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Anstifter 3, 2017 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Stiftung Liebenau 70 Pausen wünsch ich dir von Prälat Michael H. F. Brock Pausen werden im Allgemeinen unterschätzt. Endlose Sitzungen reihen sich Tag für Tag aneinander. Ein Arbeitsablauf jagt den anderen. Aufgaben häufen sich und wir fühlen uns gejagt und gehetzt. Irgendwann bricht alles zusammen. Am Ende wir selbst. Also schenke ich dir Pausen: Zwischen den Arbeitsschritten und Abläufen, der Vielzahl der Aufgaben sagen wir einmal zwölf Pausen am Tag à drei Minuten. Aufatmen, frische Luft genießen, die Stille oder ein kurzes Gespräch. Auch innerhalb von Gesprächen braucht es hin und wieder Pausen. Nachdenken, bevor ich spreche! Nicht zuletzt, wenn es um Bewertungen geht, um Meinungen, Kritik, Reaktionen. Ich schenke dir sieben Pausen für gelingende Kommunikation. Erst nachdenken, dann sprechen. Innehalten vor Wertungen! Manchmal sind Pausen wichtiger als Worte im Gespräch: Mimik, Gesten, Schweigen. Geduldige Worte statt hastiger Bemerkungen. Vor allem, wenn mich etwas oder jemand ärgert. Sagen wir zehn „Ärger-Pausen“ am Tag. Ich schenk' sie dir! Kurz Türe schließen und schweigen, anstatt dem Ärger sofort freien Lauf zu lassen. Einmal tief durchatmen, bevor eine unbedachte Äußerung den Ärger noch verstärkt. Milde Worte suchen statt großer Gebärden. Ärger wird in einer Pause meist unbedeutender, zumindest leichter zu handhaben. Lieber eine Pause mehr! Und gerne schenke ich dir Pausen, um Glück und Freude zu genießen. Sagen wir zehn an der Zahl für jeden Tag. Wieviel Glück und Freude wird übersehen, nur weil wir keine Zeit haben, es wahrzunehmen. Welch ein Jammer! Dabei ist das Glück für unsere Seele so wichtig wie der Trost in unserem Herzen. Also schenke ich dir noch zehn „Trost-Pausen“ zu den „Glücks-Pausen“ für jeden Tag. Trost zu spenden oder zu empfangen, ist dabei vollkommen gleichwertig. Denn empfangener Trost ist des gespendeten Trostes Freund. Und dann für die Woche. Ich möchte dir gern für jeden neuen Tag genügend Raum für Schlaf und Erholung wünschen. Und das an sieben Tagen in der Woche. Also siebenmal eine „Schlaf-Pause“, sie mögen dir gut tun. Und übers Jahr mindestens drei Wochen richtigen Urlaub. Füße und Seele baumeln lassen. Freizeit genießen mit Freunden oder Familie oder allein. So, wie es gut tut. Neue Eindrücke sammeln, neue Kraft tanken, einfach einmal abschalten vom Alltag. Denn der kommt wieder! Und dann ist es wieder so weit. Ich schenke dir zehn Pausen am Tag einfach zum Nachdenken. Damit die Worte nicht zum Plappern verkommen. Nachdenken: Was möchte ich eigentlich sagen? Wie kommen meine Worte an? Wollen sie einen anderen Menschen aufbauen? Ich liebe leise aufbauende Worte. Ich schenke dir die Pausen dazu, sie zu finden. Und also schenke ich dir noch zehn Pausen für liebende Worte: Worte der Wertschätzung und Dankbarkeit, Worte der Freundschaft und der Geduld. Worte zum Verschenken, und Worte zum Empfangen. Pausen machen uns eine Spur menschlicher. 70 Pausen wünsch ich dir! 18 anstifter 3 | 2017

