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Anstifter 3, 2017 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Stiftung Liebenau Teilhabe AIP: Eine mutige Idee hat sich ausgezahlt Inklusion durch spannende Arbeitsfelder im Arbeitsintegrationsprojekt (AIP) Seit zehn Jahren ist das AIP, Teil der Liebenauer Arbeitswelten der Stiftung Liebenau, im Interkommunalen Gewerbegebiet Geiselharz-Schauwies angesiedelt. Damals war es durch seinen Ansatz als industriell ausgerichteter Logistikdienstleister mit Integrationsmöglichkeiten ein Novum. Seitdem hat sich einiges verändert. Das war Grund genug, das erfolgreiche Projekt samt seiner Mitarbeiter zu feiern. Melanie Kräuter war für die Schwäbische Zeitung beim Geburtstagsfest. „Das AIP hat sich inzwischen als Markenname etabliert“, sagte die Leiterin Isabella Burgey-Meinel bei dem Fest. Heute arbeiten hier rund 80 Menschen mit Behinderung gemeinsam mit Mitarbeitern aus den Bereichen Handel, Industrie, Ausbildung und Werkstatt unter einem Dach zusammen. Auch viele Kooperationen mit regionalen Unternehmen sowie eine offene Kantine schaffen Begegnung und Integration. Stefan Fricker, Bereichsleiter Bildung, Arbeit und Förderung Liebenau Teilhabe, und sozusagen einer der „Geburtshelfer“ des Projekts erklärte, wie es zur Gründung des AIP kam. Hintergrund sei die zu kleine Werkstatt für die vielen Arbeitsgruppen in Rosenharz (Bodnegg) gewesen. Außerdem habe die Firma Ciret, die Malerwerkzeuge herstellte und vertrieb und auf dem jetzigen AIP-Gelände angesiedelt war, nach günstigeren Produktionsbedingungen gesucht – auch eine Abwanderung ins Ausland stand im Raum. Und so suchte Fricker das Gespräch mit Amtzells früheren Bürgermeister Paul Locherer. Die Idee war geboren, und die Umsetzung Sascha Lerner (links) gibt bei einem Rundgang dem stellvertretenden Bürgermeister Hans Roman und Markus Wursthorn, Mitglied der Geschäftsleitung, einen Einblick in die Produktion beim AIP. 24 anstifter 3 | 2017

Stiftung Liebenau Teilhabe Einwandfreie Qualität für unterschiedliche Auftraggeber kommt aus dem AIP im Gewerbegebiet Wangen-Schauwies. des „Projekts der Gemeinde Amtzell auf Wangener Gemarkung“ musste schnell gehen, um auf die Bedürfnisse des Industriepartners Ciret einzugehen. Die Planung begann im Juli 2005, Inbetriebnahme war im Februar 2007. Das Betriebsgebäude mit einer Gesamtnutzfläche von 4500 Quadratmetern ist räumlich in drei Teile untergliedert: Neben dem Werkstatt- und Produktionsbereich mit 1900 Quadratmetern gibt es Verwaltungs-, Sozial- und Schulungsräume mit 900 Quadratmetern. Auf der anderen Gebäudeseite befindet sich ein modernes Hochregallager auf 1700 Quadratmetern. Insgesamt ist hier Platz für rund 2000 Paletten. Von Anfang an wurde das AIP für die industrielle Nutzung und die Zusammenarbeit mit der Firma Ciret konzipiert. Die einzelnen Arbeitsvorgänge im Bereich der Kommissionierung, Verpackung und Logistik wurden so weit heruntergebrochen, dass sie auch Menschen mit Behinderung ausführen können. Doch die Zusammenarbeit währte nur ein paar Jahre, dann wanderte das Unternehmen trotzdem ab. Das AIP hat aber inzwischen mehrere andere Unternehmen als Auftraggeber. Einer der größten ist etwa die Amtzeller Firma Aroma Snacks mit den „Lisa’s Chips“. Je nach Auftragsgröße und Zeitvorgaben bestücken ein bis zwei Arbeitsgruppen mit je etwa 15 Leuten hier die Auslagen für die Supermärkte, berichtet Sascha Lerner, der für den Bereich Arbeitsvorbereitung zuständig ist. Außerdem werden für Lufthansa Mini-Chipstüten in Kartons gepackt. Stolz ist das AIP auf das fast volle Regallager. Die Firma Aroma Snacks hat die Hälfte des Platzes im Regal gemietet. „Wir wollen uns aber nicht nur auf einen Auftraggeber verlassen“, sagt Lerner, der ebenfalls von Anfang an beim AIP arbeitet. So bauen die Klienten in einzelnen Schritten zum Beispiel Leuchten der Firma LTS in Tettnang zusam- „Unsere Reklamationsquote liegt bei 0,5 Prozent.“ men. Um die Fertigung zu erleichtern, wurden und werden spezielle Hilfsvorrichtungen entwickelt und selbst hergestellt, die es den behinderten Menschen leichter machen, ihre Arbeit zu erledigen. „Wir machen bei den Leuchten selbst die Endkontrolle, dann wird verpackt und etikettiert“, erklärt Lerner und fügt stolz hinzu: „Unsere Reklamationsquote liegt bei 0,5 Prozent.“ Das AIP müsse einwandfreie Qualität abliefern, zuverlässig und flexibel sein. Dafür werden die Mitarbeiter mit Behinderung je nach ihren Fertigkeiten beschäftigt: Es gibt kompliziertere Montagetätigkeiten, aber auch einfache Verpackungsarbeiten. Einzelteile kommen aus China Auch die Firma Kosmos aus Stuttgart lässt in Geiselharz-Schauwies ihre Experimentierkästen verpacken. „Teilweise kommen die Einzelteile mit Containern aus China“, erzählt Sascha Lerner. Erst wenn alle Einzelteile da sind, kann es losgehen. Nach gewisser Zeit werden dann die fertig verpackten Boxen abgeholt und weiter vertrieben. Auch die Firma Geta aus Niederwangen ist an einer Zusammenarbeit mit dem AIP interessiert. Ab 2018 sollen Montagetätigkeiten ebenfalls von den AIPlern ausgeführt werden. Im Hochregallager werden zudem noch Jugendliche vom Berufsbildungswerk Adolf Aich in Ravensburg zur Fachkraft für Lagerlogistik oder Fachlageristen ausgebildet. Grund zum Feiern gab es also beim Fest zum zehnjährigen Jubiläum: Inklusion, viele neue Ideen und eine hochmotivierte Mannschaft, wie AIP-Leiterin Isabella Burgey-Meinel zusammenfasste. Oder wie Hans Roman, stellvertretender Bürgermeister von Amtzell, es treffend ausdrückte: „Wenn es das Projekt noch nicht gäbe, müsste man es erfinden.“ Der einzige Wunsch, den Sascha Lerner zuletzt an den Kommunalpolitiker weitergab: „Bessere Busverbindungen von Norden nach Süden“. Also etwa von Leutkirch über Vogt nach Amtzell oder auch nach Süden Richtung Tettnang. Viele Mitarbeiter aus diesen Regionen würden nämlich gerne am AIP arbeiten, müssten aber lange Busfahrten und Umwege in Kauf nehmen. Hans Roman versprach, das Thema mitzunehmen und anzusprechen. (mk) anstifter 3 | 2017 25

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