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Auf Kurs 01/2020

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150 Jahre Stiftung

150 Jahre Stiftung Liebenau im BBW haben seitdem auch ein kleines Afrika-Projekt am Laufen und unterstützen vor Ort mehrere Einrichtungen der beruflichen Bildung. Daraus entstand auch bereits ein Schüleraustausch mit einer Partnerschule in Uganda. Zurück nach Deutschland, zurück nach Ravensburg. Auf diesen Standort fiel vor mehr als 40 Jahren die Entscheidung, ein Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau zu bauen. Eine gute Wahl? Und wie ging es dann weiter? Lüdtke: Das BBW seinerzeit hier in verkehrsgünstiger Lage in Ravensburg zu bauen und nicht irgendwo auf der grünen Wiese, war im Nachhinein auf jeden Fall eine richtige Entscheidung. Und hier fühlen wir uns auch heute noch wohl. Meilensteine in der Geschichte des BBW waren dann zum Beispiel der Bau des Schreinerzentrums, die Weiterentwicklungen im Wohnbereich und der Fachdienste, auch die Standorteröffnung in Ulm und natürlich die enorme Ausweitung des Bildungsangebotes. Ausgehend von Berufen, die in der Stiftung Liebenau schon präsent waren, erweiterte das BBW nach seiner Gründung sukzessive das Ausbildungsspektrum, das heute mehr als 50 Berufe umfasst – und immer dynamisch bleibt. Braun: Nach wie vor ist es unsere Kernaufgabe, den Azubis die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Dementsprechend passen wir unser Ausbildungsangebot immer an die sich stets verändernden Anforderungen der Arbeitswelt an. Während zum Beispiel die Berufsfelder IT oder Lagerlogistik aktuell boomen, wurden andere nicht mehr nachgefragte Berufe im Laufe der Zeit aufgegeben. Mit Blick in die Zukunft: Was sind die großen Themen der kommenden Jahre? Lüdtke: Die Digitalisierung ist natürlich ein hochspannendes Thema. Wir erleben vor diesem Hintergrund einen epochalen Wandel als Gesamtgesellschaft, und natürlich hat das auch Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Und das bedeutet eben auch für Sozial- und Bildungsunternehmen, sich entsprechend aufzustellen. Braun: In der Ausbildung arbeiten wir ja schon länger mit digitalen Lernplattformen. Dies wurde in der Corona-Krise mit den Heimlernphasen natürlich intensiviert. Das liegt aber nicht allen Jugendlichen. Jemand, der Zimmerer lernt oder Maurer, der wird das in der Regel nicht, weil er da digital arbeiten will. Da stecken ganz andere Bedürfnisse dahinter. Der Grad der Digitalisierung bleibt also abhängig von den einzelnen Berufsfeldern und Teilnehmenden. Wie digital war denn bei den BBW-Jugendlichen das Lernen zuhause? Lüdtke: Wir haben nachgefragt, wie es unseren Teilnehmenden in der Heimlernphase ergangen ist. Immerhin die Hälfte ist mit dem Digitalen gut zurechtgekommen, fast genauso viele haben die Lernunterlagen aber analog per Post zugeschickt bekommen – und einen kleinen Teil hat man kaum erreicht. Die richtige Lösung fürs Heimlernen zu finden ist das eine, gerade zum Beispiel bei Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten spielen aber persönliche Beziehungen eine sehr bedeutende Rolle. Und die sind zuvor schon offenbar gut gewachsen, denn wir haben während der Corona-Krise kaum pandemiebedingte Abbrüche verzeichnet. Braun: Gerade unsere „Neuen“ brauchen Zeit, um hier erst einmal anzukommen und diese Bindung aufzubauen, bevor es überhaupt um die Vermittlung von Fachlichkeit gehen kann. Wichtig ist aber, die Voraussetzungen für digitales Lernen zu schaffen. Und da tut sich politisch was. So sorgt jetzt zum Beispiel der „DigitalPakt Schule“ dafür, dass unsere Klassenzimmer in der Hinsicht besser ausgestattet werden. Insgesamt hat die Digitalisierung durch Corona schon noch einmal einen starken Schub bekommen – auch was unseren eigenen Arbeitsalltag angeht. Die Krise wird die Arbeitswelt generell nachhaltig verändern. Dienstreisen werden stärker hinterfragt werden. Videokonferenzen, Homeoffice oder mobiles Arbeiten werden eine stärkere Rolle spielen. Sonstige Herausforderungen? Braun: Ein wichtiges Thema ist die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung – und wie wir als BBW und als Stiftung Liebenau damit umgehen. Einerseits ist man gefordert, Position zu beziehen, für was man steht. Andererseits muss man trotzdem darauf achten, Menschen nicht zu verlieren. Haltung zu zeigen und gleichzeitig dem anderen, der diese Position nicht hat, eine Brücke zu lassen – das ist gar nicht so einfach und für ein Sozialunternehmen sehr anspruchsvoll. Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wie war eigentlich Ihr erster Tag in der Stiftung Liebenau? Lüdtke: Ich erinnere mich gar nicht mehr so genau. Ich weiß zwar, dass es der 6. Oktober 2004 war. Aber ich kann heute nicht mehr sagen, was an dem Tag genau geschah. Zunächst galt es jedenfalls, die Stiftung in ihrer Größe zu verstehen und auch das System Berufsbildungswerk zu durchdringen. Eine gewisse Ehrfurcht vor der Arbeit war da – und ich empfand es als tolle Aufgabe, etwas für junge Menschen am Übergang von Schule und Beruf zu machen. Und dann kam ja auch schon bald die bereits erwähnte Belegungskrise von 2005, die wir bewältigen mussten. Braun: Bei mir war es im November 2003. Ich fing damals als Vorstandsassistent bei Dr. Berthold Broll an. Gleich am ersten oder zweiten Arbeitstag fand eine Versammlung der damaligen St. Gallus-Hilfe statt, bei der ich das Protokoll führen musste. Das war eine meiner ersten Aufgaben. Und die war sehr herausfordernd aufgrund der vielen Maßnahmenbezeichnungen und -abkürzungen. Da schrieb ich einiges mit, das ich noch nicht verstand… (ck) 10 1|2020

