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Jahresbericht 2012 der Stiftung Liebenau

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Der Jahresbericht 2012 der Stiftung Liebenau informiert über die Aufgabenfelder, die Organisation und Unternehmenskennzahlen.

Bereich Gesundheit Der

Bereich Gesundheit Der Bereich Gesundheit der Stiftung Liebenau umfasst die St. Lukas- Klinik in Liebenau, die Liebenau Kliniken mit ihrem sozialtherapeutischen Heim St. Damiano in Stuttgart sowie die Gesellschaft für Entwicklungspsychiatrie und Integration (50 Prozent Beteiligung) mit der kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik Bernsteinstraße in Stuttgart-Heumaden. Im Stiftungsverbund widmen sich außerdem weitere Dienste und Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung: die Frühförderstelle der St. Gallus-Hilfe in Markdorf, die Sozialmedizinische Nachsorge, die medizinisch-therapeutischen Dienste des Berufsbildungswerks Adolf Aich in Ravensburg sowie die pflegerischen und therapeutischen Fachdienste in den Wohnheimen in Liebenau, Hegenberg und Stuttgart. Ambulante Diagnostik und Therapieangebote bieten die St. Lukas-Klinik in Liebenau und die Tagesklinik in Stuttgart. Alle Angebote dienen der Diagnostik, Behandlung, Begleitung und Förderung von Menschen mit Behinderungen, wenn sie innerhalb des medizinischen Regelsystems nicht adäquat betreut werden können. Das Behandlungsangebot ist vielgestaltig und eng miteinander vernetzt. Daher können individuelle und passgenaue Hilfen, auch für Menschen mit komplexen Problemen angeboten werden. Von der „Komm-“ zur „Gehstruktur“ Wurden Menschen mit Behinderungen und besonderem Hilfebedarf in der Vergangenheit überwiegend in Heimen und Komplexeinrichtungen betreut, so leben die Betroffenen nunmehr in Wohngemeinschaften, kleinen Heimeinrichtungen, in Gastfamilien oder selbstständig mit mehr oder minder umfassenden Hilfen von außen. Wann immer es möglich ist, soll das medizinische Regelversorgungssystem auch für Menschen mit Behinderungen nutzbar sein. Praxen und Kliniken müssen fachliche Unterstützung in der Behandlung der für sie oft unvertrauten Fragestellungen bekommen; spezielle Hilfen, sofern sie notwendig sind, müssen den Menschen folgen und können nicht allein in den Komplexeinrichtungen verfügbar sein. Stationäre Angebote müssen sich in teilstationäre, ambulante Angebote verwandeln, „Kommstrukturen“ werden zu „Gehstrukturen“, also aufsuchenden Hilfen. Erste Erfahrungen mit Hometreatment liegen vor. Therapeutische Krisen-Kompetenz Gleichzeitig steigt vor allem im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Allgemein- und Gerontopsychiatrie der Bedarf nach stationären Behandlungsangeboten stark an. Ebenso nehmen Anfragen nach sozialtherapeutischen Behandlungsplätzen immer weiter zu. Der Grund dafür: Manche Menschen mit Behinderungen, vor allem diejenigen mit komplexen Handicaps, sind mit den alltäglichen Belastungen überfordert, die nunmehr auch sie erreichen. Sie geraten in Krisen oder erkranken psychisch. Notwendig sind dann besondere Erfahrungen im Umgang mit den belasteten Menschen, besondere Kenntnisse in nichtsprachlichen Kommunikationsverfahren, in der Differenzierung von psychiatrischen und behinderungsbedingten Verhaltensweisen. Nötig ist viel Zeit für den Kontakt mit den Patienten und für die Begleitung der Angehörigen. Erforderlich sind auch kleine Behandlungsgruppen und die Verfügbarkeit besonderer Diagnose- und Therapieverfahren. Das heißt: Einerseits muss sich das medizinische Regelversorgungssystem für Menschen mit Behinderungen öffnen und qualifizieren. Andererseits müssen die medizinischen Spezialeinrichtungen für Menschen mit Behinderungen Angebote auch „in der Fläche“ entwickeln und gleichzeitig Zentren besonderer therapeutischer Kompetenz bleiben. Versorgungsstruktur und Finanzierung Die Finanzierungsstrukturen im Gesundheitswesen können besondere Einrichtungen für besondere Menschen im Bestand gefährden. Im Krankenhaus, in Klinikambulanzen und in Praxen verlangt das heutige Finanzierungssystem zeitliche Effizienz und das Handeln nach vorgegebenen Standards. Maßstab sind die Durchschnittskrankheit, der Durchschnittspatient. Besonderer Aufwand, zum Beispiel wegen vorhandener Kommunikationsprobleme oder wegen komplexer Störungen, ist im System der Fallpauschalen nicht ausreichend darstellbar; Behandlungen werden nicht kostendeckend vergütet. Behandlungseinrichtungen, die sich ausschließlich einem hoch belasteten, besonderen Personenkreis widmen, können dieses Manko nicht durch andere Patienten ausgleichen, und die Schere von Behandlungsauf- 46 Gesundheit

