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Jahresbericht 2013 der Stiftung Liebenau

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Der Jahresbericht der Stiftung Liebenau, der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist und der Stiftung Helios – Leben im Alter. Die drei Stiftungen sind mit insgesamt 6 000 Mitarbeitern an 90 Standorten in Deutschland, Österreich, Italien, Bulgarien und der Schweiz tätig, hauptsächlich in den Aufgabenfeldern Altenhilfe, Hilfe für Menschen mit Behinderung, Gesundheit, Bildung und Hilfen für Kinder und Jugendliche.

Stiftungen und sonstige Tätigkeiten Stiftung Liebenau in Europa Deutschland, Österreich, Schweiz, Bulgarien, Italien (Südtirol) und seit neuestem auch die Slowakei: Das sind die Länder, in denen die Stiftung Liebenau mit ihren sozialen Diensten tätig ist. Zum Teil als alleiniger Träger, aber auch in Kooperationen. Wie zum Beispiel in Südtirol. Hier hat die Stiftung Liebenau 2009 zusammen mit der Caritas Bozen-Brixen die „Fondazione Santa Elisabetta“ ins Leben gerufen. Diese gemeinnützige Stiftung kümmert sich um Projekte im Sozial- und Bildungsbereich. In erster Linie werden Hilfen für ältere Menschen geboten, aber auch Hilfen für Menschen mit Behinderung. Stiftungspräsident Dr. Christian Klotzner im Gespräch über die Partnerschaft mit der deutschen Stiftung Liebenau. Herr Dr. Klotzner, 2009 hat die Caritas Bozen- Brixen zusammen mit der Stiftung Liebenau die Fondazione S. Elisabetta gegründet. Was war der Hauptgrund, sich mit einem deutschen Partner zusammenzutun? Für die Caritas war es wichtig, als kirchliche Einrichtung auch in der stationären Pflege aktiv zu werden. Dies besonders vor dem Hintergrund, dass die Ordensgemeinschaften in Südtirol aufgrund des fehlenden Nachwuchses zunehmend in Schwierigkeiten kommen. Bei der Analyse von verschiedenen Pflegemodellen und bei der Suche nach zeitgemäßen Projekten hat die Caritas die Stiftung Liebenau kennengelernt. Beide Organisationen sind, basierend auf christlichen Grundwerten, sehr ähnlich ausgerichtet und organisiert. Sehr schnell entstand deshalb eine gute Vertrauensbasis und ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen den Organisationen und endlich die Idee, gemeinsam in Südtirol aktiv zu werden. Vorbild dafür war die gute Erfahrung der Caritas in Wien mit CaSa Leben im Alter. Hat die Partnerschaft mit der Stiftung Liebenau für Sie Vorteile gegenüber einer Partnerschaft mit einem heimischen Träger? Die Entwicklung des Sozialbereichs und insbesondere der Altenarbeit in Südtirol ist stark durch die Geschichte des Landes geprägt. Es gibt in Südtirol viele lokal autonom verwaltete Altenheime, meist sind sie von der öffentlichen Hand geführt. Dieses System hat Vorteile, aber auch den großen Nachteil, dass Vernetzung und Entwicklung nur begrenzt möglich sind. Die Caritas hat in der Zusammenarbeit mit der Stiftung Liebenau die große Chance gesehen, über die Landesgrenzen hinaus eine Vernetzung und den Austausch aufzubauen. Damit können Fachwissen und Erfahrung zwischen den zwei großen Organisationen ausgetauscht und auf allen Ebenen Synergien genutzt werden. Der europäische Gedanke, der beiden Partnern sehr wichtig ist, findet hier einen konkreten Ausdruck. Spielt die Nationalität eine Rolle? Sehr positiv war es für uns, dass wir innerhalb des Liebenau-Verbundes von Beginn an offen aufgenommen wurden und es keine Berührungsängste gegeben hat. Im Gegenteil, die menschlichen Beziehungen sind freundschaftlich, und das Potential, das in einer solchen übergeordneten Zusammenarbeit steckt, ist allen bewusst. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede. Es gibt zum Teil Sprachbarrieren und der gesetzliche Rahmen in Südtirol und Italien ist mitunter ein völlig anderer. Deshalb ist es sehr wichtig, dass es neben der übergeordneten Vernetzung auch eine gute örtliche Verankerung gibt. Die Kenntnis der lokalen kulturellen, politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen ist grundlegend und muss bei allen Entscheidungen mit einfließen. Was war Ihre wichtigste Erfahrung in Bezug auf die gemeinsame Stiftung? Zu wissen, dass hinter der kleinen Stiftung zwei große „Stifter“ stehen, welche die Geschicke mittragen und mitgestalten, gibt Sicherheit im Aufbau und in der Führung der noch sehr jungen Stiftung. Dadurch wird es möglich, mit relativ bescheidenen Ressourcen auch größere und komplexere Projekte anzugehen und diese 66 S TIFTUNGEN UND SONSTIGE TÄTIGK EITEN

