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Anstifter 3, 2015 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Altenhilfe, Behindertenhilfe, Bildung, Gesundheit, Familie und Dienstleistungen.

Konzepte, die in die

Konzepte, die in die Zukunft weisen 25 Jahre Altenhilfe der Stiftung Liebenau von Anne Oschwald LIEBENAU – 33 Pflegeheime, 27 Wohnanlagen nach dem Konzept „Lebensräume für Jung und Alt“, vier Sozialstationen, ein Stationäres Hospiz und ein Domizil für schwerstdemenzerkrankte Menschen: Diese Bilanz von 25 Jahren Arbeit für ältere Menschen kann sich sehen lassen. Orientiert an den gesellschaftlichen Entwicklungen entstanden fachliche Konzepte, die stets die Bedürfnisse des Einzelnen im Blick haben. Ein Weg, der noch lange nicht am Ende ist. Seit 25 Jahren steht die Stiftung Liebenau im Dienst für ältere Menschen. Foto: Kästle Im Jahr 1990 wurde der Grundstein für die Altenhilfe der Stiftung Liebenau gelegt: Die Stiftung Liebenau übernahm das Haus St. Antonius in Friedrichshafen, ein damals von Sießener Franziskanerinnen geführtes Haus. Schnell folgten weitere Übernahmen: das Haus St. Meinrad in Ravensburg, das Adolf-Gröber-Haus in Weingarten, St. Ulrich in Witzmanns-Bad Wurzach, St. Konrad in Kressbronn, St. Gebhard in Amtzell und St. Martin in Friedrichshafen-Berg. Geschäftsführer Gerhard Schiele erinnert sich: „Die Zeit damals war geprägt vom Übergang des klassischen Altenheims zum Altenpflegeheim.“ „Die frühen Jahre unserer Arbeit in diesem neuen Geschäftsfeld waren geprägt von Sanierungs- und Baumaßnahmen, von der Einführung betriebswirtschaftlicher Strukturen. Im Mittelpunkt stand aber besonders die Entwicklung fachlicher Konzepte“, ergänzt Stefanie Locher, die damalige Verwaltungsleiterin und heutige Geschäftsführerin. Aus dieser fachlichen Auseinandersetzung mit der demografischen Entwicklung entstanden die „Lebensräume für Jung und Alt“, wie sie zuerst in Vogt realisiert wurden. Die Lebensräume sollten einen ganz neuen Ansatz verfolgen und sich von bekannten Konzepten wie dem Betreuten Wohnen oder von Pflegeheimen absetzen. „In den Lebensräumen setzen wir auf Selbst- und Nachbarschaftshilfe, um Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern oder zu verhindern“, so Schiele. Neu war auch die Moderation durch eine Fachkraft der Gemeinwesenarbeit. Um die Altenhilfe in den Kommunen, den Sozialräumen zu verorten, war den Verantwortlichen der Stiftung Liebenau seit jeher die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wichtig. Umfassende Angebote Die Liebenauer Altenhilfe wuchs rasch: 15 Jahre nach Gründung gab es bereits 18 Altenpflegeheime, 18 Wohnanlangen und vier Sozialstationen im südlichen Baden-Württemberg sowie im westlichen Bayern. Inzwischen hat sich der Radius erweitert und die Liebenauer Altenhilfe betreibt auch Pflegeheime und Lebensräume Böblinger Raum sowie seit 2013 im rheinland-pfälzischen Maikammer. Auch ambulante Dienste wurden ab 1996 aufgebaut, zunächst in Meckenbeuren, wo vor allem die Bewohner der Lebensräume bei Bedarf Ansprechpartner und Fachkräfte zur Verfügung haben sollten. Später wurden die ambulanten Dienste allen Bürgern angeboten. Sozialstationen gibt es heute an vier Standorten. Um möglichst vielen Mitarbeitern Entwicklungen in der Altenhilfe fachlich fundiert zu vermitteln und ihnen damit das nötige Rüstzeug für die tägliche Arbeit zu geben, fanden ab 1992 regelmäßig Symposien und Fachtage statt. Themen wie „Lebensräume für Jung und Alt“ oder „Demenz“ wurden im großen 24 Altenhilfe

Das erste Pflegeheim der Altenhilfe der Stiftung Liebenau (li.): Mit der Übernahme des Hauses St. Antonius in Friedrichshafen wurde der Grundstein für die Altenhilfe der Stiftung Liebenau gelegt. Foto: Archiv Stiftung Liebenau Das neueste Haus St. Martin in Friedrichshafen-Ailingen wurde 2015 eingeweiht. Foto: Klaus Rahmen diskutiert. Um den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu speziellen Themen zu vermitteln, werden bis heute regelmäßig Veranstaltungen angeboten, wie etwa „Demenz verstehen“ im Jahr 2012 oder „Umgang mit Tod und Trauer in stationären Einrichtungen“ 2014. Anforderungen der Zukunft Die Lebensräume als eine Antwort auf die demografische Entwicklung haben sich längst als generationenübergreifendes Konzept etabliert und befördern die weitere fachliche Entwicklung. Schiele: „Erkenntnisse und Erfahrungen aus den Wohnanlagen lassen sich auf einen ganzen Stadtteil übertragen, um ältere Menschen in die Gemeinschaft einzubinden.“ Ab 2006 entstand daher das Quartiersprojekt Galgenhalde in der Ravensburger Weststadt in Zusammenarbeit mit der Wohnbaugenossenschaft Bau- und Sparverein eG Ravensburg, der Stadt Ravensburg und der Hochschule Weingarten-Ravensburg. An anderen Orten werden solche Quartiersprojekte in ähnlicher Form in die Praxis umgesetzt. Ebenso zukunftsweisend ist das Engagement der Altenhilfe der Stiftung Liebenau in Forschungsprojekten wie zum Beispiel dem Ambient Assisted Living (AAL). Zentrale Frage hierbei: Welche technischen Hilfsmittel können für Senioren entwickelt werden, um ein Wohnen in den eigenen vier Wänden auch im Alter sicherer zu gestalten? Nachgefragt Stefanie Locher und Gerhard Schiele (Geschäftsführung Altenhilfe der Stiftung Liebenau Deutschland) werfen einen Blick in die Zukunft der Altenhilfe. Fotos: Kästle Stefanie Locher: Die Altenhilfe wird mehr in der Verantwortung der Kommunen liegen. Das soziale Miteinander wird eine höhere Bedeutung haben. Der nicht professionelle Anteil an der Begleitung alter Menschen wird höher sein, als die fachlichen Dienste, die aber weiterhin eine sehr hohe Kompetenz haben werden. Gerhard Schiele: 2040 wird Altenhilfe ganz anders aussehen: Es wird ein vielfältigeres Angebot geben. Das Leistungsrecht mit veränderten Organisationsformen wird an die Bedingungen angepasst werden müssen. Tendenziell wird es weiterhin Einrichtungen für 24-Stunden-Pflege geben. Wir werden 2040 sogar mehr Plätze für Schwerpflegebedürftige und Demente benötigen. Behindertenhilfe und Altenhilfe werden mehr auf der sozialräumlichen Ebene verankert. Bis dahin muss es auf jeden Fall gelingen, dass Altenhilfe einen gesellschaftlichen Stellenwert erfährt und entsprechend honoriert wird. Die wertvolle Arbeit eines Pflegewissenschaftlers muss genauso anerkannt werden, wie die Arbeit eines Ingenieurs in einem Industrieunternehmen. Altenhilfe 25

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