Mediathek der Stiftung Liebenau
Aufrufe
vor 3 Jahren

Auf Kurs 01/2018

  • Text
  • Bildung
  • Liebenau
  • Bbw
  • Aufkurs
  • Menschen
  • Ausbildung
  • Berufsbildungswerk
  • Liebenau
  • Ravensburg
  • Stiftung
  • Arbeit

MENSCHEN IM BBW

MENSCHEN IM BBW Auf Umwegen zum Ziel: Wenn die Ausbildungsstelle zum festen Arbeitsplatz wird Seitenwechsel: vom Azubi zum Mitarbeiter Bewährter Arbeitsplatz, neue Rolle: Mehrere junge Fachkräfte haben im BBW in der jüngeren Vergangenheit den Seitenwechsel vollzogen: vom Azubi zum Mitarbeiter. Auf Kurs stellt drei von ihnen vor. Frisch gebackene Fachkraft, Arbeitsvertrag in der Tasche – und dann auch noch Innungsbester: Stefan Baiker hat den Berufseinstieg als Maurer mit Bravour geschafft. Bei der letztjährigen Absolventenfeier heimste der Ex-Azubi nicht nur Zeugnis und Gesellenbrief ein, sondern auch noch einen der Sonderpreise, mit der die Bildungseinrichtung besondere Leistungen würdigt. Doch das war noch nicht alles: Geehrt wurde Baiker auch von der Bauinnung Ravensburg – als Bester seines Fachs in der Region. „Das erfüllt uns mit großem Stolz“, freut sich Manfred Haas, Abteilungsleiter Bildung und Arbeit im BBW. „Hier zeigt es sich, wie wichtig individuelle Förderung für jene Menschen ist, welche nicht den klassisch geraden Weg durchs Leben finden. Sie brauchen diese intensive Betreuung im Rahmen einer realitätsnahen Ausbildung, um ihr Ziel zu erreichen.“ Das BBW als „Sprungbrett“ Nachdem es vorher mit einer Ausbildung nicht so richtig geklappt hatte, war Stefan Baiker vor drei Jahren über eine so genannte „Sprungbrett“-Maßnahme des Jobcenters ins BBW gekommen. Im dortigen Hochbau-Bereich fand er seinen Wunschberuf und ließ sich als Umschüler zum Maurer ausbilden. Wie es ihm im Berufsbildungswerk gefallen hat? „So gut, dass ich gleich hier geblieben bin“, grinst der 29-Jährige, der direkt nach seinem Abschluss die Seiten wechselte, jetzt als angestellter BBW-Mitarbeiter mit auf Baustellen fährt – und dabei nun selbst die Azubis unterstützt. Aus Gambia nach Deutschland Ähnlich lief es auch im Falle der 27-jährigen Ida Jeng, die man im BBW-Restaurant antrifft. Vor zehn Jahren als Waise aus Gambia nach Deutschland gekommen, fühlt sie sich hier längst zuhause. Ihre Pflegemutter betreibt in Ravensburg den Laden „African Queen“, in dem Jengs Bruder kocht. Für Ida Jeng selbst war das BBW der Schlüssel zum Berufseinstieg. Nachdem es mit einer Lehre zur Hotelfachfrau im ersten Anlauf nicht funktioniert hatte, durchlief sie im BBW zunächst ihre Berufsvorbereitung, anschließend machte sie hier die Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe. Nach ihrem Abschluss 2015 bekam sie vom Berufsbildungswerk eine Stelle im Gastronomieteam angeboten – und nahm sie an. Einer ihrer Kollegen stammt ebenfalls aus Gambia und ist seit Herbst 2017 mit dabei: Muhammed Jallow. Er möge den Kontakt mit Menschen, und eigentlich, so der für seine freundliche Art bekannte 24-Jährige, mache ihm alles an seinem Job Spaß. „Ich bin ein Mensch, der jeden Tag etwas Neues lernen will.“ Doch auch für ihn war es zunächst schwierig, beruflich Fuß zu fassen. Letztlich war es ein ganzes Paket an Maßnahmen, das für den jungen Westafrikaner geschnürt wurde, um ihm eine Ausbildung zu ermöglichen. Zuerst fungierte er als Teilnehmer des EU-Programms „Impuls F“ für Flüchtlinge, dann wechselte er in eine „Sprungbrett“-Maßnahme. Besonders für ihn eingesetzt hatte sich seine Fallmanagerin im Ravensburger Jobcenter, Julia Urban. Sie lobt Jallow, der immer voll motiviert gewesen sei auf dem Weg in den Traumjob. „Auch uns war früh klar, dass es für ihn der richtige Beruf ist“, meint Bildungsmanagerin Monika Kordula vom BBW. Hier bekam Jallow während seiner Ausbildung zusätzlichen Stütz- und Förderunterricht, zudem feilte er weiter an seinem Deutsch. Am Ende hinterließ auch er im BBW einen so guten Eindruck, dass er einen Arbeitsvertrag bekam. „Rundum eine erfolgreiche Sache“, zieht Julia Urban ein positives Fazit und verweist auf die gewohnt gute Zusammenarbeit mit dem BBW: „Wir haben die Maßnahmen, die das Know-how.“ Christof Klaus Einst Azubis, jetzt Kollegen im Ravensburger BBW: Maurer Stefan Baiker... ...sowie die Fachkräfte im Gastgewerbe: Ida Jeng... ... und Muhammed Jallow. Fotos: Klaus 8 | Auf Kurs 1-2018

