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Anstifter 3, 2021 der Stiftung Liebenau

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Schwerpunkt Ein

Schwerpunkt Ein Silversurfer, der Gold wert ist Ehrenamtliches Engagement ohne Grenzen „Vielen Dank für Ihre Mühe“, steht auf einem Post-it-Zettel, der an der kleinen Pralinenschachtel angebracht ist. Heinz Eckhardt ist es sichtlich unangenehm, diese kleine Aufmerksamkeit aus den Händen des Quartiersmanagers im Ravensburger Rahlentreff entgegenzunehmen. „Ist nicht von mir“, sagt Harald Enderle schulterzuckend, und unterbindet damit jeden weiteren Rückgabeversuch seines ehrenamtlichen Mitarbeiters. Auf solche Titel oder Jobbeschreibungen legt Heinz Eckardt aber ebenfalls keinen Wert. „Ich komme halt jeden Mittwoch hier im Rahlentreff vorbei und dann unterhalten wir uns darüber, was gerade ansteht und was ich tun kann“, erzählt der 74-jährige Ur-Ravensburger. Auf die Frage, seit wie vielen Mittwochen das nun schon so gehe, kommt er ins Grübeln. Sind es inzwischen schon 16 oder „nur“ etwas über 14 Jahre? „Irgendwann spielt das keine Rolle mehr, da zählt man nur noch die Jahrzehnte.“ Begonnen hat sein Engagement für den Rahlentreff eher zufällig. Da ist Heinz Eckhardt noch für die MTU als Konstrukteur tätig, steht aber bereits kurz vor der Rente. Seine Tischtennis-Gruppe benötigt damals einen neuen Trainingsraum und wird in den Räumlichkeiten der Stiftung Liebenau an der Galgenhalde fündig. Harald Enderle ist hier schon damals Drehund Angelpunkt im Quartier und dringend auf der Suche nach einem ehrenamtlichen Chefredakteur für das Rahlenblättchen. In dieser monatlich erscheinenden Quartierszeitschrift finden sich alle Informationen zu den Angeboten und Aktivitäten, ob es um Kinderbetreuung oder Lachyoga-Kurse geht. Heinz Eckhardt muss nicht lange überlegen und sagt zu. Welchen Glückstreffer Enderle da gelandet hat, kann er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wissen. Denn ein Novize ist Heinz Eckhardt keineswegs. Der passionierte Camper betreibt einen eigenen Blog im Internet, in dem er über die Griechenlandreisen mit seiner Frau Hanny berichtet. Hier erfahren andere Campingbegeisterte nicht nur, welche Sehenswürdigkeiten und Restaurants die beiden empfehlen, sondern auch, wo die schönsten Stellplätze und die besten Routen zu finden sind. Die Begeisterung, mit der Heinz Eckhardt von diesem Hobby erzählt, ist so ansteckend, dass nun auch Harald Enderle unter die Camper gegangen ist. Der fachliche Austausch am Mittwochmorgen ist also um ein zusätzliches Themenfeld reicher. Auch in seiner Tätigkeit für den Rahlentreff zeigt sich Heinz Eckhardt stets offen für Neues. Zum Beispiel wenn es um die Internet-Plattform „nebenan.de“ geht. Hier können sich Nachbarn online organisieren, Treffen verabreden, Waren und Dienstleistungen anbieten oder sich einfach auf dem Laufenden halten. „Eine tolle Sache, die sich in Ravensburg leider nie richtig durchgesetzt hat. In Waldburg funktioniert das deutlich besser, da hat sich sogar der Bürgermeister dafür eingesetzt“, sagt Eckhardt. Die Neugierde an der digitalen Welt brachte dem bekennenden Silversurfer übrigens noch einen weiteren Job ein: Er springt bei Bedarf als „Digitalberater“ in der Sprechstunde im Mehrgenerationenhaus Weinbergstraße ein. Hier können Senioren an jedem dritten Samstag im Monat mit ihren Fragen rund um Google, Whatsapp und das Internet im Allgemeinen Unterstützung finden. „Es ist schön, wenn ich Leuten in meinem Alter da noch etwas über Apps erzählen kann, dabei habe ich mein Smartphone selbst noch gar nicht so lange“, gibt er zu. Dann erklärt er Harald Enderle, was der an seinem neuen Campingwagen unbedingt beachten muss. So ist das halt, wenn man sich auskennt. (dk) Heinz Eckhardt – ein engagierter Mann für alle Fälle im Quartier Galgenhalde. 18 anstifter 3 | 2021

