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Anstifter 3, 2017 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Stiftung Liebenau Teilhabe Moderne Eingliederungshilfe in Sachsen Vor 25 Jahren gründeten sieben Träger, darunter auch die Stiftung Liebenau, in Dresden einen neuen sozialen Träger, damals mit dem Namen Caritas Sozial Werk im Bistum Dresden-Meißen e. V. Daraus entwickelte sich das Christliche Sozialwerk, kurz CSW, heute eine gemeinnützige Gesellschaft der St. Josefskongregation Ursberg und der Stiftung Liebenau, der einzige landesweit tätige Träger der Eingliederungshilfe in Sachsen. „Dynamisch und richtungsweisend, auf hohem fachlichen Niveau und immer interessiert an neuen Herausforderungen“, so charakterisiert Geschäftsführer Peter Leuwer sein Unternehmen, das er seit 2001 führt. Ohne diese Eigenschaften wäre wohl auch der bisherige Weg des CSW nicht so erfolgreich gewesen. Zur Zeit der Gründung – drei Jahre nach der deutsch-deutschen Vereinigung – war die Situation der Eingliederungshilfe im Freistaat Sachsen einigermaßen desolat. Es gab nur wenige große und einzelne kleine, über den gesamten Freistaat verteilte Wohneinrichtungen und Tagesförderstätten. Neue Träger wurden dringend gesucht. In katholischer Trägerschaft fanden sich zwei Tagesstätten und zwei Heime mit zusammen weniger als 30 Betten, Wohn- und Betreuungsangebote in den beiden Klöstern Marienthal und Marienstern sowie offene Angebote verschiedener Kirchengemeinden. Nach Gründung des CSW entwickelte sich in weniger als fünf Jahren ein Unternehmen mit Frühförderstelle, Förderschule, vier Werkstätten und neun Wohnheimen. Weitere Wohnheime, zahlreiche Außenwohngruppen und neue Werkstattstandorte sind bis heute hinzugekommen, das CSW ist zum größten katholischen Träger im Land geworden (siehe Kasten). Möglichst rasch bedarfsgerechte und zeitgemäße Fördermöglichkeiten aufzubauen, das war damals das Gebot der Stunde. Denn: „Menschen mit geistiger Behinderung oder chronisch psychischer Erkrankung waren nach der Wiedervereinigung entweder in Psychiatrien untergebracht oder wurden in Wohn- und Betreuungsformen lediglich ‚versorgt‘“, erinnert sich Leuwer, der schon seit fast 35 Jahren im Sozialbereich tätig ist. Mit Angeboten zur Frühförderung, Schule und Werkstatt bietet das CSW mittlerweile durchgängige passgenaue Hilfen zur Förderung, Bildung, beruflichen Qualifizierung und qualifizierten Beschäftigung. Neue ambulante und dezentrale Wohnformen wurden entwickelt, ein Fachdienst für die ambulante individuelle Förderung von Menschen mit Behinderung und schweren Verhaltensauffälligkeiten wurde geschaffen sowie eine intensive sonderpädagogisch-therapeutische Förderung in Tagesstruktur. „Damit hat das CSW Maßstäbe für die Eingliederungshilfe in Sachsen gesetzt“, so Leuwer. Zu einem besonderen fachlichen Schwerpunkt des CSW hat sich inzwischen die Förderung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung entwickelt. Leicht war dieser Weg keineswegs immer. Für viele fachliche 28 anstifter 3 | 2017

