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Broschüre - Das Schloss Liebenau

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19. Jahrhundert

19. Jahrhundert Fürsten, Jesuiten und Händler Bis zur Säkularisation war eine gewisse Beständigkeit in den Besitzverhältnissen Liebenaus festzustellen. Die Burg beziehungsweise das Schloss blieb relativ lange in einer Hand, in der der Summerauer/Liebenauer rund 140 Jahre, der Grafen von Montfort rund 280 Jahre, der Laymanns gut 80 Jahre und der Reichsabtei Weingarten etwa 140 Jahre. Ab 1803 änderte sich das grundlegend. In den folgenden 67 Jahren hatte das Schloss Liebenau vierzehn verschiedene Besitzer, die keineswegs alle den Bau gebührend erhielten oder gar verbesserten. Im Zuge der Säkularisation wurden die geistlichen Territorien – hier in Süddeutschland überwiegend die klösterlichen Güter mit zum Teil kleinstaatlichem Charakter – zerschlagen und größeren weltlichen Fürsten tümern eingegliedert beziehungsweise unterstellt, zum Teil auch als Ausgleich für Territorialverluste der Mittelstaaten infolge der Revolutionskriege. Als Folge des Reichsdeputationsausschusses von 1803 gelangte Weingarten mit all seinen Besitzungen an das Fürstentum von Oranien-Nassau. Dieses überließ durch Vertrag vom 23.6.1804 Liebenau und anderen in der Grafschaft Tettnang gelegenen Besitz Österreich. Ein Jahr später kam es an Bayern und nach weiteren fünf Jahren an Baden-Württemberg. In dieser Zeit, in der das Schloss wohl kaum bewohnt war, hat sich sein baulicher Zustand vermutlich nicht verbessert. 1810 kaufte Philipp Biegger das Schloss vom Land Baden-Württemberg und richtete in ihm eine Tafern-(Wein-)Wirtschaft ein, die er etwa acht Jahre lang betrieb. Von ihm erwarben Franz Josef de Baratti, Pfarrer in Hoßkirch, und Friedrich Schlegel, Pfarrer von St. Christina bei Ravensburg, das Schloss in der Absicht, es dem Jesuitenorden zu überlassen, damit von hier aus Volksmissionen abgehalten werden könnten. 12

Zunächst wurden aber der Bau und die umliegenden Anlagen von Grund aus renoviert. Aus der Zeit von 1818 – 1826 berichtet die Liebenauer Chronik Folgendes: „Vom Jahr 1818 an seit Erwerbung des Schlösschens kommen alle Gattungen von Verbesserungen vor, zum Beispiel. 1) aus dem Schlossgraben gegen Westen, der eine wahre Pfitze war, wurde mit unsäglicher Mühe und großen Kosten der hübsche Garten geschaffen und selber gegen Norden hin wiederholtermalen mit Errichtung mehrerer Wasenmauern gestützt. 2) So wurde auch in diesem Garten eine Terrasse nebst Mauer errichtet; zugleich der Garten an seinem Ende mit einer kleinen Mauer geschlossen und der ganze Garten kostspielig umzäunt. 3) Sämtliche Dächer wurde ausgebessert, ferner mit großem Aufwand zwischen der Kapelle und dem Thurm eine wei(te) Rinne angelegt. 4) Alle 3 Stockwerke wurden beinahe ganz umgewandelt, – und im unteren Stock eine Stallung nebst Heulegung hergestellt, das Gesindezimmer unterschlagen (unterteilt), eine Küche angelegt, sowie eine Brennküche mit allem Zubehör und eigenem Kamin. Im mittleren Stock wurde eine ganz neue Einteilung vorgenommen, hiezu Zwischenwände errichtet, die Küche mit einer Speisekammer versehen, mehrere Zimmer mit Oefen versehen, neue Fenster und Läden angebracht und das Holzwerk mit Oelfarbe angestrichen. Im oberen Stockwerk wurde beinahe eben das Nämliche unternommen und das gar zu enge Kamin durch alle Stockwerke hinauf erweitert. 5) Der feuchte Keller wurde durch Anbringen von Dohlen trocken gemacht. Unzähliges Ausbessern schadhafter Teile sei hier nur obenhin berührt. (…) 6) Für die Kapelle wurde eine neue Glocke angeschafft (wahrscheinlich für interne Zwecke, d. Red.); in der Kapelle wurde der Choraltar neu gefasst, zwei Seitenaltärchen mit hohen Tischen aufgestellt, mit zwei kolossalen Statuen, Christus am Oelberg, die Kreuzigung; die Kapelle durch Treppenanlegung und mit einem neuen Eingang ausgerüstet.“ 13

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