Schreiner-Azubis sammeln berufliche und persönliche Erfahrungen in Norwegen Zum Praktikum nach Skandinavien Norwegen statt Ravensburg, Fjord statt Schussental und Arbeit in der Schreinerei statt in der Ausbildungswerkstatt: Vier Schreiner- Azubis des Berufsbildungswerks Adolf Aich sammelten praktische Erfahrungen für ihr Berufsleben in einem Betrieb in der Nähe von Oslo. Voller Eindrücke und persönlich gereift kamen Marvin Otto, Lukas Motz, Kevin Karr und Marcel Hummel nach drei Wochen zurück. Mehr als 1600 Kilometer hatten die vier Azubis vor sich, als sie zusammen mit ihrem Ausbilder Fabian Rehbein mit dem Kleinbus in Richtung Norwegen starteten. Ihr Ziel war der Ort Ski in der Nähe von Oslo, wo sie für drei Wochen ein Praktikum in der Schreinerwerkstatt von Peter Grüttner machen wollten. Selbst aus Deutschland stammend, arbeitet dieser seit fast zehn Jahren mit dem BBW zusammen und gab schon vielen Azubis in seiner Werkstatt mit 16 Mitarbeitern die Gelegenheit zur Auslandserfahrung. „Die Jungs konnten an einem kompletten Auftrag mit Kleider- und Garderobenschränken von der Planung über die Durchführung bis zum Einbau vor Ort beim Kunden mit dabei sein“, schildert Rehbein. Sie durften alle Maschinen bedienen und mussten sich auch mal selbst durchfragen. „Auch das hat ihr Selbstbewusstsein gestärkt.“ Anerkennung in der Schreinerei Dass sie von Anfang an als gleichwertige Mitarbeiter behandelt wurden, tat den vier Azubis im zweiten Lehrjahr außerdem gut. „Wir haben zwar manchmal schon morgens um sechs Uhr angefangen, aber die Arbeit hat echt Spaß gemacht und wurde anerkannt“, sind sie sich einig. Sprachprobleme gab es nicht, da viele Mitarbeiter von Peter Grüttner selbst aus Deutschland stammen. „Mit den anderen konnten wir uns auf Englisch verständigen“, berichtet Kevin Karr von einem weiteren Lerneffekt. Besonders positiv fiel ihm die Mentalität der Menschen im hohen Norden auf. „Sie sind viel gelassener als hier bei uns.“ „Auch mal alleine klarkommen“ Für den 17-jährigen Lukas Motz war es das erste Mal, dass er ohne seine Eltern so lange weg war. „Am Anfang war ich etwas unsicher, aber ich habe in Norwegen gelernt, auch mal alleine klarzukommen“, erzählt er. Zusammen mit den drei anderen BBW-Azubis und Fabian Rehbein teilte er sich ein Ferienhaus, in dem sie sich selbst versorgten. Am Wochenende ging es raus in die norwegische Landschaft. „Wir haben eine Tour im Gebirge gemacht, waren im Wikingermuseum und bei einer Rallye“, berichtet Marvin Otto. Immer noch beeindruckt sind sie von den tollen Wolkenformationen und den spektakulären Sonnenuntergängen. Besondere Auslandserfahrungen Zurück in Ravensburg sind die vier Jungs mit Recht stolz auf das Geleistete. „Ich würde jedem so ein Auslandspraktikum empfehlen, denn dabei macht man Erfahrungen, die man sonst nicht bekommt“, lautet Marvin Ottos Resümee, und seine drei Kollegen sind ganz seiner Meinung. Finanziell unterstützt wurde ihr Auslandspraktikum durch das EU-Programm „Erasmus +“. Claudia Wörner Praktische Erfahrungen auf dem Weg ins Berufsleben und viele Einblicke in ein anderes Land (von links): Ausbilder Fabian Rehbein war mit den Schreiner-Azubis Kevin Karr, Lukas Motz, Marcel Hummel und Marvin Otto drei Wochen in Norwegen. Foto: privat Auf Kurs 1-2018 | 9

Stiftung Liebenau Österreich