wand, Kosten und Vergütung geht immer weiter auseinander. Das System der Fallpauschalen soll in Zukunft auch im Bereich der stationären psychiatrischen Versorgung für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen eingeführt werden. Was dies für die Behandlung von Menschen mit Intelligenzminderungen und komplexen Behinderungen bedeutet, ist noch nicht absehbar. Im Berichtsjahr 2012 fand eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema statt im Bemühen, die jetzt schon prekäre Situation in der Inneren Medizin in der Psychiatrie zu vermeiden, bisher ohne Ergebnis. Ärzte und Fachkräfte fehlen Dass in Deutschland akuter Ärztemangel besteht, ist bekannt. Fast alle Kliniken leiden darunter, und natürlich ist auch der Bereich der Behandlung von Menschen mit Behinderung hiervon betroffen. Nur unter erheblichem Aufwand gelingt es derzeit, Ärztinnen und Ärzte für die Tätigkeit in unseren Ambulanzen und Kliniken zu gewinnen. Mittlerweile gilt dies auch für andere Heilberufe wie Psychologen und Pflegekräfte. Zwei Lösungswege zeichnen sich ab: Zusätzlich zur allgemeinen Nachwuchswerbung und -förderung der Stiftung Liebenau wirbt die St. Lukas-Klinik verstärkt in Schulen für den Gesundheitssektor der Stiftung Liebenau. In der Werbung um medizinische und pflegerische Fachleute aus dem Ausland stehen wir noch am Anfang. Ausbau und Entwicklung ist nötig Ähnlich wie in den Vorjahren weist die Rückschau auf das Jahr 2012 einen hohen Anfrage- und Aufnahmedruck aus. In besonderer Weise ist dies deutlich bei jungen Menschen mit Behinderungen und erheblichen psychischen Störungen. Immer dann, wenn diese Störungen expansiver Natur sind, bedarf es rascher ambulanter, klinischstationärer oder sozialtherapeutischer Hilfe, letztere unter schutzgebenden Bedingungen. Demgegenüber bleibt der Bedarf nach internistischen Klinikbehandlungen stabil. Notwendig ist die Entwicklung neuer Hilfestrukturen für längerfristig pflegebedürftige Personen, für die die schnelle Taktung der derzeitigen Krankenhausmedizin nicht passt. Pflegeorientierte Bereich Gesundheit (Zahlen in TEUR) 2011 2012 y Umsatz 23.539 24.169 y Personalaufwand 16.494 16.937 y Bilanzsumme 9.731 10.732 y Eigenkapitalquote ohne Sonderposten 39,6 % 40,1 % y Eigenkapitalquote mit Sonderposten 46,0 % 46,5 % y Investitionen 302 500 y Mitarbeiter/-innen (Kopfzahlen) 450 460 1. 2. Vollkonsolidierung St.Lukas-Klinik gGmbH, Liebenau Kliniken gGmbH Quotenkonsolidierung Gesellschaft für Entwicklungspsychiatrie und Integration gGmbH Gruppen mit Einbindung ärztlicher Fachlichkeit, wie es sie in der Vergangenheit in vielen Heimeinrichtungen nach Art eines „Krankenstocks“ gab, könnten wieder ein taugliches Modell werden. Weiterhin hoher Entwicklungsbedarf besteht im Bereich der alterspsychiatrischen Erkrankungen: Für Menschen mit Behinderung ist das Thema der demenziellen Erkrankungen (die oft vergleichsweise früh auftreten) noch weitgehend unbearbeitet. In der Allgemeinbevölkerung nimmt bekanntermaßen die Zahl demenziell erkrankter Menschen zu. Der Gesundheitsbereich der Stiftung Liebenau widmet sich verstärkt diesem Thema, Handlungsfelder sind dabei insbesondere die Bewohner der Einrichtungen der Liebenauer Altenhilfe. Vorstand und Geschäftsführungen Gesundheit 47

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