Mediathek der Stiftung Liebenau
Aufrufe
vor 3 Jahren

Anstifter 3, 2017 der Stiftung Liebenau

  • Text
  • Liebenau
  • Stiftung
  • Menschen
  • Anstifter
  • Teilhabe
  • Arbeit
  • Bewohner
  • Mitarbeiter
  • Behinderung
  • Haus
Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Stiftung Liebenau Bildung Wolfgang Közle (2.v.l.) wurde in den Ruhestand verabschiedet (v. l.): Jörg Munk (Geschäftsführer Liebenau Teilhabe), Manfred Kohler (neuer Schulleiter) und Markus Wursthorn (Geschäftsleiter Schule, Erziehung, Bildung und Arbeit der Liebenau Teilhabe) Pädagogik mit Leidenschaft Wolfgang Közle: Don-Bosco-Schulleiter in den Ruhestand verabschiedet Nach 35 Jahren Lehrtätigkeit und vier Jahren Schulleitung der Don-Bosco- Schule der Liebenau Teilhabe ging Wolfgang Közle zum Schuljahresende 2016/2017 in den Ruhestand. 1980 begann Közle als Grund- und Hauptschullehrer an der Don-Bosco-Schule seine Lehramtstätigkeit. Er habe großen Teamgeist bewiesen und die Zusammenarbeit sei ihm immer sehr wichtig gewesen, betonte Markus Wursthorn, Geschäftsleiter Liebenau Teilhabe. Nach einem Zusatzstudium in Sonderpädagogik blieb Közle der Stiftung Liebenau während 35 Jahren treu. 2013 übernahm er, nach vier Jahren als Konrektor, die Schulleitung. Durch den Rückhalt im Kollegium war diese Aufgabe gut zu meistern. „Da bin ich zu Hause“, beschrieb Közle selbst seine Zeit. Közle habe die Don-Bosco-Schule „umgebaut, angebaut, renoviert und restauriert“, erläuterte Dr. Heinz-Joachim Schulzki, Schulamtsdirektor i. K. der Stiftung Katholische Freie Schule der Diözese Rottenburg-Stuttgart. So brachte er den Umbau von der Sonderschule zum Sonderpädagogischen Bildungsund Beratungszentrum voran und sicherte damit der Schule „ein respektables Standing in der Region“. Er baute verschiedene Kooperationen mit Regelschulen auf und schuf dadurch inklusive Klassen, unter anderem in Tettnang und Friedrichshafen. Als Vorreiter auf dem Gebiet des inklusiven Lernens ist es Közle zusammen mit Rektor Eugen Weber von der Manzenbergschule in Tettnang gelungen, Inklusionsklassen mit einem durchgehend gemeinsamen Lernangebot für Kinder mit und ohne Einschränkungen anzubieten und so eine neue Form des individuellen Lernens zu schaffen. „Er behält immer das Wohl des Kindes im Auge und zeichnet sich durch seine absolute Zuverlässigkeit aus.“ Engagierter und verlässlicher Partner „Bunt, ruhig, sehr angenehm.“ So beschrieb Bernhard Straile, Regierungsschuldirektor des Regierungspräsidiums Tübingen, die Zusammenarbeit mit Közle. Bei humoristischen Einblicken in Közles Historie sorgte vor allem seine wissenschaftliche Abschlussarbeit über die Feld- und Hausspitzmaus für Erheiterung. Közle hatte immer das Wohl des Kindes im Auge und zeichne sich durch seine absolute Zuverlässigkeit aus. Edgar Wöhrle vom Staatlichen Schulamt Markdorf, beschrieb Közle als „Fels in der Brandung, der engagiert in der Gruppe steht“. Gemeinsam überreichten sie Közle einen Hut, eines seiner Markenzeichen, ohne das er nur selten anzutreffen ist. Entwicklungsarbeit für die Zukunft Jörg Munk, Geschäftsführer der Liebenau Teilhabe, dankte Közle für seine Arbeit als „Vollblutpädagoge mit Leib und Seele“. Munk würdigte die Entwicklungsarbeit in Hegenberg sowie die enge Zusammenarbeit und Kooperation mit den Akteuren und beschrieb die Don-Bosco-Schule als „gut aufgestellt“. Die Weiterentwicklung des Hegenbergs zu einem pädagogisch, therapeutisch und medizinischen Fachzentrum und der Zugang zur Bildung mit Anschlussperspektiven seien nur zwei Bereiche, die Közle aktiv mitgestaltet hat. Közle selbst skizzierte die Herausforderungen der nächsten Jahre: Die Don-Bosco-Schule müsse immer weiter neu justiert und eingestellt werden. Er bedankte sich für die gewährten Freiheiten, seine Ideen umsetzen zu können, und für die Unterstützung seiner Kollegen und Weggefährten. Zusammen mit den Gästen hieß er seinen Nachfolger und neuen Schulleiter Manfred Kohler willkommen. (al) 34 anstifter 3 | 2017

