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Jahresbericht 2012 der Stiftung Liebenau

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Der Jahresbericht 2012 der Stiftung Liebenau informiert über die Aufgabenfelder, die Organisation und Unternehmenskennzahlen.

Bereich Altenhilfe Mit

Bereich Altenhilfe Mit rund 90 Einrichtungen und Diensten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, rund 2 700 Mitarbeitern und Pflege- und Wohnangeboten für rund 4 400 Personen ist die Altenhilfe der größte Tätigkeitsbereich im Verbund der drei Stiftungen. Acht gemeinnützige Gesellschaften und eine Genossenschaft gehören zum Bereich Altenhilfe. Im Bodenseekreis ist darüber hinaus die Christliche Hospizstiftung (siehe auch S. 80) tätig. In Deutschland: St. Anna-Hilfe, Liebenau – Leben im Alter, Heilig Geist – Leben im Alter In Österreich: St. Anna-Hilfe, St. Anna-Sozialzentren, St. Anna-Service, CaSa Leben im Alter, CaSa Sozialeinrichtungen In der Schweiz: Stiftung Helios – Leben im Alter, Genossenschaft Dorfplatz Oberhelfenschwil Wachstumsmarkt Altenhilfe Der Pflegemarkt ist nach wie vor von einer positiven Wachstumsdynamik geprägt. In Folge der demografischen Entwicklung wird ein weiterhin kontinuierlich steigender Bedarf an ambulanten und stationären Angebote erwartet. Ergänzend haben wir weitere Wohn-, Unterstützungs- und Pflegeangebote geschaffen, um ein selbstbestimmtes Leben im vertrauten Wohnumfeld ermöglichen zu können. Wir stellen dabei fest, dass die Bedarfslagen älterer Menschen vielfältiger und umfangreicher werden. Daher werden im stationären Bereich Hausgemeinschaftsmodelle und Modelle mit besonderen Pflegekonzepten ausgebaut und weiterentwickelt. Um die demografische und soziokulturelle Entwicklung abfedern zu können, unterstützen wir auch die primären Hilfesysteme wie Familien- und Nachbarschaftshilfen. Künftig werden sich soziale Leistungen verstärkt an Solidarität, Subsidiarität, sozialräumlichen Lösungen und bürgerschaftlicher Eigenverantwortung orientieren müssen. Demografisch geboten – politisch notwendig – verlässlich finanziert? Infolge der steigenden Eigenbeteiligung der älteren Menschen und ihrer Angehörigen verstärkt sich der Preiswettbewerb in Deutschland. Für tarifgebundene Unternehmen wird eine Refinanzierung über die Pflegesätze oder – im Bereich der ambulanten Dienste – über die einheitlichen Entgeltsätze zunehmend schwieriger. Aufgrund des Wettbewerbs mit privaten Anbietern können die Träger der freigemeinnützigen Wohlfahrtsverbände die steigenden Lohnkosten nicht vollständig refinanzieren. Deshalb nimmt in Deutschland der Anteil an privaten Dienstleistern vorwiegend in der ambulanten Pflege deutlich zu. Hier sehen wir ein Umdenken von Politik und Kostenträgern dringend geboten. Um die gewünschte Qualität und Professionalität in der Pflege auch in Zukunft gewährleisten zu können, muss eine Finanzierung von Tariflöhnen und tarifbedingten Altersvorsorgeleistungen sichergestellt sein. Der längst überfällige neue Pflegebedürftigkeitsbegriff muss ebenso dringend in das Leistungsrecht eingefügt werden wie eine Finanzierungsgrundlage für fallunspezifische Arbeit, um vor allem älteren Menschen ein möglichst langes Leben zu Hause zu ermöglichen. Anderer Wettbewerb in Österreich In Österreich ist der Anteil nichtstaatlicher Anbieter im Bereich der stationären Altenhilfe deutlich geringer als in Deutschland. Auch ist das Aufgabenverständnis der öffentlichen Hand anders: nichtstaatliche Träger können nur innerhalb vorgegebener Bedarfsplanungen und Standortvorgaben tätig werden und sind an vorgegebene Entgelte gebunden. Das führt im Ergebnis tendenziell dazu, dass sich der Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Einrichtungsträgern überwiegend auf die inhaltliche Qualität und die betriebswirtschaftliche Umsetzung bezieht. Dafür haben Einrichtungen beispielsweise unabhängig von Lage und Ausstattung selten Probleme, Pflegeplätze auszulasten. Erfreulich ist, dass es sowohl der St. Anna-Hilfe Österreich wie auch der CaSa – Leben im Alter derzeit gut gelingt, innerhalb dieser Rahmenbedingen hervorragende Leistungen für die Bewohner ihrer Einrichtungen zu erbringen. 28 Altenhilfe

