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Auf Kurs 01/2015

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Bildungsgeschichten

Bildungsgeschichten Immer mehr Jugendliche brauchen aufwändige psychologische Betreuung Der Förderbedarf steigt ADHS, Depressionen, Autismus- Spektrum-Störungen und Traumata wie Gewalt- und Missbrauchserfahrungen: Immer mehr Jugendliche mit besonders hohem Bedarf an pädagogischer und psychologischer Betreuung kommen ins BBW. Auch in diesem Ausbildungsjahr setzte sich dieser Trend fort: Von den rund 600 am Hauptstandort Ravensburg betreuten jungen Menschen benötigen deutlich über 400 Personen eine besonders aufwändige Betreuung. Und ein immer größerer Teil von ihnen weist zum Teil erhebliche psychische Störungen auf. Ausbildung, Berufsvorbereitung und Qualifizierung nach Schema F – das gibt es im BBW nicht. Zu unterschiedlich sind die Menschen mit ihren Talenten und Bedürfnissen, zu vielschichtig Ihre persönlichen Vorgeschichten, ihr Teilhabebedarf und ihre Benachteiligungen. Die Spanne ist groß und reicht von einer leichteren Lernbehinderung bis zum Übergang zu einer geistigen Behinderung, von einer Hör- und Sehbeeinträchtigung bis zur Sprachbarriere aufgrund eines Migrationshintergrundes, von einer Körperbehinderung bis hin zu schwersten psychischen Störungen. Andere kommen aus schwierigen Familienverhältnissen, haben Drogenprobleme oder wurden Opfer von Gewalt, sexuellem Missbrauch oder Mobbing. „Auch die Anzahl der jungen Menschen mit Mehrfachdiagnosen und erheblich herausfordernden Verhal- tensweisen – etwa Aggressionen oder Autoaggressionen und Schulverweigerung – steigt“, wie Dr. Stefan Thelemann, Leiter des Fachdienstes Diagnostik und Entwicklung im BBW, weiß. Fachdienst mit Know-how im Haus Frühzeitig schon hat sich das BBW darauf eingestellt und seit vielen Jahren mit besagtem Fachdienst unter kinder- und jugendpsychiatrischer Leitung das nötige Know-how im Um- gang mit dieser anspruchsvollen Klientel im eigenen Haus. Kurze Wege, hohe Fachkompetenz, viel Erfahrung. Davon profitieren alle Teilnehmer im BBW, insbesondere aber jene, die ohne entsprechende Hilfe eine berufliche Maßnahme überhaupt nicht zum Abschluss bringen könnten. Sie erhalten im BBW das nötige Umfeld, um 20 % 6 % 15 % 9 % 20 % 6 % 26 % 15 % 9 % 26 % 24 % 24 % Lernbeeinträchtigung etc. Persönlichkeitsstörungen Lernbeeinträchtigung etc. Autismus-Spektrum-Störungen Persönlichkeitsstörungen Autismus-Spektrum-Störungen Körperliche Erkrankungen und Behinderungen Körperliche Erkrankungen und Behinderungen Posttraumatische Posttraumatische Belastungsstörungen Belastungsstörungen Depressionen, Angststörungen etc. etc. 10 | Auf Kurs 1-2015

von alten Mustern loszukommen und sich unter professioneller Hilfe eine neue stabile Alltagsstruktur aufzubauen. Zu den Unterstützungsangeboten zählen unter anderem Einzelcoaching, Ergotherapie, psychologische Krisenintervention, therapeutische Beratung, Sozialkompetenztraining sowie gezielte Angebote: Antiaggressivitäts-Training (AAT®), Coolness-Training (CT®), Anti-Mobbing- Training (AUFWIND-Training®) oder auch zum Beispiel eine traumathera- peutische Behandlung und die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) nach Linnehan. Ob Borderline-Persönlichkeitsstörung, paranoide Schizophrenie, Selbstverletzungen oder Depressionen: „Auch bei gravierenden Auffälligkeiten können wir gezielt fördern und leiten“, betont Dr. Stefan Thelemann. „Wir sind eingerichtet für alle kinder- und jugendpsychiatrischen Störungen gemäß ICD-10, der internationalen Klassifikation der Krankheiten durch die Weltgesundheitsorganisation WHO.“ Als Spezialist gilt das Ravensburger BBW insbesondere auch in Bezug auf tief greifende Entwicklungsstörungen wie Autismus-Spektrum-Störungen: „Hier haben wir ebenso eine eigene Konzeption entwickelt wie für Jugendliche und junge Erwachsene mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS).“ Christof Klaus Clarissa M. hat ihre Stabilität gefunden F.43.1, F60.31 – Das sind Begriffe aus dem so genannten ICD-10-Katalog, mit denen die Weltgesundheitsorganisation einzelne Krankheiten international einheitlich klassifiziert. Nüchterne Bezeichnungen, hinter denen sich menschliche Schicksale verbergen. Wie das einer BBW-Auszubildenden, die wir hier Clarissa M. nennen. Als die junge Frau vor ein paar Jahren zu einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) ins BBW kam, wurden bei ihr unter anderem eine Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1) und eine Borderline-Störung (F60.31) diagnostiziert. Anfangs hatte sie enorme Schwierigkeiten mit sich und im Kontakt mit anderen. Ein „normaler“ Ablauf der Berufsvorbereitung? Undenkbar. Selbstverletzungen waren an der Tagesordnung. „Clarissa war psychisch völlig instabil, scheu und weit davon entfernt, einen ganzen Arbeitstag durchzuhalten“, erinnert sich BBW-Bildungsbegleiterin Karin Essig-Rieser. Ein sehr individuelles Förderprogramm wurde für sie geschmiedet: Einzelcoaching, eine enge psychologische Begleitung, konstante Bezugspersonen, ein behutsamer Einstieg durch eine erst allmähliche Erhöhung der Arbeitszeit, Teilnahme an einem speziellen Skills- Training für Jugendliche mit Borderline-Störungen, eine Unterbringung im BBW-Wohnheim – kurzum: eine intensive Hilfe und Begleitung in allen Lebenslagen, auch unter starkem Einbezug des Elternhauses. Das umfassende Förderprogramm trug Früchte: „Clarissa konnte sich stabilisieren, sie hält inzwischen einen ganze Arbeitswoche durch und steckt schon mitten in ihrer Berufsausbildung“, berichtet Karin Essig-Rieser. „Und bei Krisensituationen, die weitaus seltener als früher vorkommen, nimmt sie erfolgreich Hilfe an. Krankheitsbedingte Fehltage kommen kaum noch vor. Ihre Prognose, die Ausbildung erfolgreich zu absolvieren, ist gut.“ Und die BBW- Verantwortlichen trauen Clarissa M. auch zu, sich weiter so gut zu entwickeln, dass sie nach ihrem Abschluss auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehen kann. Auf Kurs 1-2015 | 11

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