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Auf Kurs 02/2017

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BBW IM ÜBERBLICK Junge

BBW IM ÜBERBLICK Junge Flüchtlinge in der Josef-Wilhelm-Schule Ravensburg Erst Deutsch lernen, dann in die Ausbildung In der Ravensburger Josef-Wilhelm- Schule (JWS) werden junge Flüchtlinge in speziellen Berufsvorbereitungsklassen unterrichtet. Im Zuge dieses VABO (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen) lernen die Schüler in erster Linie die neue Sprache, werden aber auch fit gemacht für die Arbeitswelt. Mit Erfolg: So hat eine Reihe junger Flüchtlinge bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche. Deutschstunde in der VABO-Klasse von Lehrer Olaf Mahnke. Auf dem Stundenplan steht heute der Konjunktiv II. Und irgendwie passt das auch ganz gut zu der Situation der jungen Flüchtlinge. Mit „Ich würde gerne…“ beginnen einige der Beispielsätze an der Tafel. Man könnte sie im Sinne der Migranten ergänzen mit: „… hier bleiben dürfen“ oder „…eine Ausbildung machen“. Letzteres ist für viele Schüler des aktuellen VABO-Jahrganges tatsächlich in greifbare Nähe gerückt. Denn sie haben für den kommenden Herbst eine Lehrstelle auf dem ersten Arbeitsmarkt in Aussicht. Sechs Flüchtlingsklassen Schon seit dem Schuljahr 2015/16 werden junge Flüchtlinge in der JWS unterrichtet. Inzwischen sind es sechs VABO-Klassen. Das Deutschlernen steht dabei klar im Vordergrund. Die Schüler sollen sich so schnell wie möglich die neue Sprache aneignen, um dann den nächsten Schritt zu machen: den Übergang in ein „normales“ Berufsvorbereitungsjahr, den Besuch einer weiterführenden Schule oder sogar gleich den Start in eine Berufsausbildung. Die Voraussetzung der vor Terror, Krieg und Armut geflohenen Jugendlichen aus Afghanistan, Irak, Iran, Gambia, Nigeria, Eritrea oder Syrien sind völlig unterschiedlich. „Die Spannbreite reicht vom Analphabeten bis zum Studenten“, so Mahnke. „Wir versuchen, möglichst leistungshomogene Klassen zu bilden.“ In seiner drücken zum Beispiel jene die Schulbank, die von der Leistungsfähigkeit her am Weitesten sind. Einer davon: ein 16-Jähriger aus Afghanistan. Erst seit gut einem Jahr ist er in Deutschland, seine Sprachkenntnisse sind erstaunlich: „Das ist schon ein kleines Wun- Unsichere Zukunft – und doch gute Perspektiven auf dem Ausbildungsmarkt: die VABO-Schüler von Olaf Mahnke in der Josef-Wilhelm-Schule. Foto: Klaus der“, lobt sein Lehrer und traut dem Jugendlichen das Abitur zu. Dessen eigene Ziele? „Ich möchte studieren, Ingenieur werden.“ So einen Schüler habe er noch nie erlebt, sagt Mahnke. Doch auch vor den Leistungen der anderen hat er allergrößten Respekt. Hoffen auf das Bleiberecht „Viele kamen ohne Eltern nach Deutschland, nicht wenige sind von den Erfahrungen im Heimatland oder der Flucht traumatisiert.“ So leiden einige an Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Und über allem schwebt die Frage: Wie geht es für mich weiter? „Ich weiß es nicht“, gesteht der 18-jährige Mustafa, Asylbewerber aus Afghanistan. Er hat fleißig Deutsch gelernt, sich gut integriert, dann kam der Ablehnungsbescheid. Ein Schock. Seine Gastfamilie hat einen Anwalt eingeschaltet. Er hofft, dass er zumindest noch seine Ausbildung in Deutschland machen darf. Die Lehrstelle in einer Bäckerei hat er quasi schon in der Tasche, und eigentlich schützt das vor einer Abschiebung. Solche Schicksale bekommt Olaf Mahnke hautnah mit. Er weiß von den Problemen, die auf den jungen Schultern seiner Schüler lasten. Umso mehr freut er sich, wenn seine Arbeit Früchte trägt: „Es ist schön zu sehen: Das wird was, sie haben eine Perspektive.“ Und die haben fast alle seiner Schüler. Ein junger Afrikaner peilt zum Beispiel eine Ausbildung als Elektriker an. Ein weiterer beginnt eine Lehre zum Lackierer. Und Amir Khan aus Afghanistan winkt eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. Doch auch bei ihm ist das Bleiberecht noch nicht geklärt. Auch er setzt seine Hoffnungen auf die Lehre. Sein Praktikum-Betrieb wäre jedenfalls dazu bereit. Auch wieder so ein Satz im Konjunktiv. Christof Klaus 18 | Auf Kurs 2-2017

SCHILLERSTRASSE 15 ULM … Guck mal! Tag der offenen Tür in der „Schillerstraße 15“ in Ulm: Zahlreiche Besucher kamen in das Haus für Bildung, Rehabilitation und Teilhabe, um sich über mehrere Bildungs- und Sozialeinrichtungen der Stiftung Liebenau zu informieren und um das Motto der Veranstaltung zu beherzigen: „Kommen, Sehen, Mitmachen, Genießen!“ So werden Brezeln gemacht: Ausbildung live erleben konnten die Besucher des Tages der offenen Tür in der Backstube des Regionalen Ausbildungszentrums (RAZ). Zahlreiche Mitmachaktionen luden ein zum Kreativsein: Auch RAZ-Einrichtungsleiterin Birgit Simon griff zum Pinsel. Den Azubis über die Schultern geschaut: Für die Besucher gab es hautnahe Einblicke in die Ausbildungsberufe. Hier geht‘s lang: In der „Schillerstraße 15“ werden junge Menschen mit Förderbedarf fit gemacht fürs Arbeitsleben. Kunst aus der „Schillerstraße 15“: Feierliche Eröffnung der „Galerie Max“ in den Fluren der Max-Gutknecht-Schule (MGS). MGS-Schulleiter Roland Groner freute sich mit den Schülern über das Interesse der Besucher. Fotos: Michel Auf Kurs 2-2017 | 19

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