Stiftung Liebenau Familie Gastfamilie ermöglicht Inklusion So können Mutter und Kind zusammenleben Martina Breske hat eine Lernbehinderung. Und einen fast siebenjährigen Sohn. Die verantwortungsvolle Aufgabe seiner Erziehung kann sie nicht alleine bewältigen. Seit über sechs Jahren leben die beiden deshalb in der Einliegerwohnung der Familie Pfender. Die Familie unterstützt die alleinerziehende Mutter auch bei der Bewältigung ihrer Aufgabe. Familie Pfender wiederum wird unterstützt vom Fachdienst Betreutes Wohnen in Familien (BWF) der Stiftung Liebenau. Martina Breske ist gelernte hauswirtschaftliche Helferin. Ihre Ausbildung hat die 30-Jährige am Berufsbildungswerk Adolf Aich gemacht. Weil ihr Sohn Jannick bis zum Nachmittag in der Schule ist, kann sie halbtags arbeiten. In den Ferien müssen allerdings zusätzliche Hilfen organisiert werden, zum Beispiel durch Ehrenamtliche. Diese Aufgabe übernimmt Regine van Aken, Mitarbeiterin des BWF in Ravensburg, die seit Anfang an mit der Begleitung betraut ist. Früher habe die Mutter stärker die Nähe zur Gastfamilie gesucht, mit der Zeit aber sei sie eigenständiger und sicherer geworden. Die besondere Herausforderung für die Gastfamilie in diesem Fall: Jannick lebt ebenfalls mit Einschränkungen. Er hat eine seltene Form der Epilepsie, die bei Kleinkindern auftritt und mehrfache Behinderungen mit sich bringt: Er ist nicht altersgemäß entwickelt, er spricht nicht und kann fast nichts sehen. Regine van Aken: „Dass das Kind auch eine Einschränkung hat, ist eher die Ausnahme. Von den elf Eltern mit einer Einschränkung, die wir bisher begleiten, ist er das erste Kind mit Behinderung.“ Die Unterstützung der jungen Mutter in organisatorischen Dingen und bei pädagogischen Fragen ist trotz der zunehmenden Eigenständigkeit nach wie vor nötig. Birgit Pfender gibt ihr immer wieder Anregungen, wie sie sich mit ihrem Sohn beschäftigen kann. Sie begleitet Jannick und seine Mutter zu den vielen notwendigen Arztterminen und ist stark in den Kontakt zur Schule eingebunden. Die enge Begleitung durch die Gastmutter hat auch an anderer Stelle gefruchtet. „Ich bin froh, dass Jannick inzwischen laufen kann, woran vorher niemand glaubte.“ Begleitete Elternschaft bietet Müttern oder Eltern mit einer Behinderung die Chance, mit ihrem eigenen Kind zusammenzuleben und es selbst großzuziehen. Die Gastfamilien sind vor allem bei der Erziehung des Kindes eine wichtige Stütze. Durch ihren Einsatz wird den Kindern eine altersgerechte Entwicklung gesichert. Das Angebot des Betreuten Wohnen in Gastfamilien der Liebenau Teilhabe gibt es für Mütter oder Eltern mit Einschränkung in mehreren Landkreisen und wird laufend ausgebaut. In Singen, Landkreis Konstanz, stehen ab Ende 2018 auch drei neue Wohnungen für Mütter mit einer Behinderung zur Verfügung. Sie werden dort von den Fachkräften der Ambulanten Dienste begleitet. (ao) Martina Breske (rechts) lebt mit Sohn Jannick in der Einliegerwohnung der Gastfamilie Pfender. Birgit Pfender (links) unterstützt die Mutter. anstifter 3 | 2017 35

Stiftung Liebenau Österreich