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Dokumentation zum 2. Fachgespräch "Soziale Zukunft Wohnquartier"

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PRESSEMITTEILUNG 09.

PRESSEMITTEILUNG 09. Oktober 2015 Lokale Versorgungsmodelle im Alter: Dem Wohnquartier gehört die Zukunft ULM/LIEBENAU – Welche Rolle spielt die wohnort- und quartiersnahe Versorgung hilfebedürftiger Menschen in einer älter werdenden, inklusionsorientierten Gesellschaft? Mit dieser Frage beschäftigte sich das 2. FachgesprächSoziale Zukunft Wohnquartier“. Dazu hatten die Veranstalter – die Stiftung Liebenau, die Samariterstiftung Nürtingen, das Netzwerk Alter und Pflege im Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Württembergische Evangelische Fachverband für Altenhilfe – zahlreiche Vertreter von Kommunen, Wohlfahrtsträgern und anderer Institutionen und Initiativen nach Ulm eingeladen. Weniger, älter, bunter Wir werden weniger, älter und bunter. Das sind Facetten des demografischen Wandels, der unsere Gesellschaft vor viele neue Herausforderungen stellt. Wie und wo leben künftige Generationen im Alter? Wer organisiert und leistet die nötige Unterstützung? Wie können quartiersbezogene Angebote dafür sorgen, dass Senioren möglichst lange in ihrem sozialen Umfeld bleiben können? „Die Zahl der hochaltrigen Menschen wird massiv ansteigen“, rechnete Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff von der Katholischen Hochschule Freiburg in ihrem Referat vor. Gab es hierzulande im Jahr 2000 noch 2,9 Millionen Über-80-Jährige, wird diese Altersgruppe bis 2050 auf acht Millionen anwachsen. Gleichzeitig wird es weniger junge Menschen geben. Steigender Hilfebedarf Die Folgen: „Der Hilfe- und Pflegebedarf wird insgesamt steigen, aber es ist noch unklar, in welchem Ausmaß das geschehen wird“ – und welche Rolle dabei die häusliche, welche die stationäre und ambulante Pflege spielen werden. Offen sei derzeit auch noch die Frage, ob und wie sich die derzeitige Flüchtlingssituation langfristig auf die demografische Entwicklung in Deutschland auswirkt. Es werde in Zukunft aber auf jeden Fall bedarfsgerechte Versorgungsangebote geben müssen – und Strukturen, die die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ermöglichen. Große Aufgaben, die aber auch eine große Chance bieten – nämlich die „auf eine veränderte Gesellschaft, die getragen ist von Solidarität und gesellschaftlicher Mitverantwortung der einzelnen Bürgerinnen und Bürger“. Vision einer „Caring Community“ Wie aber kann so ein Pflegemix in lokalen Verantwortungsgemeinschaften aussehen? „Traditionelle Profile und Konzepte der klassischen Altenarbeit müssen sich in diesem Kontext verändern“, betonte Kricheldorff und berichtete von Modellprojekten aus mehreren Kommunen. Hier wurden mit viel ehrenamtlichem Engagement generationsübergreifende, personenbezogene Netzwerke geknüpft, eine lebendige Nachbarschaft entstand. Dahinter stehe die Vision einer „Caring Community“, einer Gemeinschaft von Kümmerern. Politische Diskussion Solche Konzepte für das Quartier sind auch in der Politik angekommen. So beschäftigt sich derzeit etwa Pressekontakt: Stiftung Liebenau Abteilung Kommunikation und Marketing Vera Ruppert, Pressearbeit Telefon: 07542 10-1181 vera.ruppert@stiftung-liebenau.de 44

die Enquetekommission Pflege in Baden-Württemberg mit dieser Thematik. Nach Auffassung des stellvertretenden Vorsitzenden des Gremiums, Manne Lucha, stehen wir in Sachen Daseinsvorsorge am Scheideweg. Die Frage sei: „Verbleiben wir im hospitalen Gedankengut, oder gehen wir in die Quartiere?“ Vorbild Amtzell Wie eine Gemeinde nachhaltig die Weichen stellen kann – das zeigt das Beispiel Amtzell im Landkreis Ravensburg. Paul Locherer, heute Landtagsabgeordneter und Aufsichtsrat der Stiftung Liebenau, prägte als langjähriger Bürgermeister maßgeblich die Entwicklung des 4100-Seelen-Ortes hin zu einer Vorzeige-Kommune in Bezug auf eine „demografiefeste“ Infrastruktur für Jung und Alt – angefangen von der Kindertagesstätte am Altenheim über heimgebundene Wohnungen bis hin zu einer Mehrgenerationen-Wohnanlage. Hilfemix aus Haupt- und Ehrenamt Das Erfolgsrezept dahinter: ein Hilfemix von haupt- und ehrenamtlicher Arbeit, getragen von einem breiten Netzwerk aus professionellen Dienstleistern, aktiven Bürgern, Kirchengemeinden und Vereinen. Am Ende profitiere der Ort durch ein gesteigertes Wir-Gefühl, ein Mehr an Lebensqualität und einem Imagegewinn, der die Gemeinde attraktiv mache und sogar die Geburtenzahl nach oben treibe. Und so sei diese „neue Kultur des Miteinanders“ für die Gemeinde kein „weicher“, sondern vielmehr ein „knallharter“ Standortfaktor. Knackpunkt Finanzierung So entscheidend die Rolle der Kommunen ist, so wichtig ist aber auch die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen durch die überregionale Politik. Vor allem die Finanzierung ist noch ein Knackpunkt. Hier müsse abseits von befristeten Modellprojekten das Geld in die Gemeinden fließen, forderte Locherer. Auch Grünen-Politiker Lucha hält eine „ordnungs- und leistungsrechtlichen Abbildung“ neuer und innovativer Entwicklungen für notwendig. Stärkere Vernetzung angestrebt Neben Vorträgen, Diskussionen und Workshops stand bei dem Ulmer Fachtag vor allem die Vernetzung von Akteuren, die Quartiersprojekte in Baden-Württemberg realisieren, im Vordergrund. Im Sinne eines informellen Bündnisses „Soziale Zukunft Wohnquartier“ wollen die vier Veranstalter gemeinsam mit anderen Akteuren ihr Know-how und ihre Ideen insbesondere in die landespolitische Diskussion einbringen – „um notwendige Reformen anzumahnen und einzufordern“, wie Ulrich Kuhn von der Stiftung Liebenau betonte. Positionspapier „Soziale Zukunft Wohnquartier“ Dazu habe man bereits 2014 ein vielbeachtetes Positionspapier vorgelegt. Dieses zeigt, dass auch etablierte Sozialunternehmen auf die Quartiersarbeit setzen: „Es ist Teil unserer zivilgesellschaftlichen Verantwortung, dass wir uns neben der Erbringung sozialer Dienstleistungen hier engagieren“, so Frank Wößner, Vorstand der Samariterstiftung Nürtingen. Diese Verantwortung gehöre neben den Begriffen Selbstbestimmung und Inklusion zu den grundlegenden Säulen eines „neuen Miteinanders“ im und um das Wohnquartier. Pressekontakt: Stiftung Liebenau Abteilung Kommunikation und Marketing Vera Ruppert, Pressearbeit Telefon: 07542 10-1181 vera.ruppert@stiftung-liebenau.de 45

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