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Jahresbericht 2015 der Stiftung Liebenau

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Der Jahresbericht 2015 der Stiftung Liebenau informiert über die Aufgabenfelder, die Organisation und Unternehmenskennzahlen.

Hilfen für

Hilfen für kinder, jugendliche und familien Kinderhospizarbeit – stärkt Familien Wenn Kinder von Sterben und Tod betroffen sind, brauchen sie und ihre Familien besondere Unterstützung, denn plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Vieles wächst ihnen über den Kopf. Sie sind unsicher und hilflos. Um diese Hilflosigkeit aufzufangen, die Familien und ihr Umfeld zu stärken und die Angehörigen zu entlasten, wurde vor sechs Jahren der Ambulante Kinderhospizdienst Amalie ins Leben gerufen. Trauergruppe für Kinder Kinder trauern anders. Sie erleben den Verlust eines nahestehenden Menschen oft ganz anders als die Erwachsenen und reagieren auf besondere Weise darauf. Nicht immer finden sie in ihrem Umfeld Verständnis und Unterstützung in ihrer Trauer. Deshalb hat der Ambulante Kinderhospizdienst für den Bodenseekreis und den Landkreis Ravensburg mit Unterstützung der Sonja-Reischmann-Stiftung ein spezielles Angebot zur Trauerbegleitung für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren entwickelt: die Kindertrauergruppen „Ich schenk dir einen Sonnenstrahl“. Die Kindertrauergruppen, geleitet von je zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und einem Mitarbeiter, die speziell zu diesem Thema geschult sind, treffen sich einmal monatlich. „Der Bedarf für eine Trauergruppe ergab sich aus Gesprächen mit betroffenen Familien, aber auch Jugendämter und Beratungsstellen in der Region haben bereits nach solchen Angeboten gefragt“, berichtet Koordinatorin Barbara Weiland. Die trauernden Kinder finden einen geschützten Ort für die Auseinandersetzung mit dem schweren Verlust. „Wir sind Ansprechpartner außerhalb der Familie“, erklärt Ingrid Rauch, Leiterin der Trauergruppe Ravensburg. „Es finden sich Kinder, die in der gleichen Situation stecken. Das ist ein großer Schatz.“ In kreativen und kunsttherapeutischen Angeboten beschäftigen sie sich mit Themen rund um den Tod und die Trauer. „Wir ermutigen die Kinder, ihre eigenen Stärken zu finden und einen eigenen Umgang mit dem Verlust“, so Ingrid Rauch. „Die Trauer bleibt, sie wird leichter, aber sie gehört in Zukunft dazu.“ In der Trauergruppe sollen die Kinder deshalb das Rüstzeug bekommen mit ihrer Trauer umzugehen. In aller Ruhe geht der 14-jährige Nick die Regale im Spielzeugladen durch. Schon seit einer Stunde sucht er das passende Geschenk für eine Geburtstagsfeier. Er genießt es, die Zeit zu haben, sich alles genau anzusehen. Wenn er mit seiner Familie in der Stadt ist, dann geht das nicht, aber Benjamin Grimm, sein Pate vom Kinderhospizdienst, hat Geduld und Zeit mitgebracht. Nick ist das älteste von drei Kindern. Sein kleiner Bruder ist erst vier Jahre alt und seine Schwester ist unheilbar erkrankt. „Diese Erkrankung nahm in der Familie viel Raum ein und die beiden gesunden Kinder mussten automatisch Rücksicht nehmen. Als die Familie merkte, dass Nick irgendwie zu kurz kam, wandte sie sich an uns“, erinnern sich Elisabeth Mogg und Barbara Weiland, Koordinatorinnen vom Ambulanten Kinderhospizdienst Amalie, einem gemeinsamen Projekt der Stiftung Liebenau und der Malteser. „Sie fragten speziell nach einem jungen männlichen Paten, der mit Nick Fußball spielt, in den Wald oder mit zum Angeln geht.“ Helfen, wo es notwendig ist Der Ambulante Kinderhospizdienst begleitet im Landkreis Ravensburg und im Bodenseekreis Familien mit Kindern und Jugendlichen, in denen Sterben, Tod und Trauer unmittelbare Lebensrealität sind. Dazu zählen vor allem Familien mit einem lebensverkürzend oder lebensbedrohlich erkrankten Kind, aber auch Kinder, die von einem Elternteil Abschied nehmen müssen. „Kinder mit schweren Erkrankungen sollen in vertrauter Umgebung und nicht im Krankenhaus sterben oder gesund werden dürfen. Hierfür braucht es Menschen, die diese Familien in der äußerst belastenden Situation begleiten. Dafür gibt es unsere Patinnen und Paten“, sagt Koordinatorin für den Bodenseekreis, Barbara Weiland. Bevor jedoch ein Einsatz in einer Familie stattfinden kann, werden die ehrenamtlichen Kräfte in einem rund 100 Stunden dauernden Qualifizierungskurs speziell geschult. Die Patinnen und Paten wollen Normalität im Alltag ermöglichen und übernehmen Aufgaben, für die in den Familien wenig Zeit bleibt. Sie schenken den Kindern drei bis vier Stunden Zeit pro Woche und entlasten so die Familien, helfen aber auch bei organisatorischen Schwierigkeiten oder stehen als Gesprächspartner zur Verfügung. „Auf beide Landkreise gesehen arbeiten wir momentan mit 36 Ehrenamtlichen“, so Elisabeth Mogg, Koordinatorin für den Landkreis Ravensburg. Die Begleitung durch Amalie kann mit dem Tag der Diagnosestellung beginnen und ist bis zu einem Jahr über den Tag des Todes hinaus möglich, auf Wunsch der Familien auch länger. Für die betroffenen Familien ist das Angebot kostenlos. Der Kinderhospizdienst finanziert sich größtenteils durch Spenden und Kooperationen mit Stiftungen. Amalie arbeitet in einem Netzwerk eng zusammen mit anderen Partnern wie ambulantem Kinderkrankenpflegedienst, Ärzten, Seelsorgern, Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV), anderen Hospizdiensten, Jugendämtern und Selbsthilfegruppen. Die Netzwerkpartner vermitteln einerseits Familien an den ambulanten Kinderhospizdienst, zum anderen können die Paten bei weiterem Hilfebedarf in den Familien an entsprechende Partner vermitteln. Eine enge Zusammenarbeit gibt es innerhalb des Stiftungsverbundes mit den Partnern des Liebenauer Netzwerks Familie, etwa der Sozialmedizinischen Nachsorge, der Geschwis- terzeit oder dem Angebot „wellcome“. Seit zwei Jahren gibt es außerdem eine Kooperation mit der Sonja- Reischmann-Stiftung, die den Aufbau und die Durchführung von zwei Kindertrauergruppen finanziert. Zahlen und Fakten • Jährlich betreut Amalie etwa 20 Familien, davon etwa die Hälfte als Trauerbegleitung beim Tod von Elternteilen. • In beiden Landkreisen sind 36 Ehrenamtliche im Einsatz, davon 34 als Paten in den Familien und zwei unterstützen die Koordinatorinnen bei der Büroarbeit. • längster Einsatz in einer Familie: fünf Jahre, kürzester Einsatz: drei Wochen • In den letzten zwei Jahren haben 36 Kinder Trauergruppen in Ravensburg und Friedrichshafen neun Monate lang besucht. Aktuell sind neun Kinder in der Gruppe im Bodenseekreis und sieben Kinder im Landkreis Ravensburg. • In den beiden Landkreisen gibt es außer den beiden Kindertrauergruppen von Amalie. keine Gruppenangebote für trauernde Kinder. 72 73

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