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Jahresbericht 2013 der Stiftung Liebenau

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Der Jahresbericht der Stiftung Liebenau, der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist und der Stiftung Helios – Leben im Alter. Die drei Stiftungen sind mit insgesamt 6 000 Mitarbeitern an 90 Standorten in Deutschland, Österreich, Italien, Bulgarien und der Schweiz tätig, hauptsächlich in den Aufgabenfeldern Altenhilfe, Hilfe für Menschen mit Behinderung, Gesundheit, Bildung und Hilfen für Kinder und Jugendliche.

Altenhilfe Besser leben

Altenhilfe Besser leben im Quartier Hauspatin Sabine Haschke steht vor einer Wohnungstür im dritten Stock ihres Wohnblocks in der Ravensburger Galgenhalde und klingelt bei einer älteren Dame. Deren Tochter hatte sie darum gebeten, nachdem sie die Mutter telefonisch nicht erreichen konnte. Nach endlosen Sekunden kommt die Seniorin an die Tür und Sabine Haschke atmet erleichtert auf. Alles in Ordnung, der Telefonhörer lag nicht richtig auf. Anfang der 90er Jahre hatte die Stiftung Liebenau das auf aktiver Nachbarschaftshilfe basierende Modell der Lebensräume für Jung und Alt entwickelt und an 25 Standorten realisiert. Das Konzept lässt sich ideal auch auf Gemeinden oder Stadtteile übertragen. Praktische Erfahrungen dazu macht die Stiftung Liebenau seit 2005 im Quartier Galgenhalde in der Ravensburger Weststadt, das in den 1950er Jahren entstanden ist. Hier leben rund 2000, überwiegend ältere Menschen. Ein Drittel der Mieter sind Mitglieder der Genossenschaft Bau- und Sparverein (BSV). Um den Anforderungen der älteren Mieter gerecht zu werden, ging der BSV im Jahr 2006 eine Kooperation mit der Stadt Ravensburg und der Stiftung Liebenau ein, die dort bereits das Pflegeheim St. Meinrad betrieb. Das erste gemeinsame Projekt war die Gründung einer Senioren- WG. Seitdem haben sich weitere soziale Hilfen etabliert. Gleichzeitig ist ein Netzwerk entstanden, in dem viele Akteure wirken. Es begann mit den Hauspaten. Wie „tickt“ das Quartier? Aufgabe der inzwischen 15 Hauspaten ist es, die Anliegen der Mieter, sofern sie nicht untereinander geklärt werden können, an die entsprechenden Stellen weiterzugeben. Stehen Neubelegungen an, fragt der BSV gerne bei den Hauspaten nach, wer gut in die Hausgemeinschaft passen würde – ein jüngerer oder ein älterer Mitbewohner, eine Familie oder auch ein Mensch mit Pflegebedarf. Die neuen Mieter werden auf Wunsch von den Hauspaten in die Hausgemeinschaft und die Infrastruktur der Galgenhalde eingeführt. Einmal im Monat treffen sich alle Paten mit dem Gemeinwesenarbeiter Harald Enderle und tauschen sich aus. „Bei diesen Patentreffs stellt sich meist schnell heraus, wie das Quartier gerade tickt, wo es Unruhe gibt und welche Ursachen dahinter stecken“, sagt der Gemeinwesenarbeiter. Gemeinsam aktiv sein Doch die Hauspaten sind nicht die einzigen, die für eine gute Nachbarschaft im Quartier sorgen. Regelmäßig lädt zum Beispiel eine Gruppe zum Mittwochskaffee in den Rahlentreff. Die öffentliche Runde bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen wird meist von einem Vortrag begleitet. Ärzte oder Apotheker referieren über altersrelevante Themen, auch der Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp hat einen Vortrag über die Stadtentwicklung in Ravensburg gehalten. Der Rahlentreff ist das räumliche Herzstück der Quartiersarbeit, hier gibt es weitere Beratungs- und Dienstleistungsangebote sowie regelmäßige Veranstaltungen für die Bewohner des Stadtteils. „Yoga ist sehr beliebt zurzeit, wir haben schon den dritten Kurs eröffnet“, berichtet Harald Enderle. „Die Hausaufgabenbetreuung am Freitag ist eine Unterstützung für berufstätige Eltern, da die Kinder in der Schule nur von Montag- bis Donnerstagnachmittag betreut werden.“ 28 ALTENHILFE

Rat und Hilfe • Wohnberatung • Vermittlung von Angeboten • Finanz- und Rechtsfragen Reha und Medizin • Therapieangebote • Hausärztliche Betreuung • Fachärztliche Versorgung Betreuung und Pflege • Ambulante Pflege • Stationäre Pflege • Pflegestützpunkte Service • Nachbarschaftshilfe • Essen auf Rädern • Notruf Wohnen • Lebensräume • Pflegeheim • Wohnbaugenossenschaft Begegnung und Kultur • Besuchsdienste • Hauspaten • Öffentliche Begegnungsstätte Das Hilfenetz im Quartier „Galgenhalde“ in Ravensburg Auch beim Feiern kommen die Menschen des Quartiers zusammen. Vor fünf Jahren hat eine Initiativgruppe das alte Waschhaus renoviert, so dass bei Regen dort Veranstaltungen wie Winterfeuer und Sommerfest stattfinden können. Inzwischen nutzt auch die Tischtennisgruppe den Raum regelmäßig. Von den Angeboten des Quartiers profitiert auch Sabine Haschkes Mutter. Denn Gertrud Russow konnte trotz ihrer Alzheimer- Erkrankung und der dadurch bedingten Pflegebedürftigkeit in ihrer Wohnung bleiben. Das geht, weil sie mehrmals wöchentlich die professionellen Dienste der Sozialstation St. Anna in Anspruch nimmt. Einige Nachbarinnen gehen mit ihr spazieren, helfen beim Einkaufen oder der Wohnungsreinigung. „Mir geht’s gut, besser kann’s einer alten Frau gar nicht gehen“, sagt die 85-Jährige. ALTENHILFE 29

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