150 Jahre Stiftung Liebenau Guck mal… ins BBW-Fotoalbum! ab 1992 q Im September 1980 ziehen die ersten Gewerke – Metall, Holz und Farbe – auf der Baustelle in der Ravensburger Schwanenstraße 92 ein. Im Spätsommer des Jahres 1981 wird mit der Eröffnung der Sonderberufsschule dann der volle Ausbildungsbetrieb aufgenommen. Am 30. April 1982 wird das Berufsbildungswerk Adolf Aich schließlich offiziell eingeweiht. 1980-1982 p Erweiterung des BBW: Unter anderem kommen eine Produktionsküche und das Ausbildungsrestaurant hinzu. 2010 1998-2001 t Am Standort Ulm wird 1998 das Regionale Ausbildungszentrum (RAZ) eingerichtet, und am BBW-Hauptsitz in Ravensburg nimmt drei Jahre später das neue Schreinerzentrum (Foto) seinen Betrieb auf. p RAZ Ulm und Max-Gutknecht-Schule ziehen in die „Schillerstraße 15“ um, das neue „Haus für Bildung, Rehabilitation und Teilhabe“ in der Münsterstadt. 2020 u Während der sogenannten Flüchtlingskrise übernimmt das BBW Verantwortung und richtet in Ravensburg und Ulm unter anderem mehrere Klassen für das Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (VABO) ein. 2015 p Ausbildungsstart inmitten der Corona- Krise: Im Spätsommer begrüßt das BBW an seinen Standorten Ravensburg und Ulm insgesamt rund 250 neue Teilnehmende in Berufsvorbereitung und Ausbildung. 1|2020 11

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