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Auf Kurs 01/2018

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MENSCHEN IM BBW

MENSCHEN IM BBW Maßnahmen wie „PerjuF“ und „Gipfelstürmer“ fördern berufliche Integration Perspektiven schaffen für Geflüchtete Integrationshemmnisse bekämpfen, Sprachbarrieren abbauen, Talente entdecken und Chancen eröffnen: Bei verschiedenen Maßnahmen werden junge Geflüchtete im BBW in Ravensburg auf ihrem Weg ins Arbeitsleben in Theorie und Praxis unterstützt. „Da komme ich her“: Fodayba Fofana, Flüchtling aus Gambia und „PerjuF“-Teilnehmer, weiß aber auch genau, wo er hinwill: in eine Ausbildung. Fotos: Klaus Konzentriert sitzen die jungen Erwachsenen an ihren Arbeitstischen im Berufsbildungswerk und üben den Umgang mit dem Malerpinsel. Mit solchen praktischen Aufgaben werden sie an das Berufsfeld Farbe herangeführt. An der Stellwand hinter ihnen geben angeheftete Karten und Länderflaggen Auskunft über ihre Herkunft: Afghanistan, Irak, Gambia, Somalia… Elf junge Geflüchtete absolvieren derzeit die sechsmonatige Maßnahme „PerjuF“. Das Kürzel steht für „Perspektiven für junge Flüchtlinge“. Und der Name ist hier Programm: PerjuF soll den Teilnehmenden eine Orientierung im deutschen Ausbildungs- und Beschäftigungssystem geben und sie an eine Lehre heranführen. Im Herbst 2017 startete dieses Projekt, das das BBW gemeinsam mit Arkade-Pauline 13 und im Auftrag des Kostenträgers, der Agentur für Arbeit, anbietet. Theorie, Training und viel Praxis Beim Kooperationspartner stehen an zwei Tagen pro Woche unter anderem Sozialkompetenztraining, Deutsch als Fremdsprache sowie Einzelgespräche und Bewerbertraining auf dem Stundenplan. An den drei anderen Wochentagen sind die PerjuF-Teilnehmer im BBW. Dort lernen sie nach einer Einstiegsphase, in der der individuelle Stand in Sachen Sprache und Integration festgestellt wird, die verschiedensten Berufsfelder kennen: Holz, Metall, Hauswirtschaft – oder eben Farbe. In Phase drei sollen die Teilnehmer dann ihre erworbenen Kenntnisse bei Praktika in Betrieben erproben. Knackpunkt Sprache Oft noch der Knackpunkt in der beruflichen Integration: die Sprache. Insbesondere daran arbeiten die PerjuF- Teilnehmer bei der Arkade-Pauline 13, wie deren Sozialarbeiterin Laura Schiebel erklärt: „Bei uns erhalten sie einen speziellen Deutsch-Unterricht mit Bezug auf die Arbeitswelt.“ Manche Teilnehmer – so ergänzt ihr Projektkollege auf BBW-Seite, Jürgen Frick – belegen sogar nebenher noch einen weiteren Sprachkurs. Daran sehe man: „Die wollen!“ Die Motivation der Geflüchteten sei hoch, so Frick. Aber: „Bei manchen klappt es noch nicht so ganz mit der Pünktlichkeit.“ Bei Fodayba Fofana schon – obwohl er die weiteste Anreise der PerjuF-Teilnehmer hat und täglich mehr als 20 Kilometer mit dem Bus nach Ravensburg pendeln muss. Seit rund zweieinhalb Jahren ist der Gambier in Deutschland. Seine Flucht, zu der er ganz alleine aufbrach, führte den heute 21-Jährigen erst nach Libyen, dann übers Mittelmeer nach Italien und schließlich nach Deutschland. Über die Zwischenstation Heidelberg landete er in Wilhelmsdorf. Dort arbeitete er in einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) mit Menschen mit Behinderung. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Eine entsprechende Ausbildung konnte er jedoch wegen seines fehlenden Schulabschlusses nicht machen. Jetzt orientiert sich der Asylbewerber, über dessen Antrag noch nicht entschieden wurde, im Rahmen von PerjuF um. Ein Job im Bereich Farbe wäre für Fofana eine mögliche Alternative. Deshalb findet er es „gut, hier viele Berufe kennenzulernen“. Der ganze Kurs gefalle ihm sehr. Sein persönliches Ziel für 2018? „Praktikum und Ausbildung.“ Chance für „Gipfelstürmer“ Auch bei „Gipfelstürmer“, eine elfmonatige Maßnahme des BBW in Koope- 6 | Auf Kurs 1-2018

