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Anstifter 3, 2015 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Altenhilfe, Behindertenhilfe, Bildung, Gesundheit, Familie und Dienstleistungen.

Behinderung und Alter St. Lukas-Klinik und St. Gallus-Hilfe geben Studie in Auftrag von Silvia Queri LIEBENAU - Wie Menschen mit Behinderungen altersbedingte Veränderungen erleben, ist bisher kaum erforscht. Die St. Lukas-Klinik und die St. Gallus-Hilfe haben eine umfangreiche Studie zu den altersbedingten psychosozialen Veränderungen und zur Lebensqualität von Menschen mit geistiger Behinderung im Alter beim Steinbeis Transferzentrum für Gesundheits- und Sozialforschung der Hochschule Ravensburg-Weingarten in Auftrag gegeben. Erste Tendenzen werden Ende des Jahres vorliegen, das Gesamtergebnis Mitte 2016. Euthanasie im Dritten Reich und die schlechte medizinische Versorgung geistig behinderter Menschen auch noch nach dem Krieg befasst man sich in Deutschland erst jetzt intensiv mit dem Thema geistige Behinderung im Alter. Welche anderen psychologischen Veränderungen im Erleben und Verhalten sowie in der Funktionalität möglicherweise auftreten, ist noch weitgehend unbekannt. Sie sind Thema der Studie. Intensive Vorbereitung Nach einer intensiven zweijährigen Vorbereitungszeit konnte im Mai dieses Jahres mit der Datenerhebung begonnen werden. Sie lief bis Ende August. Der lange Menschen mit einer geistigen Behinderung erkranken in gleichem Maße im Alter an Demenz wie die Gesamtbevölkerung. Auf Grund der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderung durch die Eine Studie soll erforschen, wie sich das Älterwerden auf Menschen mit geistiger Behinderung und deren Lebensqualität auswirkt. Foto: Söll 32 Gesundheit

Vorlauf ist der besonderen Situation geschuldet, geeignete Instrumente für Menschen mit geistiger Behinderung zu finden. Die Projektleiterin Prof. Dr. Silvia Queri und ihre Mitarbeiter Ulrike Peter und Michael Eggart haben im Erhebungszeitraum rund 120 Interviews mit Mitarbeitern und Bewohnern geführt. Die Bewohner konnten freiwillig teilnehmen. Zuvor hatte das Ethikkomitee der Stiftung Liebenau das gesamte Forschungsvorhaben mit allen Instrumenten (standardisierte Interviews und Fragebögen) geprüft. Fragen waren beispielsweise: Könnte ein Bewohner beeinträchtigt werden? Könnte er einen konkreten Vorteil von der Studie haben? Was genau wird untersucht? Die Studie konkret Wie lief die Studie konkret ab? Die Basis bildete eine Stichprobe von 50 Bewohnern zwischen 55 und 85 Jahren mit einer leichten oder mittelgradigen geistigen Behinderung. Untersucht wurde, inwieweit es zu Veränderungen im Erleben und Verhalten, im psychischen Wohlbefinden und der Funktionalität in allen Lebensbereichen gekommen ist. Dazu wurden Mitarbeiter befragt, die die Bewohner vor mindestens zehn Jahren betreut hatten. Diese Aussagen wurden mit denen derjenigen Mitarbeiter verglichen, die sie jetzt betreuen. Um die veränderte Funktionalität zu erfassen, wurde eigens ein Messinstrument entwickelt, das auf der ICF (International Classification of Functioning) der WHO basiert. Parallel dazu wurde untersucht, ob sich der Hilfebedarf im Alter verändert hat. Das lässt dann den Schluss zu, dass dies auf die altersbedingten Veränderungen zurückzuführen ist. Das dazu gewählte und aus dem Englischen übersetzte Verfahren wird in den USA nicht nur zur Hilfebedarfsbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung eingesetzt, sondern auch zur Budgetierung dieses Bedarfs anhand von Hilfebedarfsgruppen, was für deutsche Kostenträger als Vergleichsgröße möglicherweise interessant sein kann. Die Ergebnisse der Studie können dazu genutzt werden, ältere Menschen mit besonderem Hilfebedarf noch besser zu betreuen. Lebensqualität und Inklusion Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Messung der Lebensqualität. Lebensqualität ist ein möglicher Indikator zur Beurteilung von Inklusion. Inklusion ist ein gesamtgesellschaftliches Ziel, an dessen Evaluation und Fortentwicklung sich alle Studien im Behindertenbereich aktuell orientieren sollten. Hierzu wurden die Bewohner direkt befragt, da aus der Lebensqualitätsforschung bekannt ist, dass objektive und subjektive Lebensqualitätseinschätzungen nicht korrelieren. In einer eigenen Vorstudie sowie aus anderen Studien (zum Beispiel Prof. Dr. Konrad Bundschuh, LMU München) konnten geeignete Instrumente zur Befragung geistig behinderter Menschen gefunden werden, so dass auch hier mit validen Befunden gerechnet werden kann. Epilepsiezentrum ausgezeichnet Erneut ist das Epilepsiezentrum Bodensee für nichtoperative Therapie bei an Epilepsie erkrankten Erwachsenen ausgezeichnet worden. In diesem Epilepsiezentrum kooperiert die Abteilung für Epileptologie am Weißenauer Psychiatriezentrum seit 2002 mit der St. Lukas-Klinik. Die Versorgung Epilepsiekranker, die in Weissenau eine lange Tradition hat, konnte dadurch verbessert werden. Das Epilepsiezentrum Bodensee wurde 2009 erstmals von der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie zertifiziert. Bundesweit sind 17 Epilepsiezentren zertifiziert, in Baden-Württemberg noch Freiburg, Kehl-Kork und Tübingen. Gesundheit 33

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