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Anstifter 3, 2016 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Pflege, Teilhabe, Bildung, Gesundheit, Familie und Service.

Ein Haus für junge

Ein Haus für junge Menschen In der Schiller-Straße 15 in Ulm arbeiten 4 Einrichtungen zusammen. Alle 4 helfen jungen Menschen. Junge Menschen sollen ganz normal in der Gesellschaft teil-haben. 1. Regionales Aus-Bildungs-Zentrum Hier machen Jugendliche eine Aus-Bildung. Mit einer Aus-Bildung finden sie besser einen Arbeits-Platz. 2. Max-Gutknecht-Schule Sie gehört zum Berufs-Bildungs-Werk Adolf Aich in Ravensburg. Hier gehen Jugendliche in die Berufs-Schule. Berufs-Schule gehört zu einer Aus-Bildung. Vorher können Jugendliche verschiedene Berufe kennen lernen. Es gibt auch die berufs-vorbereitende Einrichtung. Sie ist für Jugendliche mit geistiger Einschränkung. Sie sollen auch eine normale Arbeits-Stelle finden. 3. Die Ambulanten Dienste für Menschen mit Behinderung Sie gehören zur Sankt-Gallus-Hilfe. Sie helfen Jugendlichen bei Problemen beim Wohnen. Jugendliche können alleine wohnen oder in einer Gast-Familie. 4. Die Caritas Ulm Hier lernen junge Menschen den Beruf Haus-Wirtschaft. Sie lernen alles über Wäsche- und Haus-Reinigung. Die Jugendlichen werden von Bildungs-Begleitern unterstützt. Bildungs-Begleiter sprechen mit allen: der Agentur für Arbeit, Jugendlichen, Lehrern, Aus-Bildern und Eltern. 30 Bildung

Training für Körper, Seele und Geist Therapeutisches Bogenschießen im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) von Christof Klaus RAVENSBURG – Es gibt weder Medaillen noch Verlierer, und das Ziel ist nicht die Scheibe, auf die die Pfeile fliegen: Im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) wird Bogenschießen als therapeutisches Instrument eingesetzt. Schuss um Schuss stärken Jugendliche mit besonderem Teilhabebedarf ihr seelisches, geistiges und körperliches Gleichgewicht. „Nocken! Spannen! Lösen!“ Auf Kommando von BBW- Ausbilder Valentin Dölker schießen die fünf Jugendlichen ihre Pfeile ab, die alle nach einem kurzen lautlosen Flug in der Zielscheibe stecken bleiben. Und wenn mal einer im Netz dahinter landet, macht das auch nichts. „Ziel bei uns ist es, dass der Pfeil den Bogen verlässt“, erklärt Dölker. „Und das tut er immer.“ Dutzende von Schülern und Azubis haben in den vergangenen Jahren das Bogenschießen für sich entdeckt. Doch es ist nicht „nur“ eines der vielen Freizeitangebote im BBW, sondern hat einen therapeutischen Hintergrund – und eigens dafür geschulte Volle Konzentration, zur Ruhe kommen, loslassen – darum geht es beim Therapeutischen Bogenschießen im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW). Dieses Angebot gilt auch für BBW-Mitarbeiter, um ihnen einen gewissen Ausgleich zu ermöglichen. Foto: Klaus Mitarbeiter. Ein- bis zweimal pro Woche gehen Dölker, der Arbeitserzieher Dietrich Bross und die Ergotherapeutin Corinna Kallup mit Teilnehmern aus Ausbildung oder Berufsvorbereitung – in der Gruppe oder einzeln – zum Üben an die frische Luft. Statt Leistung und Perfektion stehen Selbsterfahrung und meditative Aspekte im Vordergrund. Geschossen wird ohne Hilfsmittel, nach Gefühl und Intuition. Das Timing, die gespannte Sehne loszulassen, soll aus dem Bauch heraus kommen. Nur manchmal wird zeitgleich auf Kommando geschossen. Dieses „intuitive Bogenschießen“ gilt als die älteste Art des Bogenschießens. Gingen Menschen einst so auf die Jagd, verfolgt man heute in der Therapie ganz andere Ziele: „Es geht um Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst“, erklärt Dr. Stefan Thelemann, Leiter des BBW-Fachdienstes Diagnostik und Entwicklung. So stärke das Bogenschießen nicht nur Koordination und Konzentration, sondern ermögliche ein intensives Erleben des eigenen Körpers. Die Jugendlichen können zur Ruhe kommen und für einen Moment alles andere um sich herum ausblenden. Auch das Sozialverhalten wird trainiert, und mit jedem weiteren Pfeil steigt das Selbstwertgefühl. Dabei sei das Verhalten der Teilnehmer beim Schießen oft ein Spiegel ihrer Persönlichkeit, so Dölker. Einer, der die Bogensehne krampfhaft festhalte, habe womöglich auch im Alltag Schwierigkeiten damit, Dinge loszulassen. Das Bogenschießen sei ein guter „Türoffner“ für die Behandlung psychischer Probleme und die dadurch entstandenen Verhaltensweisen. Spaß macht es den Jugendlichen sowieso, und die kleine Auszeit tut ihnen gut – gerade wenn sie noch ganz gestresst oder sogar aggressiv ankommen: „Hier können sie dann entspannen“, sagt Corinna Kallup. Dietrich Bross berichtet von der positiven Wirkung auf Autisten oder Menschen mit ADHS. Und Valentin Dölker weiß von Jugendlichen, die wegen einer motorischen Einschränkung sportlich nicht so aktiv sein können und dann nach den ersten Erfahrungen mit Pfeil und Bogen sagen: „Endlich habe ich etwas gefunden, das ich machen kann.“ Bildung 31

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