Stiftung Liebenau Kein Gebet für ein Volk, sondern für die Menschheit Michael H. F. Brock bei der Lesung seines Buches „Das Vermächtnis”. „Das Vermächtnis“ ist das neue Buch von Michael H. F. Brock betitelt. Annäherungen an Lukas 11 verspricht der Prälat und Vorstand der Stiftung Liebenau im Untertitel – was den Fokus auf das Vaterunser richtet. Der Autor beschließt damit den Zyklus der „Begegnungen mit Jesus“. Roland Weiß, Redakteur der Schwäbischen Zeitung, hat mit ihm über sein neues Buch gesprochen. „Das Vermächtnis. Begegnungen mit Jesus“. Verlagsgruppe Patmos. ISBN 978-3-8436-0982-1, 136 Seiten, Hardcover, 15 Euro. „Warum hat es damals überhaupt ein neues Gebet gebraucht?“ Auf diese Frage spitzte es sich für Michael H. F. Brock zu, als er vor rund anderthalb Jahren seinen literarischen Fokus auf das heute selbstverständliche Gebet im Christentum legte. Entstanden ist das Vaterunser „im Kontext einer Kultur des Betens“, wie Brock weiß. Einer jüdischen Kultur des Betens, die stets das ganze Volk in Beziehung zu Gott setzte. Der fundamentale Wandel: Jesus richtet den Blick auf die einzelne Person, unter der Fragestellung: „Du einzelner, was brauchst du für dein Heil?“ Und da die neue Fragestellung und die Weise, wie Jesus die Antwort lebte, fundamental Neues mit sich brachten, war es auch nötig, Identifikation über ein fundamental anderes Gebet zu erzeugen. „Jesu Leben, seine Ausstrahlung, seine Art von Gott zu reden, musste so neu sein, dass es auch eines neuen Gebetes bedurfte“, zeigt sich der Autor im Epilog überzeugt. Mit dem „Vermächtnis“ schließt Brock den Zyklus der „Begegnungen mit Jesus“ ab. Erneut gibt es darin mit Maria von Magdala eine Einzelne, die in fiktiven Gesprächen mit Jesus das Buchthema aufnimmt – in diesem Fall das Vaterunser hinterfragt. Zugleich ist sie exemplarisch zu sehen – als Stellvertreterin für all die Menschen, die auf dem Weg sind, sich selbst zu suchen und zu finden. Was weit mehr ist, als nur „Spiegel“ für den Gottessohn zu sein. Maria von Magdala sucht ihre Beziehung zu Gott - und muss dafür auch Jesus verlassen, um ihre Bestimmung zu finden. Zuvor aber lässt Brock in seiner Erzählung beide das Vaterunser als Bekenntnis Gottes zur Beziehung und damit zum einzelnen Menschen verdeutlichen. „Es ist mir nochmals ganz neu aufgegangen, wie elementar dieses Gebet Beziehung schaffen will“, sagt der Verfasser. Eine Beziehung, die „uns befreit zu Kindern Gottes“, wie es Brock empfindet und zu übermitteln weiß. „Dir ist bereits vergeben worden – weil du ein Mensch bist“, sagt er – ein Versprechen, das sich für ihn im Vaterunser zur Gewissheit verdichtet. „Mein Maßstab ist Jesus“, erklärt er denn auch, sei es dem Nazarener doch um die „Caritas“ gegangen – eine Barmherzigkeit, die heute vielfach verloren gegangen sei. Als Gegenentwurf nennt Brock Papst Franziskus, dessen Nähe zum ursprünglichen Jesus ihn fasziniert. Im Gegensatz dazu hat er heute oft das Gefühl: „Wir sind eine apostolische Kirche, wir folgen dem, was die Apostel geglaubt haben.“ Stattdessen aber müsse es darum gehen zum Ursprung zurückzukehren, zu dem, „dem die Apostel gefolgt sind“ – zu Jesus. Immer wieder diskutiert wurde Brocks Ansatz der fiktiven Erzählung, von dem er sagt: „Einzig die Liebe in diesem Buch ist keine Fiktion. Alles andere ist narrativ beschreibend Frohe Botschaft.“ anstifter 3 | 2017 19

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