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Auf Kurs 01/2019

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Impuls Über das Schöne

Impuls Über das Schöne von Prälat Michael H. F. Brock Ich habe Worte gefunden, die mich tief bewegt haben. Die Worte stammen von Gabriel Barylli: „Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Schönen.“ Diese Worte standen auf einer Weihnachtskarte. Jetzt liegt die Karte auf meinem Schreibtisch und erinnert mich. Mit was rechne ich jeden Tag. In meinen Begegnungen. Menschen begegnen mir und ich ihnen. So unterschiedlich sind mir meine Begegnungen. Begegnen wir uns einfach in der „Rolle“, die wir haben. Dann begegnet einem Mitarbeiter der Vorstand und umgekehrt. Das löst etwas aus: Abstand, Respekt, Vorsicht. Das geht aber nicht nur mir so. Das geschieht für gewöhnlich in allen Hierarchie-Ebenen. Immer wenn einer mehr Macht hat als ein anderer, oder einfach eine andere Verantwortung, ganz wie wir es sehen wollen. Abstand ist ja auch nichts Schlechtes. Das richtige Maß von Nähe und Distanz ist immer gut. Respekt erbitte ich mir geradezu und hoffe auch, dass ich Menschen mit Respekt begegne. Schließlich ist Vorsicht nie falsch. Doch irgendwie fehlt mir etwas im Aussprechen dieser Worte. Rechne ich bei dem, was immer mir begegnet, eigentlich noch mit dem Schönen? Und ich gehe auf die Suche in meinen Gedanken und in meinem Herzen nach einer Übersetzung. Ich meine so etwas wie Feinheit und Stil. Ist Anmut spürbar in unseren Begegnungen? Ich spüre wie mir diese Suchbewegung beginnt Freude zu machen: Ist Faszination spürbar in unseren Gesprächen? Entfaltungskraft, die nicht sofort auf das Machbare zielt, sondern sich erst einmal auch ausprobieren will? Gibt es noch Spielräume für Natürlichkeit? Sind noch Augenblicke von Entdeckerfreude und Zeitlosigkeit möglich in unserem Handeln? Kann ich Charismen zulassen unter uns und begeistert es mich, wenn ein anderer Ausstrahlung besitzt? Können mich Gedanken noch in den Bann nehmen? Lasse ich mich noch betreffen vom Leid oder Glück eines Menschen? All diese Gedanken kommen in mir vor, wenn ich mir die Frage stelle: Kann ich noch Schönes zulassen, suchen, erleben? Musik hilft mir manchmal. Ein Blick nach draußen in die Natur. Ein kleines Gespräch. Ein Augenblick Schweigen. Und dann lasse ich mich wieder ein auf das, was wir den Alltag nennen. Aufgaben, Anordnungen, Forderungen, Überforderungen. Alltagsgeschehen. Und ich führe mir vor Augen, wie jeder von uns an seinem Ort mit seinen Aufgaben, seiner Lebenssituation seine ureigenen Augenblicke durchlebt. Ich wünsche sie mir von Schönheit getragen. Weil wir das sind. Jeder einzelne von uns so, wie er eben ist, weil er ist. So jedenfalls möchte ich Menschen betrachten und begegnen. Menschen sind nicht einfach Rolle oder Funktion. Nicht einfach Mitarbeiter oder Vorgesetzter, nicht einfach nur Klient, Patient oder Schüler. Wir sind gemeinsam, zusammen und jeder für sich und für andere die Strahlkraft einer Schöpfung, der wir verbunden sind. Es ist dies die Idee einer Welt, die sich faszinieren lässt vom Guten. In dem das Versagen nicht zur Verwerfung wird, sondern zum Anlass einander zu tragen. Und darum schätze ich die Karte auf meinem Schreibtisch. Sie erinnert mich bei aller Alltäglichkeit: Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Schönen. 18 1|2019

