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Jahresbericht 2015 der Stiftung Liebenau

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Der Jahresbericht 2015 der Stiftung Liebenau informiert über die Aufgabenfelder, die Organisation und Unternehmenskennzahlen.

Hilfe für Menschen mit

Hilfe für Menschen mit Behinderung Therapie mit Farben und Formen Immer geht es um den Dialog mit den Beschäftigten, wenn die Kunsttherapeutin Irmgard Steg- mann aus der Kreativwerkstatt berichtet. Wenn Worte nicht zur Verfügung stehen, erlauben es die kreativen Prozesse in der Werkstatt, sich kraftvoll mit starken Farben auszudrücken. Aus dieser Kommunikation heraus entstehen Bilder, Karten und Skulpturen, die manchmal auch in Cafés, Bankfilialen und Galerien ausgestellt werden. Auch Kooperationen mit Schulen und Firmen sind Teil der Therapie. einbringen kann. Eva Tettey-Enyo hat sehr bewusst den Rückzugsort in der Kreativwerkstatt gesucht und gefunden. In erster Linie beschäftigt sie sich mit ihren Zeitschriften, ist eine eifrige und konsequente Leserin, interessiert sich ganz besonders für Tiere und verfügt über ein breites Allgemeinwissen, mit dem sie bei Quizspielen wiederholt die Mitarbeiter aussticht. Ein inklusiver Ort Im letzten Jahr stellte die Kreativwerkstatt in der „Linse“ Anerkennung für das was sie tun und leisten, ist wichtig für die Menschen, die wir begleiten“, bestätigt Markus Harant, Leitung Förder- und Betreuungsbereich Rosenharz. Besondere Qualität des Miteinanders Schon früh erkannte die Geschäftsleitung der St. Gallus- Hilfe, dass die Kunst ein Plateau ist, wo sich Menschen ohne Vorbehalte begegnen können, wo der Umgang leicht fällt und man voneinander profitieren kann. in Weingarten aus, in der HypoVereinsbank Filiale Beim gemeinsamen Malen staunten die Führungskräfte Ravensburg, wirkte bei der Weihnachtsausstellung im über den Mut der Beschäftigten zur Farbe, waren von Graf-Zeppelin-Haus Friedrichshafen mit und erntete in ihren Ideen begeistert und von dem Miteinander, wo Kunsttherapie als Chance Das Kreative war schon immer ein Schwerpunkt im diesem Jahr in Markdorf viel Lob mit der Ausstellung „Wirklich – Unwirklich“ in der Stadtgalerie. Die fröhlichen Bilder in starken Farben begeisterten die Besu- jeder geschätzt und akzeptiert wird, so wie er ist. Nicht alle können ihren eigenen Ausdruck mit Farben, mit Pappmaché oder Ton bildhaft gestalten. Die künstle- Förder- und Betreuungsbereich der St. Gallus-Hilfe. cher und weckten vielerorts das Interesse, mehr über rische Form entsteht im Miteinander, wie beim gemein- Daraus entwickelte sich im Jahr 2010 die Kreativwerk- die Kreativwerkstatt zu erfahren. Führungskräfte der samen Malen. Der eine malt großflächig den Hinter- statt Rosenharz. 17 Menschen mit hohem Unterstüt- HypoVereinsbank Württemberg Ost malten zusammen grund eines Bildes. Der andere gestaltet das Bild, wie zungsbedarf werden dort begleitet. „Ohne Malen mag mit den Beschäftigten großformatige Bilder für eine Renate Hoffmann mit ihren Kreidezeichnungen. Auch ich nicht leben“, sagt Monika Krug. Auch wenn sie oft Ausstellung. Diese Begegnung beeindruckte nicht nur bei den Figuren aus Ton oder Pappmaché sind alle be- nicht die Kraft hat, den Pinsel zu halten. Renate Hoff- die Banker. Auf besondere Art war auch Eva Tettey- teiligt. Die einen reißen das Papier, andere