Vorgeschmack auf seine berufliche Zukunft? Der Syrer Ahmad Hamza erprobt als „Gipfelstürmer“-Teilnehmer im BBW das Arbeitsfeld Kfz. ration mit dem Jobcenter des Landratsamtes Ravensburg, geht es um eine Verbesserung der beruflichen Startposition. Zielgruppe sind Menschen ohne offiziellen Reha-Status, die aber Gefahr laufen, durchs Raster zu fallen. Sprich: Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende, Personen mit einer psychischen Belastung, Langzeitarbeitslose und junge Menschen ohne aktuelle berufliche Perspektive. Um ihnen eine solche zu ermöglichen, wird sehr individuell mit den „Gipfelstürmern“ gearbeitet: Sprachtraining, Mathe- Unterricht zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss und berufliche Orientierung in Theorie und Praxis. Zu den zehn Teilnehmern im Alter von 18 bis 35 Jahren gehört Ahmad Hamza. Er schraubt gerade in der Kfz- Ausbildungswerkstatt des BBW. Der Job gefällt ihm: „Ich mache gerne etwas mit Autos.“ Daheim in Syrien arbeitete er als Konditor, ehe er mit seiner ganzen Familie vor dem Krieg flüchtete. Eine Ausbildung im Kfz-Bereich, das wäre jetzt sein Wunsch. „Vom Fachlichen her auf jeden Fall“ traut ihm das seine Bildungsbegleiterin im BBW, Conny Auer, zu. Doch mit der Sprache ist er noch nicht ganz so weit. Kein Wunder, ist Hamza doch erst seit anderthalb Jahren hier. „Man muss den Geflüchteten Zeit geben“, betont Auer. Bewährt habe es sich, die verschiedenen Nationalitäten auf die Werkstätten zu verteilen. So werde die sprachliche Integration gefördert: „Dann kommt das von alleine.“ Christof Klaus uu Augustine Omoruyi: in Rekordtempo Deutsch gelernt Besondere Auszeichnung für Augustine Omoruyi: Der aus Nigeria stammende Absolvent des Vorqualifizierungsjahres Arbeit und Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (VABO) an der Josef-Wilhelm- Schule des BBW hat den Scheffel-Förderpreis der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe bekommen. Damit hatte der 19-Jährige im Sommer 2017 gleich dreifach Grund zum Feiern: das VABO-Ziel mit der bestandenen Sprachstanderhebung der Stufe B1 mehr als erreicht, die Scheffel-Urkunde eingeheimst und dann auch noch das Hauptschul-Zeugnis in der Tasche. Das Besondere dabei: die mündliche Hauptschul-Prüfung im Fach Deutsch meisterte er mit der Note 2,0. Dabei musste Omoruyi die fremde Sprache von Grund auf erlernen. Ohne ein Wort Deutsch war der Teenager anderthalb Jahre zuvor in die Bundesrepublik gekommen. Mit der Ankunft in Oberschwaben endete für den gebürtigen Nigerianer eine fast zweijährige Flucht. In einer Wohngemeinschaft in Weingarten fand er ein neues Zuhause, in der Josef-Wilhelm- Schule besuchte er das VABO. Dort eignete er sich nicht nur im Rekordtempo deutsche Vokabeln sowie Grammatik an und bestand zusammen mit 17 weiteren Mitschülern die B1-Sprachprüfung, sondern büffelte auch – mit Unterstützung seiner Lehrer – erfolgreich für den Hauptschulabschluss. Darüber hin- Freuen sich über die Auszeichnung: der mit dem Scheffel-Förderpreis geehrte Augustine Omoruyi (links) und sein VABO-Lehrer Olaf Mahnke. Foto: Klaus aus engagierte er sich für seine Klassenkameraden und half ihnen im Unterricht. Das alles zusammen mache ihn zu einem würdigen Preisträger, findet sein Lehrer Olaf Mahnke und lobt den Integrationswillen des 19-Jährigen. Omoruyis Zukunftspläne? „Ich möchte eine Ausbildung zum Elektriker machen.“ Gesagt, getan. Denn eine entsprechende Lehrstelle hat er auch prompt bekommen, derzeit besucht er eine einjährige Berufsfachschule. Auf Kurs 1-2018 | 7

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