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Jahresbericht 2016 der Stiftung Liebenau

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Der Jahresbericht 2016 der Stiftung Liebenau informiert über die Aufgabenfelder, die Organisation und Unternehmenskennzahlen.

In mehreren Workshops

In mehreren Workshops passten die Mitarbeiter vor Ort die methodischen Zugänge aus dem Handlungsleitfaden an die spezifischen Gegebenheiten ihrer Einrichtung an und verankerten die Ergebnisse in einem Leitfaden zur Implementierung. Zeitgleich kündigte sich das PSG II mit demselben Grundgedanken im neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff an: Seit Januar 2017 werden nicht mehr nur körperliche, sondern auch geistige und psychische Beeinträchtigungen berücksichtigt. Maßstab ist der Grad an Selbstständigkeit beziehungsweise wie diese erhalten und gefördert werden kann. Zum Teil überraschende Einsichten bietet der personenbezogene Zugang: Die Mitarbeiter machen sich unter anderem entlang eines Profilbogens Gedanken zu ihren persönlichen, ge wohnheitsmäßigen Verhaltensweisen im Umgang mit den Bewohnern. Oder sie versetzen sich anhand einer Beispielsituation in eine pflegebedürftige Person und reflektieren im Team ihre Empfindungen. Auch über Interviews mit den Bewohnern lernen die Mitarbeiter sich selbst und die Situation der Pflegebedürftigen besser einzuschätzen und sind dadurch in der Lage, künftig bewusster zu agieren. Im Beispiel der Bewohnerin, die nicht ausreichend isst, hat sich das Team mit dem Arzt und den Angehörigen besprochen. Dabei ging es um das Recht der Bewohnerin auf Selbstbestimmung nicht nur in Pflege und Betreuung, sondern auch im Sterben. Man wolle ihren nonverbal geäußer ten Willen respektieren und eine für alle Beteiligten tragbare Lösung finden. In dem ausführlichen Gespräch konnte sich jeder der Beteiligten ein Bild von der Perspektive der anderen machen. Man verständigte sich darauf, der Bewohnerin die von ihr bevorzugte Nahrung anzubieten, um sie zum Essen zu animieren, sie aber nicht dazu zu zwingen. Alle Beteiligten, insbesondere die Mitarbeiter, die sie im Alltag pflegten und betreuten, und die Angehörigen waren sensibilisiert. Neben einem solchen fallbezogenen Zugang bietet der Handlungsleitfaden drei weitere methodische Zugänge, um das Bewusstsein für Autonomie zu schärfen. Beim theoriebezogenen Zugang überlegen die Mitarbeiter zum Beispiel anhand von Bildern, was der Begriff Autonomie im Alltag für sie bedeutet und bei welcher Interaktion wer wieviel Mitspracherecht hat. Von „Information“ über „Beratung“ bis zu „Mitbestimmung“ und „Selbstbestimmung“ reicht die Skala der Beteiligungsstufen. Beim organisationsbezogenen Zugang schließlich machen sich die Mitarbeiter Gedanken, wie sie die Selbstbestimmung der Bewohner bei den einzelnen Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des täglichen Lebens (AEDL) steigern können. Beispiel Kleiderwahl: Mitarbeiter geben keine Kleiderordnung vor, sondern bieten gegebenenfalls (Schlechtwetter-)Alternativen, aus denen der Bewohner nach eigenen Wünschen wählt. Mit der Broschüre des Ethikkomitees, dem Handlungsleitfaden, den Workshops, Weiterbildungen und daraus resultierenden Implementierungsleitfäden sowie einem Fachtag im Juli 2016 ist das Thema autonomiefördernde Pflege und Betreuung für die Stiftung Liebenau jedoch keinesfalls abgeschlossen. „Ganz im Gegenteil geht es jetzt darum, am Ball zu bleiben, die bewusst autonomiefördernde Haltung im ständigen Austausch im Team und von Fall zu Fall zu leben und an neue Mitarbeiter weiterzugeben“, betont Dr. Alexander Lahl, Geschäftsführer der Unternehmen im Aufgabenfeld Pflege. 38 Schwerpunkt

„Du schaffst das!“: Jeder hat das Potenzial und die Kraft, Krisen zu meistern. „Du bist du“: Die Autonomie des Einzelnen wird anerkannt und wertgeschätzt. „Du siehst, was ich nicht sehe“: Der pflegebedürftige Mensch wird angeregt und ermutigt, eigene Lösungswege zu finden und diese zu gehen. Empowerment Sichtweisen, die Autonomie fördern „Du kannst das!“: Empowerment (englisch: Ermächtigung) vertraut auf die Fähigkeit des Einzelnen, das Leben in eigener Regie zu gestalten. Dabei werden die Stärken und Ressourcen des Adressaten in den Blickpunkt gerückt. Im Handlungsleitfaden zur autonomiefördernden Pflegeund Betreuungskultur der Stiftung Liebenau finden sich dazu sechs Leitlinien. „Du, ich und andere sind wir“: Die Lebenswelt und die sozialen Ressourcen des Einzelnen sind Grundlage für die soziale Autonomie. „Du darfst das auch“: Der pflegebedürftige Mensch ist kein Almosenempfänger, sondern hat Rechte. „Du wirkst mit“: Jeder sollte sich seiner Rechte und Mitwirkungsmöglichkeiten bewusst sein. Schwerpunkt 39

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Anstifter

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