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Anstifter 3, 2021 der Stiftung Liebenau

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Stiftung Liebenau Mit Leidenschaft und Mut dabei Freiwillig Engagierte sind eine wichtige Säule des Gemeinwesens Sie schenken Zeit, Zuwendung, Wissen, Kraft, und sie machen das Leben bunter: Die Rede ist von Menschen, die sich freiwillig engagieren. Deutschlandweit sind rund 28,8 Millionen oder 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich tätig, so die Zahlen im aktuellen Deutschen Freiwilligensurvey der Bundesregierung, der seit 1999 alle fünf Jahre erhoben wird. In der Stiftung Liebenau sind es mehr als 2000 Menschen, die sich für Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser der Pflege engagieren, Menschen mit Behinderungen im Alltag oder in der Freizeit begleiten oder sich für ein nachbarschaftliches Zusammenleben einsetzen. 10 anstifter 3 | 2021

Stiftung Liebenau Einer, der seit mehr als 25 Jahren mit freiwillig Engagierten zu tun hat, ist Harald Enderle. Der Sozialpädagoge kam 1995 zur Stiftung Liebenau, baute die Gemeinwesenarbeit in den Lebensräumen für Jung und Alt in der Ravensburger Weinbergstraße auf und ist seit 2007 auch hauptamtlicher Quartiersmanager im Wohngebiet Galgenhalde in der Ravensburger Weststadt (s. auch S. 18). In seiner Aufgabenbeschreibung stand von Anfang an ganz oben: Freiwillige gewinnen, motivieren, moderieren. „Ein lebendiges Gemeinwesen braucht viele, damit die Verantwortung sich breit verteilt“, so seine Erfahrung. Zumal die Haltung der Ehrenamtlichen sich in den vergangenen Jahren verändert habe. „Früher haben einzelne ganz feste Aufgaben dauerhaft übernommen. Heute wollen sich wenige festlegen auf bestimmte Ämter oder Zeiten. Die Bereitschaft sich einzubringen, ist zwar groß, vielleicht sogar größer als früher. Aber man will sich spontan einbringen, für Themen oder Projekte, auf die man selbst Lust hat. Und alles soll möglichst unkompliziert sein.“ Die Tätigkeitsfelder sind denn auch so unterschiedlich wie die Interessen der Engagierten. Es gibt die klassische Nachbarschaftshilfe, etwa den Einkauf für kranke Nachbarn, die Hausaufgabenhilfe für Kinder im Quartier, das Café-Team, das ein wöchentliches Kaffeetrinken für Bewohnerinnen und Bewohner organisiert. Neu entwickelt haben sich ein Repair-Café, eine Digitalsprechstunde, ein Kino-Team, das regelmäßig Filme zeigt. Nicht zu vergessen die Bewohnerbeiräte und Hauspaten, die sich für die Interessen der Bewohnerschaft von Lebensräumen oder Quartier einsetzen, innerhalb des Gemeinwesens, aber auch gegenüber den Vermietern. Würdigung ist wichtig Deutschlandweit engagieren sich laut Freiwilligensurvey Frauen genauso häufig wie Männer, am stärksten die 30- bis 49-Jährigen (44,7 Prozent der Altersgruppe) und die 14- bis 29-Jährigen (42 Prozent). Entspricht das auch Enderles Erfahrungen? „Nicht wirklich“, sagt er. Er schätzt den Frauenteil auf etwa 75 Prozent. „Aber die Männer holen auf, vor allem bei Angeboten wie Repair-Café, Digitalsprechstunde, Kino.“ Vor allem im digitalen Bereich sind auch viele Jüngere dabei. Sie teilen sich in kleine Teams auf mit wechselnder Besetzung, je nach persönlicher Terminlage, und bieten regelmäßige Sprechstunden an für alle Fragen rund um Smartphone, Tablet und Co. „Die ist immer voll“, hat Enderle beobachtet. Was motiviert die Freiwilligen? Da zählt der Kontakt mit Menschen, der Spaß am eigenen Tun, das Wir-Gefühl, das man bei gemeinsamen Projekten erleben kann. Was nicht fehlen darf, ist Anerkennung, vom kurzen „Danke!“ bis zum Fest für die Ehrenamtlichen. „Wahrgenommen zu werden, gewürdigt zu werden, das ist wichtig“, so Enderles Überzeugung. In den letzten Jahren beobachtet er zudem vermehrt den Wunsch der freiwillig Engagierten nach „Input“, zum Beispiel Schulungen, die helfen, die geplanten Projekte besser umzusetzen. Ein weiterer Aspekt, der zählt, ist die Wohnortnähe. „Wenn mein Einsatz konkreten Mehrwert für mein eigenes Wohnumfeld hat, motiviert mich das stärker“, erzählt der Quartiersmanager und belegt das mit dem Beispiel der Hauspatinnen und -paten, die es in den Häusern des Bau- und Sparvereins im Quartier Galgenhalde gibt. Insgesamt 14 gibt es im Quartier, gewählt von den Mieterinnen und Mietern mit dem Auftrag, die Interessen der Nachbarschaft im Auge zu behalten. „Das hat nichts mit Kontrolle zu tun, auch nicht mit Hausmeisterdiensten, sondern eher mit einer fürsorglichen Nachbarschaft.“ So will man in dem von vielen älteren Menschen bewohnten Quartier der Vereinzelung entgegenwirken, soziale Strukturen stärken und eine höhere Identifikation mit dem Wohnumfeld schaffen. Die Bereitschaft zum Engagement sei groß, so Enderle, wichtig seien den Hauspatinnen und -paten aber auch die regelmäßigen Treffen, bei denen sie Informationen für ihre Arbeit bekommen, sich austauschen und bei wichtigen Themen mitreden können. Strukturen müssen passen Entscheidend für die Förderung von ehrenamtlichem Engagement, so Enderles Erfahrung, ist das eigene professionelle Selbstverständnis. Er hat den Eindruck, dass manche Profis die Veränderungen im Bereich des ehrenamtlichen Engagements nicht wahrnehmen. „Oft stimmen die Strukturen nicht mehr, wie und wo sich Ehrenamtliche engagieren wollen. Und wenn sich zu wenige Ehrenamtliche für ein Projekt finden, stimmt vielleicht das Projekt nicht.“ Als Hauptamtlicher eigene Projektideen zu entwickeln und sie dann von Ehrenamtlichen umsetzen lassen zu wollen, funktioniere nur selten. Er setzt auf eine andere Haltung: „Es geht nicht um mich, sondern um die Menschen, die sich engagieren. Sie sind die Experten, ich bin nur der Moderator.“ Der bei der Umsetzung unterstützt und vielleicht Tipps geben kann. Und welche Tipps hat Enderle für Menschen, die sich engagieren wollen? „Gehen Sie an die Themen, die Ihnen selbst liegen. Bringen Sie Geduld mit, manches wird vielleicht nicht ankommen, und manche Idee braucht Zeit zu wachsen.“ Anfangs waren es nur drei bis vier Zuschauerinnen und Zuschauer bei den Kino-Abenden – inzwischen ist der Saal voll. Die wichtigsten Eigenschaften? „Leidenschaft und Mut, sich auszuprobieren!“ (hr) anstifter 3 | 2021 11

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