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Auf Kurs 01/2019

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BBW im Überblick

BBW im Überblick Auf Umwegen zum Wunschjob Umschülerin Sandra L. holt mit 31 Jahren ihren Berufsabschluss nach Mit Ende 20 doch noch einmal neu anfangen und die Ausbildung absolvieren, die man ursprünglich schon nach der Schule machen wollte? Sandra L. hat sich dazu aufgerafft und ist mit ihrer Umschulung zur Zerspanungsmechanikerin im Ravensburger Berufsbildungswerk Adolf Aich nun fertig. Traumjob gefunden, Ausbildung erfolgreich absolviert, Job in der Tasche: Für Umschülerin Sandra L. lief es im BBW bestens. Im Prinzp war sie ja schon vor 15 Jahren auf dem richtigen Weg. Nach ihrem Realschulabschluss, der „eigentlich sehr gut“ gewesen sei, begann die damals 16-Jährige eine Ausbildung im Metallbereich. Wo auch sonst, könnte man sagen. Denn auch ihr Vater und Bruder sind gelernte Zerspanungsmechaniker. „Das liegt wohl bei uns in der Familie“, schmunzelt Sandra L. Sie selbst zog ihr Ding allerdings zunächst nicht durch, sondern warf die Lehre wieder hin. Und dann? „Dann habe ich gearbeitet“, erzählt sie von ihren Jobs, denen sie als Ungelernte jahrelang nachging und dort ihr Geld verdiente. Und so verging die Zeit, eine Ausbildung war zunächst kein Thema mehr – bis sie dann doch arbeitslos wurde. Bei der Agentur für Arbeit schlug man ihr eine Umschulung vor. Ein Test, welcher Beruf zu ihr passen könnte, ergab: Zerspanungsmechanikerin. Zurück auf Anfang Also noch einmal zurück auf Anfang, noch einmal die Berufsschulbank drücken mit 29, sich hinsetzen, den etwa von der Mathematik her sehr anspruchsvollen Lernstoff büffeln? Das sei anfangs schon „sehr ungewohnt“ für sie gewesen, gibt Sandra L. zu. „Ich wollte schon hinschmeißen, aber der Ehrgeiz packte mich dann doch.“ Und sie bereut es nicht, sich durchgekämpft zu haben. Vor allem, weil es in der Werkstatt mit der praktischen Arbeit von Anfang an gut lief und das BBW sowieso ideal für sie war: „Hier kümmert man sich um einen, deshalb wollte ich auch hier meine Umschulung machen.“ Und auch fachlich werde sie optimal auf die Berufswelt vorbereitet: „Hier lerne ich die verschiedensten Steuerungen kennen – von ganz alt bis ganz neu.“ Zudem nutzte sie die Möglichkeit, ihren Gabelstaplerschein im BBW zu machen. „Man bekommt hier sehr viel geboten, aber man muss halt wollen.“ Als Frau in Männerdomäne Wie alle Azubis im BBW, wird sie von einem persönlichen Bildungsbegleiter unterstützt, der sie über die gesamte Maßnahmendauer betreut und die Schnittstelle zwischen Kostenträger und Teilnehmer bildet. Mittlerweile sind die Treffen seltener geworden – ein gutes Zeichen: „Denn bei mir läuft ja alles.“ Täglich, wenn sie nicht gerade in der Berufsschule sitzt oder im Praktikum ist, sieht sie dagegen ihren Ausbilder Dietmar König. Der findet nur lobende Worte für seine Umschülerin. Dass diese als Frau in Schule und am Arbeitsplatz immer noch eine Exotin bei den Metallern ist? Für Sandra L. kein Problem. Bei ihrem ersten Anlauf vor 15 Jahren sei das aber noch anders gewesen. „Damals war es noch schwerer, sich durchzuboxen.“ Der Metallbereich sei „nach wie vor eher eine Männerdomäne“, räumt Ausbilder König ein, findet das aber sehr schade. Ein höherer Frauenanteil würde der Branche gut tun. Jobzusage in der Tasche Die Weichen für die Zukunft hat Sandra L. bereits vor Ende ihrer zweieinhalbjährigen Umschulung gestellt: Über Praktika fasste sie Fuß in einem Kisslegger Partnerbetrieb des BBW und bewährte sich dort so gut, dass sie bleiben kann: „Ich werde übernommen“, freut sich die 31-Jährige, die dann auch die letzte Hürde noch meisterte: die Abschlussprüfungen im Februar 2019 samt Sonderpreis – womit ihrem verspäteten Berufseinstieg nichts mehr im Wege steht: „Ich freue mich drauf!“ (ck) 14 1|2019

Einen Augenblick bitte... Manfred Haas Manfred Haas ist 65 Jahre alt und war Mitarbeiter der ersten Stunde im Berufsbildungswerk Adolf Aich in Ravensburg, wo er viele Jahre lang die Abteilung Bildung und Arbeit leitete. Herr Haas, wie lange haben Sie im Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau gearbeitet – und in welcher Funktion? Vom 1. September 1980 bis Ende März 2019. Eingestiegen bin ich im Wohnbereich als stellvertretender Internatsleiter. Nach der Leitung der Fachdienste und des Förderlehrgangs, der heutigen Berufsvorbereitung (BvB), leitete ich zuletzt die Abteilung Bildung und Arbeit. Was fanden Sie interessant an Ihrer Arbeit? Jeder Tag brachte interessante Geschehnisse und Begegnungen. Ich konnte mithelfen, das BBW zu entwickeln, neue Maßnahmen zu generieren und mit einem tollen Team auch für das notwendige Entwicklungstempo zu sorgen. Sie arbeiteten in einem sozialen Unternehmen, das zur Stiftung Liebenau gehört. Warum? Die Arbeit im BBW bot mir die Chance, meine Erstausbildung im Metallbereich optimal mit meinem Studium der Sozialpädagogik zu verbinden. Welche Schlagzeile würden Sie in der BBW-Zeitschrift „Auf Kurs“ gerne lesen? Verbesserung der Personalschlüssel in Ausbildung und Berufsvorbereitung. Das Berufsbildungswerk ist ein Inklusionsschlüssel, weil… ...nur mit unserer Arbeit viele junge Menschen mit Förderbedarf eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Sport, Reisen mit dem Wohnmobil, Lesen, und im Keller wartet die Modelleisenbahn. 1|2019 15

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