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Auf Kurs 01/2018

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MENSCHEN IM BBW Projekt

MENSCHEN IM BBW Projekt gegen Fachkräftemangel: Altenpflegehilfe-Ausbildung in der Josef-Wilhelm-Schule Pflegenachwuchs aus Südeuropa Anfang November 2017 ist die erste Gruppe in Deutschland und im Berufsbildungswerk Adolf Aich angekommen, Mitte Januar 2018 die zweite. Insgesamt sind es neun Frauen und drei Männer von 18 bis 44 Jahren aus Italien, Griechenland, Rumänien und Georgien, die nun als Praktikanten in einer Altenhilfe-Einrichtung der Stiftung Liebenau arbeiten, parallel einen Deutschkurs besuchen und auf ihre Ausbildung vorbereitet werden. Diese beginnt nächsten Herbst und führt über den Altenpflegehelfer zum Altenpfleger. Alle zwölf künftigen Auszubildenden waren, gefördert durch das EU-Mobilitätsprogramm „Your first EURES job“, bereits im August und Oktober 2017 zum persönlichen Vorstellungsgespräch nach Ravensburg gekommen. „Trotz Vorauswahl und Informa- Aus Palermo nach Ravensburg Allessandra Pastore kommt aus Palermo von der Nordküste Siziliens. Dort leben ihre Mutter und ihr Bruder mit seiner Familie. Sie selbst hat Psychologie studiert und in verschiedenen Projekten mit älteren Menschen und Kindern gearbeitet, auch zwei Jahre in Großbritannien. „Das Geld stand für mich dabei nie im Mittelpunkt“, erklärt die quirlige 40-Jährige auf Englisch. „Doch wenn die Projekte endeten, war ich wieder auf der Suche nach Arbeit und Heimat.“ Die Ausbildung zur Altenpflegehelferin in der Josef-Wilhelm-Schule des Berufsbildungswerks sei hingegen eine sichere Perspektive. „Ich möchte im sozialen Bereich arbeiten. Hier in Deutschland kann ich ältere Menschen unterstützen und Deutsch lernen.“ Deshalb habe sie sich im Rahmen des Programms auch verpflichtet, drei Jahre für die Stiftung Liebenau tätig zu sein. Von ihrer Unterkunft in Hegenberg bei Liebenau ist die angehende Altenpflegehelferin begeistert. „Die Wohnung ist schön, und wir treffen viele Deutsche“, sagt sie. Und wie gefällt Allessandra Pastore Deutschland bisher? „Gut. Ich mag die deutsche Sprache“, sagt sie voller Freude – jetzt auf Deutsch. „Ich mag das Essen, die Würste und Lyoner. Und ich mag Ravensburg.“ 10 | Auf Kurs 1-2018

tion via Skype ist der Schritt, für ein Vorstellungsgespräch in ein anderes Land zu reisen, gewaltig und erfordert viel Mut und Offenheit für Neues“, berichtet Jonas Kimmig, der als Projektmanager von Seiten des Berufsbildungswerks im Projekt engagiert ist. Als Altenpfleger sollte man außerdem Allessandra Pastore (links) in einem Klassenzimmer der Josef-Wilhelm-Schule, wo sie im kommenden Herbst ihre Ausbildung zur Altenpflegehelferin beginnt und jetzt schon fachliche Unterstützung neben ihrem Praktikum bekommt. Jonas Kimmig (rechts) unterstützt und begleitet sie und alle angekommenen Südeuropäer auf dem Weg in den Beruf. Foto: Benicke Freude am Umgang mit Menschen haben, geduldig und einfühlsam handeln und gerne praktisch arbeiten, außerdem seelisch stabil und belastbar sein. Nicht jeder konnte diese Fähigkeiten überzeugend vermitteln. Erster Schritt: Deutsch lernen „Schließlich haben wir zwölf Teilnehmer für das Programm und das Leben in Deutschland gewinnen können“, freut sich Jonas Kimmig. Noch im Heimatland haben sie zwei Monate im virtuellen Klassenzimmer online Deutsch gelernt. Der vom Sprachinstitut dialoge durchgeführte Kurs setzt sich nun „offline“ in der Sonderberufsfachschule für Altenpflegehilfe der Josef-Wilhelm-Schule fort. Die Südeuropäer sind außerdem vier Tage pro Woche als Praktikanten in einer Altenpflege-Einrichtung der Stiftung Liebenau beschäftigt. „Bei Fragen finden sie in Carola Merk, der Leiterin des Bereichs Altenpflege an der Josef- Wilhelm-Schule, nicht nur eine fachlich kompetente, sondern auch sehr engagierte Ansprechpartnerin“, bemerkt der Projektmanager. Die um ein Jahr auf zwei Jahre verlängerte Ausbildung zum Altenpflegehelfer am Berufsbildungswerk ermöglicht den Südeuropäern, neben der Heranführung an das Berufsbild und den Spracherwerb, auch eine sozialpädagogisch unterstützte Integration sowie Fach- und Förderunterricht. „Denn nur wer privat in Deutschland ankommt, bleibt auch in schwierigen Zeiten“, so Kimmig. Elke Benicke Einen Augenblick bitte… Jonas Kimmig, 32 Jahre Seit wann sind Sie im BBW, und was machen Sie dort? Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Ich bin seit Juli 2016 im BBW und bin im Bereich der Projektarbeit tätig. Meine Schwerpunkte bilden die Arbeit mit mir die Freude am Lesen bewahrt. Aus meinem Studium habe ich und für Geflüchtete, zusätzlich betreue ich ein Projekt zur Sonst halte mich viel in der Natur auf und reise gerne. Fachkräftegewinnung für die Altenhilfe mit Auszubildenden aus dem EU-Ausland. Welche Musik hören Sie gerne? Viel Rock, insbesondere aus den 70ern, und seit einigen Was bereitet Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders Freude? Jahren entdecke ich meine Freude am Jazz. Zu sehen, wie sich Menschen weiterentwickeln – persönlich wie fachlich. Wenn Fähigkeiten wachsen, eröffnen sich Sie arbeiten in einem sozialen Unternehmen, das zur neue Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Handwerksberufe verdeutlichen dies eindrücklich: In einem Ich bin gewissermaßen mit der Stiftung Liebenau aufge- Stiftung Liebenau gehört. Warum? Azubi steckt das Potenzial, bei entsprechender Förderung wachsen und habe daher die Arbeit in einem Sozialunternehmen früh kennengelernt. An erster Stelle steht für als Geselle abzuschließen, der Beeindruckendes schaffen kann. mich, dass die Tätigkeit wichtig und sinnstiftend ist. In Hier sehe ich auch den Zusammenhang zur Inklusion. Das zweiter Linie schätze ich die anspruchsvollen Aufgaben, BBW vermittelt Fähigkeiten, die es jungen Menschen ermöglichen, als wichtiger Teil der Gesellschaft akzeptiert zu einandersetzung mit den komplexen Fragestellungen, die die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung und die Aus- werden und diese aktiv mitzugestalten. sich im gesellschaftlichen Kontext zwangsweise stellen. Auf Kurs 1-2018 | 11

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