Stiftung Liebenau Teilhabe Der 25. Geburtstag des CSW wurde gleich mehrfach gefeiert: 280 Kinder und Jugendliche trafen sich zu einem Fest in Dresden. Für erwachsene Bewohner und für Mitarbeiter gab es eigene Veranstaltungen. Entwicklungen mussten erst die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, das erforderte viel Überzeugungsarbeit beim überörtlichen Träger der Eingliederungshilfe, dem Kommunalen Sozialverband Sachsen, KSV. Inzwischen, so sagt Leuwer nicht ohne Stolz, werden Konzepte im CSW meist in Abstimmung mit dem KSV entwickelt und modellhaft erprobt, bevor sie zum Standard der Eingliederungshilfe in Sachsen gemacht werden. „Meist konnten und können wir die rechtlichen Rahmenbedingungen auf dem Verhandlungswege klären. Falls nötig, streiten wir aber auch auf dem Rechtsweg dafür.“ Was waren die größten Erfolge der letzten 25 Jahre? „Meist die, für die man am härtesten kämpfen musste“, antwortet Leuwer. So habe das CSW erstritten, dass Menschen mit schwersten Behinderungen, die im Wohnheim leben, nun auch Anspruch auf einen Platz im Förder- und Betreuungsbereich haben. Erfolgreich durchgesetzt habe man die Personalbemessung der so genannten „Internen Tagesstruktur“, wodurch eine intensive, bedarfsgerechte und individuelle Förderung überhaupt erst möglich geworden ist. Auch die Anerkennung und Refinanzierung von Tariflöhnen bei der Bemessung von Leistungsentgelten sei nur mit hoher Anstrengung erreicht worden. Fachlich ist der Sozialpädagoge Leuwer besonders stolz auf den Aufbau eines ambulant tätigen Fachdienstes, der wegen seiner besonderen pädagogisch-therapeutischen Kompetenzen inzwischen von zahlreichen Institutionen und Wettbewerbern in Anspruch genommen wird. 25 Jahre erfolgreicher Arbeit sind für Leuwer, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwar ein guter Grund zum Feiern. Nicht aber zum selbstzufriedenen Zurücklehnen. „Es gibt im CSW einen Leitsatz, der lautet: Wir geben uns mit Erreichtem nicht zufrieden!“, sagt der Geschäftsführer. Auch weiterhin werde man sich aktiv neuen Herausforderungen stellen, die sich aus den besonderen Förderbedarfen und individuellen Wünschen von Menschen mit Unterstützungsbedarf ergeben. Ruhiger wird es nicht werden, da ist er sich sicher. „Die Intention der Inklusionsbestrebungen begrüßen wir uneingeschränkt. Aber die derzeitige Debatte und die neuen Regelungen des Bundesteilhabegesetzes bergen auch eine große Gefahr: Dass insbesondere Menschen mit schweren Beeinträchtigungen, die ihre Ansprüche und Wünsche nach bedarfsgerechter Teilhabeleistungen nicht selbst artikulieren und durchsetzen können, zu Verlierern der Reform werden.“ Das geschehe dann, wenn langjährig aufgebaute Fördermöglichkeiten abgeschafft und das grundlegende Wunsch- und Wahlrecht der Betroffenen damit eingeschränkt würde. „Deshalb werden wir uns vehement und unbeirrbar dafür einsetzen, dass die Chancen für Teilhabe nicht durch falsche und voreilige Maßnahmen und Umsetzungsschritte verschlechtert, sondern tatsächlich erhöht werden.“ (hr) Das CSW heute In der Hofkirche Dresden fand der Festgottesdienst statt: (v.l.) Pfarrer Ulrich Dombrowsky, Riesa; Prälat Michael H. F. Brock, Vorstand Stiftung Liebenau; Bischof Heinrich Timmerevers, Dresden-Meißen; und Pfarrer Marco Vogler, CSW. • 11 Hauptstandorte in Sachsen • 876 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter • ca. 2600 stationär, teilstationär und ambulant betreute Menschen Angebote: • Wohnheime, Wohngruppen, ambulant betreutes Wohnen • Werkstätten • Förderschulzentrum • Integrative Kindertagesstätten • Fachdienst für Krisenintervention und Hilfen zur Inklusion • Interdisziplinäre Frühförderstelle www.christliches-sozialwerk-ggmbh.de anstifter 3 | 2017 29

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