Neue Finanzierung in der Schweiz In der Schweiz wurde Anfang 2012 die neue Pflegefinanzierung umgesetzt. Damit wurden Bundesaufgaben an die Kantone und Gemeinden zurückgeführt, die Leistungen der Krankenversicherungen vereinheitlicht und auch die Eigenanteile der Bewohner neu geregelt. Nach anfänglicher Verunsicherung von Trägern und Bewohnern zeigt sich, dass die Bewohner tatsächlich überwiegend finanzielle Entlastungen erfahren haben. Aus Sicht der Betreiber haben die neuen Regelungen zumindest zu keinen Nachteilen geführt. Einsatz für Mitarbeiter Die Personalgewinnung ist in allen drei Ländern zunehmend schwierig. Noch haben die Einrichtungen in Deutschland keinen Mangel an qualifizierten Fachkräften. Erheblich verstärkt wurde die Qualifizierung von Führungs- und Führungsnachwuchskräften, zum Teil in Partnerschaft mit weiteren Trägern der Altenhilfe. In Österreich ist der Fachkräftemangel deutlich höher. Hier muss vermehrt auf Leasingkräfte oder ausländische Pflegekräfte zurückgegriffen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass in Österreich die gesetzlich vorgegebenen Berufszugänge in der Altenhilfe weiterhin über Ausbildungen erfolgen, die im Wesentlichen auf einen Einsatz in Krankenhäusern ausgerichtet sind. Die Mehrzahl der Mitarbeiter in der Altenhilfe steht den Pflegeinrichtungen daher erst in einer zweiten Berufsphase (oder nach einer zweiten Berufsausbildung) zur Verfügung. Nachdem sich hier keine gravierenden Änderungen abzeichnen, ist in naher Zukunft nochmals mit einer deutlichen Verschärfung des Problems zu rechnen. Bereich Altenhilfe (ohne Stiftung Hospital zum Heiligen Geist und Stiftung Helios – Leben im Alter) (Zahlen in TEUR) 2011 2012 y Umsatz 103.868 108.891 y Personalaufwand 61.615 66.362 y Bilanzsumme 65.063 67.8 06 y Eigenkapitalquote ohne Sonderposten 19,9 % 22,2 % y Eigenkapitalquote mit Sonderposten 39,5 % 40,4 % y Investitionen 1.688 3.600 y Mitarbeiter/-innen (Kopfzahlen, nur Stiftung Liebenau) 2 304 2 410 y Mitarbeiter/-innen (Kopfzahlen, inkl. Stiftung Hospital zum Heiligen Geist und Stiftung Helios – Leben im Alter) 2 672 2 747 1. Vollkonsolidierung St. Anna-Hilfe gGmbH (Deutschland), Liebenau – Leben im Alter gGmbH, St. Anna-Hilfe gGmbH (Österreich), St. Anna-Sozialzentren gGmbH (Österreich), St. Anna-Service gGmbH (Österreich), Genossenschaft Dorfplatz Oberhelfenschwil (Schweiz) 2. Quotenkonsolidierung CaSa Leben im Alter gGmbH, CaSa Sozialeinrichtungen gGmbH Autonomie steht im Vordergrund In der Liebenauer Altenhilfe lag der fachliche Fokus im Berichtsjahr vor allem in der Fortsetzung der Autonomiediskussion. Seit zwei Jahren diskutieren wir eingehend, wie die Autonomie von Bewohnern, Patienten und Mietern gefördert und gestärkt werden kann. Auch die Trauerbegleitung gewinnt zunehmend an Gewicht. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitforschung wird die soziale Bewältigung von tiefgehenden und komplizierten Trauerprozessen untersucht. In den kommenden Jahren möchten wir Konzepte entwickeln zur Unterstützung lokaler kooperativer Sozialmodelle im ländlichen Raum durch pflegerische technische Assistenzsysteme. Vorstand und Geschäftsführungen Altenhilfe 29

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