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Anstifter 3, 2017 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Stiftung Liebenau Pflege Die Bewohnerinnen und Bewohner machen sich für das Candlelight-Dinner immer besonders schick. Hochgenuss bei Kerzenschein Candlelight-Dinner im Haus St. Josef in Meckenbeuren-Brochenzell Sofie Bagschik hat sich ihre Kleidung zurechtgelegt. Dem Anlass entsprechend ist sie elegant. „Ich weiß schon vorher genau, was ich anziehe“, sagt sie selbstbewusst, als sie sich für das Candlelight-Dinner schick macht. Heute wird es das hellgrüne Oberteil zur eleganten Hose sein. Eine Pflegekraft geht der 92-jährigen zierlichen Frau im Rollstuhl beim Anziehen zur Hand. Nach dem Frisieren legt sich die Seniorin eine Perlenkette um, tauscht sie dann aber doch noch gegen eine kürzere. Auf die Schmuckstücke von ihrer Enkelin ist sie ganz besonders stolz. Herausgeputzt rollt Sofie Bagschik Richtung Gemeinschaftsraum. Dort brechen sich die Sonnenstrahlen im großen Fenster, im Hintergrund spielt leise Instrumentalmusik. Mitarbeiter zünden die roten Kerzen in den silbernen Armleuchtern an. Die meisten Bewohner sind schon platziert an den stilvoll gedeckten Tischen. „Zu Beginn gibt es immer ein ‚Sektle‘“, weiß Sofie Bagschik zum Ablauf. Dann verrät eine Mitarbeiterin allen das heutige Menü, bestehend aus Tomatensuppe Toskana, einem sommerlichen Käsesalat mit Baguette und Erdbeereis als Dessert. Die Idee für das Candlelight-Dinner entstand im Rahmen eines Projektes zur „Förderung der Esskultur“ im Jahr 2010. Hintergrund war der Gedanke, alten Menschen, die ihren Appetit oft nicht mehr gut wahrnehmen, Essen wieder schmackhaft zu machen. Erfolgreich gelingt dies mit dem besonderen Event, der inzwischen zum festen Bestandteil im Haus gehört. „Die Bewohner essen beim Candlelight-Dinner besser als sonst“, bestätigt Claudia Senf, die Hausleiterin, und ergänzt, dass das gesellige Essen besonders positiv auf den Appetit wirkt. Seit Sofie Bagschik im Haus wohnt, nimmt auch sie möglichst immer teil. Dass sie unlängst zweimal aus persönlichen Gründen nicht dabei sein konnte, findet sie immer noch bedauerlich. Das wird sie in ihrer kurzen Ansprache in ihrer Funktion als Heimbeirätin auch so ausdrücken, aber auch ihre Freude darüber, dass die Veranstaltung regelmäßig einmal im Monat stattfindet. Den Dank an das Team der Küche sowie an die zwei Betreuungsassistenten vergisst sie ebenfalls nicht. Während Sofie Bagschik ihre heiße Suppe vorsichtig und genüsslich löffelt, unterhält sie sich angeregt mit ihrer Tischnachbarin. „Hier wird so viel angeboten“, schwärmt sie. Das Lob gilt vor allem auch der Heimleiterin, die am Tisch vorbeischaut. Sofie Bagschik zählt Aktivitäten auf: Dazu gehören unter anderem Modenschauen im Haus, Gesang und Musik mit Alphörnern oder Akkordeon, der Dämmerschoppen, jahreszeitliche Veranstaltungen wie Fasnet oder sommerliches Grillen. Gymnastik, Singen oder Kuchenbacken bieten die zwei Betreuungsassistentinnen an. Nach dem Hauptgang sind viele Gäste fast schon satt. Aber fürs Dessert ist noch Platz. Obwohl Sofie Bagschik ansonsten keinen Alkohol trinkt, lässt sie sich den Eierlikör nicht entgehen. Mit einem Schmunzeln träufelt sie ihn über ihr Erdbeereis. Die erfrischende Mischung genießt sie sichtbar. Und freut sich dabei schon auf das nächste Candlelight-Dinner. anstifter 3 | 2017 21

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