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Jahresbericht 2016 der Stiftung Liebenau

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Der Jahresbericht 2016 der Stiftung Liebenau informiert über die Aufgabenfelder, die Organisation und Unternehmenskennzahlen.

„Die ICF ist zum einen

„Die ICF ist zum einen eine Philosophie zum besseren Verständnis von Behinderung und Gesundheit und gleichzeitig ein sehr gutes Ordnungssystem zur Bewertung der Lebenswirklichkeit der betroffenen Menschen.“ Dr. Stefan Thelemann Im BBW beschäftigt man sich bereits seit über zehn Jahren mit der Umsetzung der ICF, und seit 2015 ist das Modell in der jetzigen Form fest in den Reha-Prozess eingebunden. Dabei greift die Bildungseinrichtung zurück auf ein bundeseinheitliches ICF-Instrumentarium, das man auch selbst mit entwickelt und für die Berufsbildungswerke angepasst hat. Es umfasst derzeit eine Standardliste von 49 Items. Code „b1304“ steht etwa für Impulskontrolle, „d860“ für den Umgang mit Geld. Bewertet wird nach vorgegebenen Skalen: eine „0“ bei „Lesen“ bedeutet: kein Handlungsbedarf. Eine „4“ hieße: außerordentlicher Handlungsbedarf. Durch diese gemeinsame Sprache und fixe Codierung können sich die unterschiedlichsten Professionen und Fachleute gut verständigen. „Unsere Mitarbeiter finden hier einheitliche Begrifflichkeiten in Form von Fragen.“ Zum Beispiel beim Thema Zuverlässigkeit: Hält der Rehabilitand Absprachen ein? Oder beim Punkt Arbeitsplatzsuche: Kann der Rehabilitand eigenständig eine Bewerbung verfassen? Und wie sieht es mit der Selbstversorgung aus: Weiß der Rehabilitand, wann er was einkaufen muss? „Die ICF ermöglicht uns, genau hinzusehen und Besonderheiten zu erfassen“, so Dr. Thelemann: „Es handelt sich um ein System, das begreift, dass alles wechselseitig zusammenhängt.“ Und deshalb fließen auch alle Informationen in die Erhebung mit ein, seien es die Eindrücke aus den Reha-Gesprächen oder die Beobachtungen auf der Wohngruppe, in der Werkstatt und in der Schule. Ob Psychologen, Erzieher, Ausbilder, Lehrer, Bildungsbegleiter oder Ergotherapeuten: Alle „füttern“ das System. Und ganz wichtig: Die Jugendlichen geben auch eine Selbstbewertung ab. „Ohne den Einbezug unserer Rehabilitanden und deren Mitwirkung an den Zielen würde sich die ICF nicht entscheidend von anderen Erhebungsinstrumenten abheben“, betont Dr. Thelemann. „Ziel ist es, mit den gesammelten Daten eine Basis zu legen, damit die Rehabilitation zielgerichtet und erfolgreich verläuft und alle Akteure und beteiligten Institutionen effizient kommunizieren können.“ So setzen inzwischen auch die Kostenträger verstärkt auf ICF-basierte Berichte, um Förderbedarfe besser einschätzen zu können. Die auf Software-Basis gebündelten Erkenntnisse lassen sich unter anderem in einem Spinnendiagramm anschaulich visualisieren. Wo die Grafik die größten Einschnitte aufweist, ist der Förderbedarf am höchsten. „Genau da müssen wir dann ansetzen“, so Dr. Thelemann. Zum Beispiel mit zusätzlichem Stütz- und Förderunterricht, mit Trainings, Coaching, psychologischer Betreuung oder einer speziellen Therapie. Doch wie bei allen derartigen Instrumenten gilt auch in Sachen ICF: Es kommt darauf an, was man daraus macht. Wichtig sind die Einbettung in ein übergeordnetes Wertesystem und das Bewusstsein, was das Modell leisten kann und was nicht. „Die ICF muss man sich als ein soziales Konstrukt vorstellen“, erklärt BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke. „Sie stellt keine objektive Beschreibung der Wirklichkeit dar.“ Und sie unterliege deshalb auch keinen Kategorisierungen wie „richtig“ oder „falsch“. Entscheidend sei, bei der Einordnung von „Behinderung“ mit adäquater Sprache und angemessenen Kategorien vorzugehen. Vorteil der ICF: Durch ihre ausdifferenzierte Struktur betone sie die Lebenswirklichkeit des Menschen. Und das sei essenziell: „Die Komplexität des Menschen darf bei solchen Erhebungen niemals reduziert werden“, sagt Lüdtke und verweist auf die Tatsache, dass gerade im Ravensburger BBW die Klientel mit 50 Schwerpunkt

Selbstversorgung/ Einkaufen Impulskontrolle Selbstversorgung/ Ernährung Zuverlässigkeit Organisationsvermögen Selbstversorgung/ Haushalt Aufmerksamkeit Bildungsund Ausbildungswesen Motivation Transportwesen Kritikfähigkeit Familien system Umgang mit Autoritäten Körperliche Belastbarkeit Feinmotorischer Handgebrauch Schreiben ihren unterschiedlichen Störungsbildern immer differenzierter wird. Prinzipiell – so der Geschäftsführer – berge aber auch die ICF die Gefahr, Menschen zu exkludieren. Denn auch dieses Modell verwende einen Begriff von Behinderung als „Abweichung von der Regel“. Wie also richtig umgehen mit der ICF? „Die ICF ist als Klassifikation, Verständigungshilfe und Handlungsanleitung zu verstehen – nicht als Norm.“ Diese ergebe sich im Falle des BBW vielmehr aus dem christlichen Menschenbild der Stiftung Liebenau und ihrem Leitwort: „In unse rer Mitte – Der Mensch“. Und vor diesem Hintergrund könne die ICF – eingebunden in das etablierte Case Management und das bewährte Zusammenspiel der einzelnen Bereiche des BBW – als sinnvolles Instrument eingesetzt werden, um noch stärker personenzentriert zu arbeiten und das Ziel zu erreichen, das sich das BBW seit jeher auf die Fahnen schreibt: jungen Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Schwerpunkt 51

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