schneiden, mann setzt ausschließlich Akzente, skizziert sekunden- Enyo von diesem unkomplizierten Miteinander ange- kleistern, kleben, wählen die Farben, streichen an schnell ihre Figuren auf die Leinwand. Dagegen ver- tan. Sie wurde aus ihrer Lethargie geweckt, die es ihr oder bedienen die Papierschneidemaschine. Jeder sinkt Anita Bruder regelrecht in ihre Malerei, arbeitet nur selten erlaubt, an einer Gemeinschaft teilzuhaben. findet seinen Arbeitsplatz, nimmt ganz bewusst sein am liebsten ohne Pause an ihren Bildern. Auch Claudia Dannenmann malt eigene Werke, aber nicht jeden Tag. Oft dauert es lange, bis sie in die notwendige Ruhe Lob und Anerkennung Zum ersten Mal war sie daran interessiert, bei einer eigenes Können wahr: bewusst gesetzte Akzente – wie rote Schuhe –, eigenwillige Formen und Farben. Am Ende ist jede Skulptur ein Unikat. findet, um vor ihrer Staffelei zu verweilen und kreativ tätig zu sein. Wohlfühlorte Viele Beschäftigte arbeiten schon lange mit Kunst- Vernissage der Kreativwerkstatt dabei zu sein. Zum ersten Mal nahm sie ganz bewusst einen Pinsel in die Hand, um ihr eigenes Bild zu malen, entdeckte ihre Lieblingsfarben Rosa und Lila. Wenn Eva Tettey-Enyo „Ja“ zum Malen sagt, geht Kunsttherapeutin Irmgard Das Ich entfalten Morgens, wenn der Tag im Förder- und Betreuungsbereich beginnt, steht nicht immer für alle der kreative Prozess im Vordergrund. Während Anita Bruder sofort therapeutin Irmgard Stegmann zusammen. Andere wie Stegmann mit ihr in den kleineren Werkraum nebenan, und ausschließlich malen kann und will, müssen Eva Tettey-Enyo haben sich im Rahmen eines Prakti- legt eine CD mit alten Rockklassikern auf. Beide sitzen andere erst ihren Drang, sich zu bewegen, ausleben. kums selbstbestimmt für die Tagesstruktur in der Kreativ- sie dann vor der Staffelei, besprechen gemeinsam das Für Eva Tettey-Enyo beginnt der Tag mit dem behut- werkstatt entschieden. Für viele beginnt der Tag mit Bild und die weitere Vorgehensweise. Die Kunstthera- samen Annähern an die Gemeinschaft in der Kreativ- kleinen Ritualen. Manche müssen erst beobachten und peutin bietet Farben an und macht Mut, starke Akzente werkstatt. Erst nach dem Vertiefen in ihre Zeitungen aus der Sofaecke heraus sichten, ob, wann und mit zu setzen, und Eva Tettey-Enyo widmet sich eine kurze entscheidet sie, wieviel Distanz sie braucht und wie wem sie eine Begegnung erlauben. Die eigene Integra- Weile konzentriert ihrem Werk. „Es macht Spaß“, sagt viel Nähe sie erlauben kann. Der gemeinsame Tag mit tion in die große Gemeinschaft fiel oft nicht leicht. sie, auch wenn es ihr nicht leicht fällt, den Pinsel zu Mittagstisch gibt Struktur und Sicherheit. Der kreative Durch die Vertrautheit mit dem Team, durch die inten- halten und zu führen. Stolz und selbstbewusst hat sie an Prozess ist immer ein Gemeinschaftswerk, das von sive Begleitung der Mitarbeiter hat jeder Beschäftigte der Vernissage in der HypoVereinsbank teilgenommen. dem Team der Werkstatt angestoßen wird, und doch seinen Platz gefunden, wo er sich aktiv und selbstbe- „Das Auftreten in der Öffentlichkeit, das bewusste bestimmt wird von dem eigenständigen Handeln, Tun stimmt in die Tagesstruktur, in die kreativen Prozesse Gesehenwerden als Kunstschaffende, das Lob und die und Erleben der Beschäftigten. 50 51

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