Schillerstraße 15 Ulm „Was verdient man als Politiker?“ „Tag der freien Schulen“: Jugendliche treffen Landespolitiker Ein Landespolitiker im Klassenzimmer – so etwas steht nicht oft auf dem Stundenplan: Anlässlich des „Tages der freien Schulen“ hat der Landtagsabgeordnete Martin Rivoir (SPD) die Ulmer Max-Gutknecht-Schule (MGS) besucht. Dort stand er den Jugendlichen geduldig Rede und Antwort. Und diese hatten viele Fragen an den Politprofi, sei es zur Flüchtlingspolitik oder zu anderen aktuellen Themen. Und was verdient man denn eigentlich so als MdL? „Schenken Sie uns eine (Schul-)Stunde Ihrer Zeit“ – mit diesen Worten hatte die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Baden- Württemberg (AGFS) an diesem Aktionstag Politiker aus dem Stuttgarter Landtag zu einem Schulbesuch aufgerufen. Und der Ulmer MdL Martin Rivoir folgte der Einladung der Max- Gutknecht-Schule, in der junge Menschen mit besonderem Teilhabebedarf fit gemacht werden für den Einstieg ins Berufsleben. Gleich mehrere Klassen – von den Teilnehmenden des Vorqualifizierungsjahres Arbeit und Beruf (VAB) bis hin zu den Berufsschülerinnen und -schülern der einzelnen Berufsfelder – erwarteten den Gast schon gespannt. Und sie wurden nicht enttäuscht. Was ein Landespolitiker so alles macht So erfuhren die Jugendlichen aus erster Hand, wie der Alltag eines Politikers und die Arbeit im Parlament aussehen – und über was in Stuttgart überhaupt entschieden wird. Zum Beispiel über Dinge, „die die Polizei betreffen, oder auch Bildungspolitik“, erklärte Rivoir und stellte klar: „Nicht jeder Abgeordnete kennt sich überall gut aus.“ Seine eigenen Schwerpunktthemen seien die Kultur- und die Verkehrspolitik. Dann waren die Jugendlichen an der Reihe. So stellten unter anderem die angehenden Bäckerfachwerker vor, wie es mit Berufsschule, Ausbildung und Praktikum abläuft. Ein Teilnehmer des VAB berichtete von seinem Ziel, in der MGS den Hauptschulabschluss machen zu wollen, und er verriet seine Berufswünsche: Profifußballer oder Polizist. „Beides können wir gebrauchen“, kommentierte Rivoir. wissen. Und wie lange dauert eine Parlamentssitzung im Stuttgarter Landtag eigentlich? Jugendliche fühlen sich ernst genommen Viel länger als nur eine Schulstunde nahmen die Jugendlichen den Politiker letztlich in Beschlag. Schließlich brannte ihnen auch noch eine weitere Frage unter den Nägeln: „Was verdienen Sie?“ Und auch in dem Punkt blieb Rivoir keine Antwort schuldig und gab bereitwillig Auskunft. „Für unsere Schülerinnen und Schüler sind solche Besuche sehr wichtig“, so das Fazit von MGS-Rektor Roland Groner. „Sie tragen dazu bei, dass sich die Jugendlichen ernst genommen fühlen.“ Und Martin Rivoir zeigte sich von der Bedeutung von Einrichtungen wie der Max-Gutknecht-Schule überzeugt. Denn, so sein Lob: „Sie machen hier wirklich eine sehr wertvolle Arbeit.“ (ck) Politik hautnah: Die Jugendlichen der Max-Gutknecht-Schule in Ulm diskutierten lange mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Martin Rivoir. „Haben Sie schon mit der Bundeskanzlerin gesprochen?“ Darüber hinaus hatten die jungen Frauen und Männer aber auch eine Menge Fragen an den Gast aus der Politik. Zum Beispiel warum er sich für die SPD entschieden hat, wie lange er schon Abgeordneter ist, ob man dafür eine bestimmte Ausbildung braucht, warum Frauen weniger verdienen als Männer, oder wann Kosovo EU-Mitglied wird. Ob er schon mal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gesprochen habe, wollten andere 1|2019 19

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