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Die Stiftung Liebenau – eine Lebens- und Wesensäußerung von Kirche

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Heutige Position und Erwartungen eines kirchlich-karitativen Aufgabenträgers Hrsg. Aufsichtsrat der Stiftung Liebenau, 2013

B. Die

B. Die Kirchlichkeit der Stiftung Liebenau ihre heutige Beschreibung (2 Könige 4,13) gewähren soll. Gott soll dem Armen und Zu-kurz-Gekommenen Recht verschaffen und Mitleid und Barmherzigkeit verströmen. „Wenn er zu mir schreit, so werde ich hören; denn ich bin barmherzig“ (Exodus 22,26). Die sittliche Handlungsnorm der Bruderliebe taucht bereits im Alten Testament auf. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, heißt es in Lev 19,18. Zunächst wird dieses Gebot nur auf das eigene Volk als verpflichtendes Ethos bezogen. Später wird das Liebesgebot auch auf den Fremden und den Schutzbürger ausgedehnt. Das Liebesethos wird so universal für bedeutsam erklärt. So sehr Gottes Handeln und das Gebot der Nächstenliebe universalistisch gedacht wird, Adressat ist bei den Gesetzen und der späteren Thora als Adressat stets das Volk Israel. Es soll sich an soziale Normen gebunden fühlen, deren Einhaltung staatlich-kultisch überwacht und bei Zuwiderhandeln auch sanktioniert wird. Der erste alttestamentarische Befund, das Recht der Rechtlosen, Barmherzigkeit gegenüber den Schuldigen, das Liebesgebot als normative Grundlage einer sozialen Infrastruktur, ist Ausweis jüdischen Denkens und Handelns. An dieses Vorverständnis knüpft die Botschaft Jesu an. Jesus betont das ausdrückliche Gebot der Nächstenliebe, wie es im Samaritergleichnis (Lk 10,30-37) überliefert ist 29 . Darin wird der nichtjüdische Samariter als sittliches Vorbild von Jesus vorgestellt. Das Wort Jesu: „Geh hin und tue desgleichen!“ kann als karitativer Sendungsauftrag an die Zuhörer, die Jünger und die Gemeindechristen gelesen und gedeutet werden. Wie beim Samariter geht es um ein Sich-anrühren- Lassen durch die Not und um konkrete, praktische Soforthilfe für den Notleidenden sowie um die passende Nachsorge für den Hilfebedürftigen. Dieses Gebot der Nächstenliebe gilt zunächst für den Einzelnen, wird aber auch als institutioneller Handlungsimpuls für die frühen Gemeinden und die spätere Kirchenentwicklung kulturbildend. Jesus bleibt auch in der Tradition jüdischer Propheten, wenn er Kritik an ungerechten Zuständen übt. Zur sittlichen Forderung nach Barmherzigkeit und Liebe tritt eine deutliche Kritik am Reichtum mit der Forderung nach Gerechtigkeit. Im Magnifikat (Lk 1,52f) lobt Maria die Größe Gottes, indem sie ihm zutraut, die Mächtigen vom Thron zu stürzen und die Niedrigen zu erhöhen. Das Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus (Lk 16,19-31) verweist auf eine ähnlich reichtumskritische Sicht, deren Hauptanliegen das Schaffen gerechter Verhältnisse ist. Jesus geißelt die Habsucht der Reichen (Lk 12,15) und steht irdischem Besitz kritisch gegenüber. Alle sittlichen Anforderungen Barmherzigkeit, Liebe und Gerechtigkeit stellt Lukas in den Horizont der Reich-Gottes- Botschaft Jesu. Jesus verkündet ein Reich Gottes, das jetzt schon im sittlichen Handeln beginnt und noch aussteht für diejenigen, die der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes bedürfen. Wie die Gerichtsrede Jesu zeigt, können barmherzige Taten durchaus heilsentscheidend sein (Mt 25, 34-45) 30 . Das Eintreten für den Nächsten und Geringsten ist der Ausweis eines guten und gerechten Lebens und soll vor dem Jüngs- 29 Hierzu Hennecke, Nicole, Caritas und Recht, S. 59 ff. 30 Hierzu Hennecke, Nicole, Caritas und Recht, S. 62 ff. 22 23

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