Schwerpunkt Gut geschult fürs Ehrenamt Bernd Reutemann ist sicher, dass er das Richtige tut: Seit vier Jahren engagiert er sich für den ambulanten Kinderhospizdienst AMALIE. „Ich habe Respekt vor dieser Aufgabe. Aber ich glaube, es ist mein Auftrag“, sagt der 51-Jährige. Als ehrenamtlicher Pate begleitet er lebensverkürzend oder lebensbedrohlich erkrankte Kinder und ihre Familien. Eine gute Schulung ist in diesem Bereich besonders wichtig. Die Welt gerät aus den Fugen, wenn ein Kind schwerstkrank ist oder wenn ein Elternteil stirbt. Der Kinderhospizdienst AMALIE, der von den Maltesern und der Stiftung Liebenau getragen wird und in den Landkreisen Ravensburg und Bodenseekreis tätig ist, begleitet Familien in solchen Situationen. Ehrenamtliche Patinnen und Paten sind für das kranke Kind da, verbringen Zeit mit Geschwisterkindern, unterstützen die Eltern durch Gespräche und begleiten die Familie während der Trauerzeit. „Wir versuchen Halt zu geben“, sagt Bernd Reutemann. „Mit uns darf man lachen, weinen und zornig sein. Man darf uns alles zutrauen und zumuten, was man dem Umfeld nicht zutrauen und zumuten kann.“ „Für diese Aufgabe brauchen wir Menschen, die im Leben stehen und offen sind“, erklärt Barbara Weiland, AMALIE-Koordinatorin im Bodenseekreis. Und die Ehrenamtlichen selbst brauchen eine gute Vorbereitung für ihren Dienst. Deshalb absolvieren sie einen 100-stündigen Qualifizierungskurs in der Akademie Schloss Liebenau. Die vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen von AMALIE vermitteln die Inhalte selbst. Im ersten Block steht Grundlagenwissen im Vordergrund. Dann folgt ein Praktikum in einer geeigneten Einrichtung. Im dritten Teil geht es um Selbstreflexion, die Motivation für dieses Ehrenamt und die eigenen Vorstellungen von Tod und Trauer. „Diese Schulungen sind wichtig, damit man sich selbst gut kennenlernt und auf schwierige Themen vorbereitet ist“, erläutert Barbara Weiland. Auch nach diesem Kurs erfahren die Ehrenamtlichen fortlaufend eine Begleitung. Sie haben die Möglichkeit zur externen Supervision und treffen sich einmal im Monat zum Austausch, zur kollegialen Beratung und zu thematischen Schulungen. „Hier bekommen wir nicht nur Informationen, sondern auch Sicherheit für das, was wir tun“, sagt Bernd Reutemann. Für ihn sind sowohl die Begegnungen als auch die Inhalte wertvoll: „Ich habe viel über Achtsamkeit, Sterben und Trauer gelernt. Dieses Ehrenamt ist die beste Persönlichkeitsschulung, die ich je gemacht habe“, sagt der selbstständige Unternehmensberater aus Oberteuringen. Rund 70 Patinnen und Paten engagieren sich derzeit für AMALIE. Neu ist ab Herbst die Möglichkeit, projektorientiert mitzuarbeiten, beispielsweise bei Ausflügen oder bei den Trauerangeboten für Kinder und Jugendliche. Darauf bereitet ein sechsstündiger Workshop vor, der vor allem Menschen unter 30 ansprechen soll. Die Beweggründe für eine Mitarbeit bei AMALIE sind unterschiedlich. Das können eigene Schicksalsschläge sein, die Dankbarkeit für gesunde Kinder oder der Wunsch, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Bei Bernd Reutemann sind verschiedene Fäden zusammengelaufen: Er hatte sich eine soziale Aufgabe vorgenommen, war von AMA- LIE fasziniert, von Begegnungen und Inhalten beeindruckt. Er sagt: „Irgendwann merkst du: Du tust das Richtige.“ (rue) Wenn ein Kind schwerstkrank ist oder ein Elternteil stirbt, stehen die Patinnen und Paten vom Kinderhospizdienst AMALIE unterstützend zur Seite. anstifter 3 | 2021 19

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