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Der Inklusions- und Konversionsprozess aus ethischer Perspektive

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Anregungen des

Anregungen des Ethikkomitees der Stiftung Liebenau für die Mitarbeiterinnen* der Stiftung Liebenau Teilhabe Vorbemerkungen Das Thema Inklusion beschäftigt die Stiftung Liebenau schon seit Jahren. Es hat vor allem durch die UN-Behindertenrechtskonvention Eingang in die Sozialpolitik gefunden und beeinflusst die Sozialplanung in vielen Bereichen der Behindertenhilfe. Die UN-BRK hat zum Ziel, die Rechte der Menschen mit Behinderungen sicher zu stellen. Dazu gehört auch das Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Der ausschließende (exkludierende) Charakter großer Behinderteneinrichtungen ist dabei in den Blick geraten. Schon seit längerem werden das Zusammenleben im Quartier und damit die Inklusion durch neue Angebote gefördert. Zurzeit vollzieht sich dieser von gesetzlichen Vorgaben bestimmte Umwandlungsprozess (Konversion) von der „Komplexeinrichtung“ in eine Vielzahl alternativer, gemeindenaher Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten. Für die betroffenen Menschen mit Behinderungen geht er einher mit teilweise gravierenden Veränderungen ihrer Lebenssituation, vor allem durch Umzüge. Daran beteiligt sind die vielen Mitarbeiterinnen, die sie betreuen, und deren Leitungen bis hin zur Geschäftsleitung. Das Ethikkomitee möchte sie mit der vorliegenden Broschüre unterstützen. Dieser Umwandlungsprozess stößt auf Mangel an Zeit und Personal, der dem Ethikkomitee sehr wohl bewusst ist. Die folgenden Vorschläge sollen nicht unrealistisch sein. Das Ethikkomitee verfolgt einen lösungsorientierten Ansatz in dem Dilemma zwischen guter Begleitung von Menschen mit Behinderungen und der Ressourcenknappheit in der Behindertenhilfe. Deshalb gab und gibt es den Kontakt zu den politisch und institutionell Verantwortlichen. Dazu zählen u.a. das Gespräch des Ethikkomitees mit Vertreterinnen des Sozialministeriums sowie mit den Geschäftsführungen der Liebenau Teilhabe und dem Vorstand. Allen Beteiligten ist der enorme Druck des Umwandlungsprozesses bewusst. Die Koordinierung liegt in der besonderen Verantwortung der Leitungskräfte. Es sind gemeinsame Gespräche mit Heim- bzw. Hausleitungen, Fachdiensten und Bezugsbetreuungen zu empfehlen, um die Mitbestimmung, Motivation und Transparenz während des Prozesses zu stärken. Außerdem wird die Liebenau Teilhabe die Möglichkeit abwägen, zukünftig strukturell Ehrenamtliche einzubeziehen. Mit zusätzlichen Teilhabeangeboten sollen sie die Betreuungsarbeit bereichern und insgesamt entlasten. Voraussetzung dafür ist der Aufbau eines professionellen Ehrenamtsmanagements, das für die Ausbildung und Begleitung ehrenamtlich engagierter Bürgerinnen zuständig ist. 2

I. Die bisherigen Überlegungen in der Stiftung Liebenau Damit der beschriebene Umwandlungsprozess für die Betroffenen tatsächlich deren Lebensumstände verbessern kann, muss bei seiner Umsetzung eine Reihe von Voraussetzungen gewährleistet sein: a) grundlegende Kriterien (1) Respekt vor der Selbstbestimmung des Menschen mit Behinderung (2) (Für-)Sorge für sein Wohlergehen u.a. durch die Verbesserung der Wohnsituation (3) Förderung seiner Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (4) Schutz bzw. Schaffung von Frei- bzw. Rückzugsräumen b) Empfehlungen für eine strategische Neuausrichtung der Stiftung Liebenau (1) Vorrang der Wahlmöglichkeit des Menschen mit Behinderung (2) Berücksichtigung der unterschiedlichen Situation von Menschen mit Behinderungen, insbesondere ihrer sehr unterschiedlichen Bedürfnislagen (3) Inklusion als Zielsetzung, die u.a. durch Sozialraumorientierung zu fördern ist (4) Bewusstsein für die Grenzen der Inklusion, das damit rechnet, dass Kompetenzzentren wahrscheinlich für einen Teil der Menschen mit Behinderungen unverzichtbar sein werden * Zum Zweck der besseren Lesbarkeit und aufgrund der Mehrzahl von Frauen in der Sozialen Arbeit hat sich das Ethikkomitee entschieden, Personenbezeichnungen in der weiblichen Form inklusiv zu verwenden. 3

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