Altenpflege in Europa Die Länder, in denen die Stiftung Liebenau tätig ist, haben viele Geme in samkeiten, aber auch viele Unterschiede. e. Die nebenstehende Grafik wirft ein Schlaglicht auf die Finanzierung de r Altenpflege im Ländervergleich. Deutli liche Unterschiede gibt es nicht nur in der Höhe, gemessen am prozentualen Anteil der Altenpfleg ege-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt, sondern auch in der Verteilung auf öffentliche und private Ant eile. auch gleichzeitig voranzubringen. Die Fondazione S. Elisabetta kann ihre Vorhaben von Beginn an mit Know-how, Erfahrung und einer bestimmten wirtschaftlichen Schubkraft angehen. Trotz der wenigen Jahre, in denen sie aktiv ist, wird ihr die Kompetenz zugeschrieben, und sie genießt bei verschiedenen Partnern im kirchlichen oder politischen Umfeld mittlerweile großes Vertrauen. Wie können aus Ihrer Sicht die Partner aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol im Stiftungsverbund voneinander profitieren? Ich glaube, dass die Stiftung Liebenau viele sehr gute und zeitgemäße Ansätze in der Begleitung, Betreuung und Pflege von hilfebedürftigen Menschen hat. Die Würde des Menschen, die Selbstbestimmung des Einzelnen und die Menschlichkeit im Umgang ist Grundlage dafür. Hinzu kommen die positiven Aspekte der dezentralen Organisationsform. Jede Betriebsgesellschaft oder Einrichtung in der Stiftung Liebenau hat die Möglichkeit, ihre inhaltliche Ausrichtung nach den lokalen Anforderungen auszurichten. Damit entsteht insgesamt ein bunter Mix von Angeboten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Erfahrung und das Fachwissen vor Ort können dann wiederum auf allen Ebenen ausgetauscht werden und alle können davon profitieren. Ich denke, eine wichtige Aufgabe der Stiftung Liebenau ist es deshalb, den Austausch im Netzwerk möglichst zu fördern und gut zu begleiten. Darüber hinaus gibt es auch Themenbereiche, welche alle gemeinsam betreffen wie zum Beispiel der Fachkräftemangel oder die Qualifizierung der Mitarbeiter Hier sehe ich einen weiteren großen Vorteil, wo alle profitieren können, wenn die Stiftung Liebenau übergeordnet für alle aktiv wird. Wie sehen Sie die künftige Entwicklung der Fondazione S. Elisabetta? Die Sparmaßnahmen in den öffentlichen Haushalten sind bei uns nun in allen Bereichen deutlich spürbar. Die Umsetzung von investitionsintensiven Vorhaben wird künftig sicherlich schwieriger werden. Dem gegenüber steht, dass die Betreuung und Pflege von alten Menschen aufgrund der veränderten Ansprüche stark im Wandel begriffen ist. Ein Wandel, der nicht zuletzt auch durch unsere Stiftung angeregt wurde. Hinzu kommt, dass die bisherigen kirchlichen Einrichtungen aufgrund der beschriebenen Schwierigkeiten häufig nach neuen zukunftstauglichen Organisationsformen suchen. Hier kann die Fondazione S. Elisabetta eine gute Alternative sein. In diesem Kontext sehe ich für die Entwicklung der Fondazione S. Elisabetta sehr viele Möglichkeiten für die nächsten Jahre. Es liegt an uns, diese verantwortlich, in enger Abstimmung mit Caritas und Stiftung Liebenau, auszuloten und in Form von Projekten konkret umzusetzen. STIFTU N G EN U ND SO NSTIG E TÄTIGKEITEN 67

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