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Anstifter 3, 2020 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Pflege und Lebensräume, Service und Produkte sowie Teilhabe.

Schwerpunkt Digitale

Schwerpunkt Digitale Brücke zum Patienten iPads auf Kinder- und Jugendstationen sinnvoll eingesetzt Kommunikation leichter gemacht: iPads können Brücken sein zu anderen, zu Mitarbeitenden aber auch zu anderen Kindern. Auf den Kinder- und Jugendstationen der St. Lukas-Klinik gibt es seit einigen Monaten iPads. Und vorwiegend positive Erfahrungen. Sie zeigen: Mit einem iPad lassen sich viele sinnvolle Dinge tun, im Stationsalltag und in der Therapie. Dominik, dessen wirklicher Name nicht genannt werden soll, ist Autist, er hat Schwierigkeiten zu sprechen und findet oft seine Wörter nicht. Seine Wünsche kann er deshalb nicht äußern. Er ist meist lieber für sich, mag es ruhig und ist ein großer Pfeifenputzer-Fan. Er zeigt jeden Morgen auf die Tür des Kunstateliers, und man weiß: Jetzt möchte er sich seinen Pfeifenputzer für den Tag aussuchen. Den verbiegt er dann kunstvoll und dreht ihn zwischen seinen Fingern. Als Dominik mit seinem neuen iPad in die Tagesklinik kam, lag es oft neben ihm auf dem Sofa und Dominik drückte willkürlich darauf herum. Mit dem eigens installierten Sprachprogramm wusste er nicht so richtig etwas anzufangen. Auch seine Familie war ratlos und unsicher; die Schulung im Familientrubel hatte nicht ausgereicht. Und so hieß es für die Mitarbeitenden erst einmal Selbststudium. Wie funktioniert sein Sprachprogramm überhaupt? Was kann man damit machen? Und am wichtigsten: Wie schaffen wir es, dass Dominik sein iPad überhaupt zur Kommunikation nutzt? Die Pfeifenputzer haben das Team dabei ein großes Stück weitergebracht. Damit Dominik seinen Wunsch nach einem Pfeifenputzer mit seinem Sprachprogramm morgens selbst sagen konnte, wurde ein Foto davon gemacht und mit seinem Sprachprogramm ein „Hotspot“ hinzugefügt. Jetzt konnte Dominik auf das Foto mit dem Pfeifenputzer tippen, und das iPad sagte das passende Wort. Ab dem Zeitpunkt war morgens im Flur ein richtiges Gespräch zu hören. „Guten Morgen, Dominik!“ – iPad hinhalten – „Pfeifenputzer!“ – „Oh, dann schließ ich dir mal das Atelier auf. Welche Farbe möchtest du?“ – iPad hinhalten – Dominik tippt und sucht die Farbtafel – „Orange!“ Und ein fröhlicher Junge sprang mit seinem orangenen Pfeifenputzer durch den Flur in die Tagesklinik. Für Außenstehende eine Kleinigkeit, für Dominik der Anfang zu verstehen, dass Kommunizieren Sinn hat. Vorher mussten alle über sein Pfeifenputzer-Ritual Bescheid wissen, damit für ihn der Start in den Tag gelingen konnte. Jetzt kann er sich verständlich machen. Das Auf-den-Boden-Schmeißen, das frustrierte Schreien oder Sich-selbst-in-die-Hand-Beißen kommt nicht mehr so oft vor. Das iPad kann im Stationsalltag eine große Hilfe sein, wenn es als Werkzeug eingesetzt wird. Dabei gibt es immer wieder neue Anwendungen, abhängig davon, was die jungen Patienten brauchen. Und abhängig von der Neugier und Experimentierfreude der Mitarbeitenden und ihrer Offenheit, Technik als eine Möglichkeit zu sehen, mit der man helfen und unterstützen kann. Da ist der Mensch im Mittelpunkt und die Technik eine Verbindungsbrücke. (cg) Mehr Anwendungsbeispiele finden Sie auf unserer Website: www.stiftung-liebenau.de/ipads Wahl ohne Qual: Die Farbpalette macht sie für Dominik möglich. 18 anstifter 3 | 2020

Technik und Menschlichkeit perfekt kombiniert Digitale Helfer in der Betreuung von älteren Menschen Im Haus der Pflege Dr. Albert Moll leben ältere Menschen, die bereits ein gewisses Maß an Unterstützungs- und Hilfebedarf benötigen, aber noch weitgehend selbstständig ihren Alltag gestalten. Dafür wurde ein modernes Wohnkonzept entwickelt, das ServiceWohnen. Das Besondere daran: Hier unterstützen digitale Systeme die Selbstständigkeit. Alexandra Retschitzegger betreut seit 2019 verantwortlich die Bewohnerinnen und Bewohner im ServiceWohnen in Tettnang. Im gemütlichen Gemeinschaftsbereich berichtet sie von ihrem Alltag. Eine Bewohnerin kommt vorbei, bleibt stehen und bittet Retschitzegger, doch später noch bei ihr vorbeizukommen. Sie müsste etwas besprechen, aber eilig sei es nicht. Im Vorbeigehen dreht sie sich noch einmal um und ruft: „Die Frau Retschitzegger hat alles für uns im Griff. Sie ist wunderbar!“ Auf Nachfrage untermauert sie das mit Verve: „Naja, ich kann halt leider nicht mehr ganz allein für mich sorgen, deswegen wohne ich jetzt hier. Auf Frau Retschitzegger kann ich mich fest verlassen. Sie unterhält sich mit mir, schaut nach dem Rechten. Ich vertraue ihr vollkommen.“ Die Bewohnerin – wie auch alle anderen im ServiceWohnen – kocht noch selber, kauft ein, putzt ihr geräumiges Appartement täglich ein bisschen und genießt vor allem die Sicherheit, die ServiceWohnen ihr ermöglicht. Damit meint sie nicht nur die warmherzige Alexandra Retschitzegger, sondern auch die technischen Assistenzsysteme, die hier zur Grundausstattung jedes Appartements gehören. Zum Beispiel das Wegelicht für den nächtlichen Gang ins Bad, den Notrufschalter oder die Sensoren, die ihre Bewegungsaktivitäten absichern und, wenn nötig, den ambulanten Pflegedienst informieren. Dank der individuell angepassten Assistenzsysteme ist Hilfe schnell da. „Für uns ist es wichtig, die Selbstständigkeit zu fördern, aber auch ein hohes Maß an Sicherheit zu ermöglichen“, erklärt Alexandra Retschitzegger. Digitalisierung sei dabei sehr hilfreich. „Die Kombination aus Technik und menschlicher Zuwendung ist perfekt.“ Daher gibt es in den Pantry-Küchen eine automatische Herdabschaltung. Wer also gerade etwas auf dem Herd stehen habe, aber zeitgleich im Fernsehen einen spannenden Film sehe und darüber alles vergesse, werde nicht plötzlich von Rauchschwaden überrascht, sondern eher von der kaltgewordenen Suppe. Retschitzegger lacht: „Das wünsche ich mir zuhause auch manchmal.“ Die junge Frau ist Gesundheits- und Krankenpflegerin und hat ein Pflegestudium abgeschlossen. Unter der Woche kommt sie täglich ins Haus, nimmt sich Zeit, organisiert Freizeitaktivitäten, unterstützt bei der Körperpflege und hat ein waches Auge auf das Funktionieren der unauffälligen technischen Helferlein im Hintergrund. Das ist für alle, die ihr bisheriges Zuhause gegen das angenehme Leben mit ServiceWohnen getauscht haben, ein gutes Gefühl. (hs) anstifter 3 | 2020 19

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