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Auf Kurs 01/2016

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Flüchtlinge im BBW wir

Flüchtlinge im BBW wir die psychologische Kompetenz hier im Haus und können schnell entsprechende Hilfe organisieren.“ Das Miteinander funktioniert Und das Miteinander mit den anderen Jugendlichen im BBW? Das funktioniert gut, wie Wolfgang Dreyer berichtet. Im Internat, Schule und Freizeit haben die Flüchtlinge Anschluss an die anderen Jugendlichen, die im BBW eine Ausbildung oder Berufsvorbereitung machen. Neben der Integration in die neue Kultur spiele aber auch der Kontakt zu Landsleuten eine große Rolle. „Diese emotionale Anbindung an ihre Wurzeln ist für die Flüchtlinge ganz wichtig“, betont Wolfgang Dreyer. Das geschehe durch Kontakte zu entsprechenden Vereinen oder Religionsgemeinschaften in der Region. Auch hier ist das in über drei Jahrzehnten angewachsene Netzwerk des BBW von Vorteil. Und Integration, Inklusion, lebenspraktische und schulische Förderung, Freizeit- und Alltagsgestaltung – das sind seit jeher Säulen eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses im BBW. Offene Zukunft Im Hier und Jetzt sind die UmAs dort also in guten Händen. Und die Zukunft? Ihre Perspektiven? Die erste Generation jugendlicher Flüchtlinge im BBW sei inzwischen zu einem Großteil in reguläre Arbeitsverhältnisse vermittelt worden, berichtet Dreyer. Und auch von den jetzigen UmAs hat sich der eine oder andere in Praktika bereits bewiesen. Im Frühjahr 2016 wird das BBW Flüchtlinge in seinen Ausbildungsbetrieben im Rahmen einer EU-geförderten Maßnahme qualifizieren. Christof Klaus Buchmann-Spende: 3.000 Euro für junge Flüchtlinge Ein großes Herz für jugendliche Flüchtlinge hat die Buchmann GmbH gezeigt: Mit einer Spende in Höhe von 3.000 Euro unterstützt der oberschwäbische Fleisch- und Wurstwarenspezialist die schulische Integration jugendlicher Flüchtlinge im Berufsbildungswerk. Den symbolischen Scheck übergab Firmenchef Ralf Buchmann. Buchmann ist es ein Anliegen, sich mit der Spende hier in der Region zu engagieren und dabei die Bildung und Integration der jungen Flüchtlinge zu unterstützen. Für das BBW sei die Firma Buchmann seit jeher ein sehr guter und wichtiger Partner in der Ausbildung, bedankte sich Geschäftsführer Herbert Lüdtke für die gute Zusammenarbeit und die großzügige Spende. Bereits seit Jahrzehnten kooperiert das Unternehmen mit Sitz in Grünkraut-Gullen mit dem Berufsbildungswerk, stellt Praktikumsplätze für Azubis zur Verfügung und hat auch schon Absolventen der Ravensburger Bildungseinrichtung bei sich eingestellt. Weiterer Nachwuchs sei in Zeiten des Fachkräftemangels herzlich willkommen. Bei Buchmann, so bekräftigt der Chef des Traditionsunternehmens, stünden die Türen für künftige Lehrlinge jedenfalls offen – insbesondere auch für Flüchtlinge. Willkommene Spende: Ralf Buchmann, Geschäftsführer der Buchmann GmbH (Bildmitte), hat bei seinem Besuch der VABO-Klasse in der Josef-Wilhelm-Schule des BBW einen 3.000-Euro-Scheck mitgebracht. BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke (rechts neben Buchmann) freut sich über die finanzielle Unterstützung bei der Arbeit mit Flüchtlingen. Foto: Klaus Haben fern der Heimat ein neues Zuhause gefunden: Said (links) und Khadar aus Somalia. Fotos: Klaus Said und Khadar: Der Blick geht nach vorne Said und Khadar kommen beide aus Somalia. Jeweils ein gutes Jahr waren die beiden Teenager unterwegs, ehe sie in Ravensburg ankamen und ins Wohnheim des BBW einzogen. Am Ende ihrer zum Teil lebensgefährlichen Flucht lernten sich die beiden Afrikaner kennen und wurden Freunde. Nun arbeiten sie gemeinsam an ihrer Zukunft. Khadar ist erst 16 Jahre alt. Viele Monate seines noch jungen Lebens hat er auf der Flucht verbracht und dabei schlimme Dinge erlebt. Umso erleichterter ist er, nun in Sicherheit zu sein und keine unmittelbare Angst mehr haben zu müssen. Als sein älterer Bruder von der Al-Shabaab-Miliz zwangsrekrutiert wurde, musste er aus dem bürgerkriegsgeplagten Somalia fliehen. Über Äthiopien und Sudan führte ihn seine gefährliche Odyssee zunächst nach Libyen. Dort arbeitete er, wurde aber zwischendurch immer wieder ins Gefängnis gesteckt – nur wegen fehlender Passdokumente. Schließlich schaffte er es über das Mittelmeer nach Italien und von dort nach Deutschland. Lesen und Schreiben lernte Khadar zuhause von seinem Vater. Die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, hatte er in seiner Heimat aber nicht gehabt – das gleiche gilt für Said. Trotzdem brachte der inzwischen 18-jährige, bei seiner Ankunft aber noch minderjährige Somalier seinen Traum mit nach Europa, Arzt zu werden. Heute weiß Said, dass das zu naiv war. „Oft geht es auch darum, solche überhöhte Erwartungen mit den realistischen Perspektiven abzugleichen“, sagt Wolfgang Dreyer. Said hat das erkannt und neue Pläne geschmiedet: Er möchte nun ebenso Automechaniker werden – wie Khadar. Neben dem Berufswunsch verbindet die beiden auch ihre sportliche Leidenschaft: der Fußball. In ihrer Freizeit schnüren sie regelmäßig die Kickstiefel und fahren mehrmals in der Woche zum Training ins benachbarte Oberzell. Täglich besuchen sie den Unterricht in ihrer VABO-Klasse. Die Frage nach ihrem Lieblingsfach ist schnell beantwortet: „Deutsch!“ Ja, die beiden seien „sehr motiviert, in die Schule zu gehen und die Sprache zu lernen“, bestätigt BBW-Wohnheim- Teamleiterin Fabienne Binzer, wie gewissenhaft die zwei Somalier die Schulbank drücken. Bis jetzt haben die beiden im Internat auf dem BBW-Gelände gelebt, doch nun steht für sie der Umzug in eine eigene Zweier-WG im Rahmen des Betreuten Jugendwohnens an. Ein weiterer Schritt in Richtung Normalität und Selbstständigkeit. 6 | Auf Kurs 1-2016 Auf Kurs 1-2016 | 7

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