiert und mit Blick auf das Ganze bewertet werden. Diese inhaltliche Breite spiegeln die von unterschiedlichen Autoren verfassten Texte und Kommentare auch wider. Dennoch ist eine gemeinsame Stellungnahme entstanden, die zunächst für die interne Diskussion wichtige Beiträge und Argumente liefern kann. Denn Gerechtigkeit zu schaffen, ist ein Ziel, dem wir als Christen „nachjagen“ (Dtn 16, 20), auch wenn wir es nicht vollkommen erreichen können. Dieser Anspruch gilt auch für die Stiftung Liebenau. 38

Impressum Herausgeber Ethikkommission der Stiftung Liebenau im April 2011 1. Auflage Vorsitzender der Ethikkommission Dr. Berthold Broll, Vorstandsvorsitzender Stiftung Liebenau Weitere Mitglieder der Ethikkommission der Stiftung Liebenau Wolf-Peter Bischoff, Leiter Stiftung Liebenau Kommunikation Dr. Hans Martin Brüll, Abt. fortbilden & entwickeln, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für politisch-ökonomische und ethische Bildung in der PH Weingarten Dr. Georg Fröhlich, Kinderarzt Kinderklinik Memmingen Matthias Haag, Vorsitzender Richter Oberlandesgericht Stuttgart Frank Moscherosch, Geschäftsführer Liebenau Service GmbH Klaus Müller, Geschäftsführer St. Anna-Hilfe gGmbH, Österreich Dr. Helmut Schädler, ehemaliger Geschäftsführer St. Lukas-Klinik gGmbH Gerhard Schiele, Geschäftsführer St. Anna-Hilfe gGmbH, Deutschland, Liebenau – Leben im Alter gGmbH, Heilig Geist – Leben im Alter gGmbH Prof. i.R. Dr. Bruno Schmid, Katholische Theologie (Schwerpunkt Ethik), PH Weingarten Ulrike Stutzmüller, Stabstelle Synergiemanagement St. Gallus-Hilfe gGmbH Pfarrer Dieter Worrings, Vorstand i.R. Stiftung Liebenau 39

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