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Auf Kurs 01/2020

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Durch die Corona-Krise

Durch die Corona-Krise Kreativ in der Krise Die Corona-Pandemie stellte den Alltag der BBW-Azubis auf den Kopf, ließ ihnen aber auch Zeit für Kreativität. Johanna Friesen zum Beispiel malte in der Heimlernphase, die sie bei ihrer Familie in Schwäbisch Gmünd verbrachte, ein Bild. „In einem Elternbrief habe ich dazu aufgerufen, die besondere Situation doch auch mal für etwas Kreatives zu nutzen, vielleicht ein Bild zu malen“, berichtet Oliver Schweizer, Leiter der Abteilung Bildungsbegleitung im BBW. Die angehende Verkäuferin Johanna Friesen fand die Idee toll und griff zum Pinsel. „Bäume im Herbst spiegeln sich im Wasser“, nannte die 24-Jährige ihr Acrylbild aus der Heimlernphase. Anregungen für die Maltechnik habe sie sich in verschiedenen Internetvideos geholt. Bei der Rückkehr ins BBW brachte sie das Werk schließlich mit – zur Freude ihrer Ausbilder und der Geschäftsführung. So wurde die Hobbykünstlerin mit einem Einkaufsgutschein geehrt, und ihr Bild hängt nun als Leihgabe im BBW. (ck) Franzi, 19 Jahre, Risikogruppe Während die allermeisten Azubis ab Mai wieder ins BBW zurückkehren konnten, ging für Franzi das Heimlernen weiter. Aufgrund mehrerer Grunderkrankungen wäre die 19-Jährige besonders schwer, möglicherweise lebensgefährdend, von einer Covid- 19-Infektion betroffen. Deshalb blieb sie zuhause – und das ausgerechnet mitten in ihrem dritten und letzten Ausbildungsjahr zur Fachpraktikerin Hauswirtschaft, nur wenige Wochen vor den Abschlussprüfungen. Um Franzi trotzdem auch in praktischer Hinsicht bestmöglich darauf vorzubereiten, kümmerte sich das BBW intensiv um sie und andere besonders gefährdete Azubis. Ob Backen, Kochen, Rühren, Schneiden, Knöpfe annähen, Oberflächen reinigen, Wäsche sortieren oder Tische decken: Das ganze große Einmaleins der Hauswirtschaft übte Franzi zwar daheim – aber trotz Entfernung unter den aufmerksamen Augen ihrer Ausbilderin Ilona Abler (siehe Bild). Mit dieser war die Schülerin an drei Tagen in der Woche in Bild und Ton über das Internet verbunden. „Wir waren dann immer zwischen zwei und drei Stunden zusammen bei der Arbeit“, erzählt Abler. „Während Franzi die Aufgaben erledigte, legte sie in der Regel ihr Smartphone auf die Dunstabzugshaube. Ich konnte dadurch ihren Arbeitsplatz sehen und sie so begleiten.“ Das Ziel: sich nicht mit dem Coronavirus anzustecken und gleichzeitig die Weichen für die berufliche Zukunft zu stellen. Das hat Franzi getan, denn am Ende gehörte auch sie zum erfolgreichen Absolventenjahrgang 2020. (ck) 14 1|2020

Durch die Corona-Krise Die Heimlernphase und ich! So war das Lernen zuhause: der Erlebnisbericht einer Auszubildenden Wie haben die jungen Menschen aus dem BBW die pandemiebedingte Heimlernphase erlebt? Was fiel ihnen während dieser Zeit besonders schwer, und was lief gut? Die Auszubildende Jacqueline Bay hat ihre Gedanken zum „Lockdown“ aufgeschrieben und schildert einen typischen Lerntag zuhause: Mein Wecker klingelt um 6:45 Uhr. Dann stehe ich auf, starte schon mal den Laptop und gehe mich richten. Wenn ich aus dem Bad komme, setze ich mich an den Laptop und schreibe die Mail, dass ich für den Tag startklar bin. Meistens fällt das Frühstück aus, oder mein Freund bringt Essen an den gemeinsamen Schreibtisch, und wir vespern nebenher. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass mir das Arbeiten daheim liegt. Ich habe keinen Stress mehr mit dem Busfahren, zudem kann ich an meinem eigenen Schreibtisch arbeiten und fühle mich zuhause einfach wohler als unter vielen Menschen. Aufgaben kommen online Wenn ich dann morgens die Mail geschrieben habe und noch keine Aufgaben online sind, schreibe ich an Berichtsheften und gehe die Lernplattform „Ilias“ durch. Wenn ich eine Aufgabe habe, starte ich mit dieser. Ab und zu werde ich von den Katern Max oder Moritz besucht. Max macht sich besonders gerne auch auf der Arbeitsfläche breit und schaut mir dann beim Arbeiten zu. Bin ich mit meinen Aufgaben fertig, schaue ich in „Ilias“ durch, was sonst noch so anfällt und lade meine Aufgaben hoch. Manchmal schreibe ich auch nebenher mit Kollegen und bespreche mich kurz oder stelle eine Frage. Eigentlich ist das Jacqueline Bays Heimlernarbeitsplatz: Die täglichen Aufgaben kamen über eine digitale Lernplattform – und ab und zu gab es auch einen tierischer Besuch. ganz schön entspannt, denn ich arbeite meistens mit offenem Fenster und Musik – es sei denn, die Baustelle draußen wird zu laut, dann geht das Fenster zu. Die Wege in die Pause und zum kurz Ausspannen sind kürzer, allerdings merke auch ich manchmal, dass ich mehr auf die Zeit achten sollte. Wenn ich nämlich mit Aufgaben nicht fertig bin, kann es sein, auch wenn wir dafür länger Zeit haben, dass ich unbedingt was fertig bekommen möchte. Hierbei bremst mich manchmal aber dann mein Freund aus und meint, ich soll mal runterfahren, besonders wenn ich mich abends dann nochmal dran setzen möchte. Anfangs war das schlimmer, da war ich dauerhaft in „Ilias“, auch eigentlich nach Feierabend, da ich nichts verpassen wollte. Den richtigen Rhythmus gefunden Jetzt habe ich mir einen Rhythmus angeeignet, der nach Einteilung läuft. Zum Beispiel bei den Berichten bin ich hingegangen und habe eine Tabelle mit Themen erstellt und wollte jeden Tag mindestens drei bis vier geschrieben haben, so gingen nie unter zwei raus, aber wurden es mal nur drei, war es auch nicht schlimm. In manchen Bereichen hatte ich teilweise Schwierigkeiten aufgrund von dem langen Ausfall wegen meiner Gesundheit. Komme ich allerdings mal nicht weiter, so frage ich entweder meine Kollegen oder Google und versuche, das Problem somit zu lösen. Ich denke, jetzt nach der fast schon fünften Woche am Heimlernarbeitsplatz ist das Arbeiten von zuhause aus schon viel einfacher geworden. 1|2020 15

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