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Anstifter 3, 2016 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Pflege, Teilhabe, Bildung, Gesundheit, Familie und Service.

Fördern nach individuellen Bedürfnissen Schillerstraße 15 in Ulm: Haus für Bildung, Rehabilitation und Teilhabe von Claudia Wörner ULM – Ein Haus für Bildung, Rehabilitation und Teilhabe: In der Schillerstraße 15 in Ulm dreht sich alles um die Zukunft junger Menschen mit besonderem Teilhabebedarf. Das Regionale Ausbildungszentrum (RAZ) und die Max-Gutknecht-Schule des Berufsbildungswerks Adolf Aich sowie die Ambulanten Dienste für Menschen mit Behinderung der St. Gallus- Hilfe – beides Gesellschaften der Stiftung Liebenau – bilden ein gemeinsames Netzwerk mit der Caritas Ulm. „Unser gemeinsames Ziel ist, für junge Menschen die bestmögliche individuelle Lösung zu entwickeln“, sagt RAZ-Einrichtungsleiterin Birgit Simon. Im Regionalen Ausbildungszentrum (RAZ) in der Schillerstraße erhalten die Azubis Praxiskenntnisse. Fotos: privat Abschluss an einer Förderschule, schlechter Hauptschulabschluss oder andere Hemmnisse für einen reibungslosen Einstieg ins Berufsleben: In Ulm unterstützen RAZ und Max-Gutknecht-Schule junge Menschen bei der Teilhabe an der Gesellschaft. Lehrer, Bildungsbegleiter und Ausbilder arbeiten dabei Hand in Hand. „Die Bildungsbegleiter sind zudem eine wichtige Schnittstelle zum Jugendlichen selbst sowie zur Agentur für Arbeit, die die Ausbildung Gelungene Kooperation in der Schillerstraße 15 in Ulm (v.l.): Roland Groner, Schulleiter der Max-Gutknecht-Schule, Angelika Bayer, Fachdienstleiterin der Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe, und Birgit Simon, Abteilungsleiterin des Regionalen Ausbildungszentrums, arbeiten eng mit der Caritas Ulm zusammen. Foto: Wörner in der Regel finanziert“, erläutert Birgit Simon. Schnittstellen gibt es nicht nur zwischen Schule und Ausbildung, sondern auch mit dem Lebensbereich Wohnen. Angelika Bayer, Leiterin der Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe für behinderte Menschen, schildert die Geschichte von Jonas K. (Name geändert), der eine Lernbehinderung und eine psychische Erkrankung hat. „Seine Bildungsbegleiterin kam auf mich zu, da ihm der Verlust seiner Wohnung drohte“, berichtet Angelika Bayer. Sie konnte bewirken, dass der junge Mann im Rahmen eines Ambulant Betreuten Wohnens (ABW) sozialpädagogisch betreut wird und zusätzlich einmal pro Woche Unterstützung durch eine Alltagsbegleiterin erfährt. „Sie hilft ihm bei ganz praktischen Dingen wie Fragen des Haushalts, begleitet ihn zu Arztterminen oder regt bestimmte Freizeitaktivitäten an.“ Das Schöne: Auch nach Abschluss der RAZ-Ausbildung wird Jonas K. weiter durch die Ambulanten Dienste unterstützt. „Der Vermieter hat die Kündigung der Wohnung inzwischen zurückgezogen“, freut sich Angelika Bayer. Für andere Azubis mit Unterstützungsbedarf vermittelten die Ambulanten Dienste einen passenden Platz bei einer Gastfamilie. Auch sie werden von Sozialpädagoginnen der St. Gallus-Hilfe begleitet. 28 Bildung

Jugendliche werden in der Max-Gutknecht- Schule in Ulm auf das Berufsleben vorbereitet: Die Ausbildung wird in der Regel von der Agentur für Arbeit finanziert. Foto: Kästle Als staatlich anerkannte private Sonderberufsfachschule ist die Max-Gutknecht-Schule in das pädagogische Konzept des RAZ eingebunden. „Viele Azubis lernen das Haus bereits über das Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf (VAB) kennen“, erläutert Schulleiter Roland Groner. Dabei gehe es in erster Linie um die Vermittlung von beruflichen Schlüsselqualifikationen und den Abbau schulischer Defizite. Circa 35 Unterrichtsstunden stehen pro Woche auf dem Plan, davon etwa 25 Stunden fachpraktischer Unterricht. Durch eine Zusatzprüfung können die Jugendlichen einen Bildungsstand erwerben, der dem Hauptschulabschluss gleichwertig ist. „Im VAB erlangen die Jugendlichen die notwendige Ausbildungsreife. Sie lernen verschiedene Ausbildungsberufe kennen und sammeln erste Erfahrungen in Betriebspraktika“, erläutert Roland Groner. Neu eingeführt wurden in diesem Jahr VAB-Klassen für junge Asylbewerber ohne Deutschkenntnisse, das VABO. Reibungsloser Übergang Es gibt aber auch Jugendliche, die eine Berufsausbildung trotz bester Vorbereitung nicht schaffen können. „Für sie gibt es die Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) mit dem Ziel, eine angelernte Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden“, so Roland Groner. In Partnerschaft mit der federführenden Ulmer Gustav-Werner-Schule haben auch sie ihren Unterricht in der Max-Gutknecht-Schule. „Schön ist, dass hier auch Schüler mit geistiger Behinderung nicht durchs Raster fallen.“ Im Gegenteil: In der Schillerstraße 15 erfahren sie Inklusion, sei es beim Mittagessen im Bistro oder auf dem Pausenhof. Für Birgit Simon ist der reibungslose Übergang von einer Bildungsmaßnahme zur anderen einer der größten Vorteile in der Schillerstraße 15: „Durch unsere enge Abstimmung in Verbindung mit einer hohen Durchlässigkeit können wir die Jugendlichen ganz anders abholen und nach ihren individuellen Bedürfnissen fördern.“ Tür an Tür auf demselben Flur sind die kurzen Wege zwischen den Mitarbeitern für die jungen Menschen höchst förderlich. Fachpraktikerinnen Hauswirtschaft der Caritas Seit einem Jahr findet die Ausbildung zur Fachpraktikerin Hauswirtschaft unter der Ägide der Caritas Ulm ebenfalls in der Schillerstraße 15 statt. Rund 15 junge Frauen erfahren an der neuen Adresse alles Notwendige über Textil- und Hausreinigung und erwerben Kompetenzen in der Küche. Vor dem Umzug fand die Reha-Ausbildung im Beratungsgebäude der Caritas statt. „Am neuen Standort haben die Azubis viel mehr Möglichkeiten, das Erlernte in Küche, Bistro und Restaurant praktisch anzuwenden“, stellt Alexandra Stork, Regionalleiterin der Caritas Ulm, fest. Für die meisten Hauswirtschafts- Azubis war das RAZ-Gebäude jedoch nicht neu. So kannten sie es zum Beispiel vom Besuch der Max- Gutknecht-Schule her, an der sie das VAB absolviert haben. „Unsere Kooperation mit RAZ, Schule und Ambulanten Diensten ist für alle Partner von Vorteil. Wir ergänzen uns gegenseitig“, sagt Alexandra Stork. Dies gilt auch für die Zusammenarbeit beim EU-Projekt MobiPro – bei ihm werden junge Menschen aus Spanien bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und während der Ausbildung in Deutschland unterstützt. Bildung 29

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