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Anstifter 2, 2022 der Stiftung Liebenau Österreich

Schwerpunkt Schwerpunkt

Schwerpunkt Schwerpunkt Filiz Bezen Florian Seher Dr. Berthold Broll Schön, dass Sie Zeit gefunden haben, über die Zukunft der Liebenau Österreich zu sprechen, die mit der Gegenwart beginnt: Wo steht das Unternehmen denn heute im Vergleich zu anderen Trägern? Dr. Berthold Broll: Die Liebenau Österreich hat ein sehr hohes Leistungsniveau, was sich in der Personalquantität und -qualität, dem hohen Komfort der Wohnangebote, dem Konzept der Hausgemeinschaften und der Verzahnung mit weiteren Leistungsangeboten zeigt. In Vorarlberg spielt etwa die Zusammenarbeit mit der SMO Reha eine große Rolle. Das ist ein Unternehmen zur ambulanten, neurologischen Rehabilitation, zum Beispiel bei Parkinson oder Schlaganfall, an dem die Stiftung Liebenau zu 50 Prozent beteiligt ist. Auch die Kooperation mit den Gemeinden ist hervorragend. Filiz Bezen: Ich arbeite seit März im Klaraheim und bin begeistert von den Fortbildungen zur „Teamentwicklung Mensch“. Überzeugt hat mich vor allem die Haltung der Stiftung Liebenau, die sehr auf den Menschen bezogen ist, egal ob es um Bewohner, Mitarbeiter oder Angehörige geht. Nach 35 Jahren Berufserfahrung in der Pflege sage ich: Die Stiftung Liebenau hat eine Vorbild- und Vorreiterfunktion. Florian Seher: Ich sehe das etwas nüchterner, würde sagen: Wir machen einen guten Job, sind gut vernetzt. Es gibt immer Häuser, die besser oder schlechter laufen, auch bei der Stiftung Liebenau. Was auf jeden Fall sehr gut läuft, ist die Vernetzung unter den Häusern und im Verbund, der Austausch von Knowhow und Erfahrungen. Derzeit gibt es schon einen hohen Fachkräftemangel, der auch künftig die Pflegebranche bestimmen wird. Welche Lösungen sehen Sie? Florian Seher: Wir müssen uns nach der Decke strecken und sehr aktiv um das Thema Fachkräfte kümmern – über Fachkräftemangel zu jammern, bringt aber nichts. Ich habe in meinen Häusern jedenfalls keinen Fachkräftemangel. Es gibt ganz viele talentierte, unterschiedlich ausgebildete Menschen, die, wenn sie den Hausbrauch kennen, mit den älteren Menschen und dem Team in Beziehung gehen können. Wir sollten mit den Menschen hier in Österreich arbeiten, zu Lösungen kommen und dann natürlich auch mit zugezogenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ergänzen. Filiz Bezen: Ich kann mich dem anschließen. Es nutzt nichts, die Hierarchien auszuleben, denn letztlich geht es um die Gemeinschaft. Gute Pflege funktioniert, wenn alle im Team gemeinsam für die Bewohnerinnen und Bewohner da sind. Was bringt die Zukunft? 25 Jahre Liebenau Österreich In den vergangenen 25 Jahren ist die Liebenau Österreich massiv gewachsen – im Umfang ebenso wie in ihren Leistungen: Mit dem Konzept der familiären Hausgemeinschaften übernahm das Tochterunternehmen der deutschen Stiftung Liebenau seit 2005 eine Vorreiterrolle in Österreich. Neben der stationären Pflege und Betreuung hat sie weitere vielfältige Wohnformen für ältere Menschen ins Leben gerufen, außerdem gerontopsychiatrische Tagesbetreuungen und nicht zuletzt eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung eröffnet. Anlässlich ihres 25jährigen Jubiläums soll es allerdings nicht um einen Blick zurück, sondern in die Zukunft gehen: Wo steht das Unternehmen aktuell? Wie kann der Mangel an Fachkräften bewältigt werden? Was bringen technische Innovationen? Rede und Antwort stehen Dr. Berthold Broll, Vorstand der Stiftung Liebenau, Florian Seher, Hausleiter in Vorarlberg, und Filiz Bezen, Wohnbereichsleiterin im Klaraheim in Tirol. Die Fragen stellte Elke Benicke Dr. Berthold Broll: Wir legen großen Wert darauf ein Premiumarbeitgeber zu sein, wollen attraktive Arbeitsbedingungen bieten und gehen individuell auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ein. Um neues Personal zu gewinnen, sprechen wir einzelne Gruppen gezielt an, Eltern zum Beispiel oder Pensionisten. Eine weitere Strategie ist die internationale Akquise. Gerade haben sieben philippinische Pflegekräfte ihre Arbeit bei der Liebenau Österreich aufgenommen, im Januar kommen weitere Fachkräfte aus Indien. Globalisiert betrachtet gibt es keinen Personalmangel und da ist die Stiftung Liebenau mit ihrer internationalen Ausrichtung kleineren Trägern gegenüber klar im Vorteil. Wichtig ist außerdem die enge Kooperation mit der Politik, den entsprechenden Behörden und Unternehmen, um zum Beispiel die Berufsanerkennungsverfahren zu beschleunigen. Pflegefachkräfte genießen heute schon mehr Ansehen, mehr Benefits, höhere Gehälter als noch vor fünf Jahren. Wie kann sich die Aufwertung des Berufsbildes weiterentwickeln? Wo sind die Grenzen? Dr. Berthold Broll: Das ist eine ganz zentrale Fragestellung. Tatsächlich hat sich die Entlohnung im Berufsfeld der Pflege sehr positiv entwickelt und liegt über dem Niveau anderer Ausbildungsberufe. Diese ökonomische Aufwertung ist jedoch nicht unendlich steigerungsfähig, denn sie muss für uns alle leistbar bleiben. Unsere Erfahrung ist, dass es sehr viele Menschen gibt, die sehr gern in diesen Berufen arbeiten. Sie tun das vor allem wegen der Sinnhaftigkeit und Freude, die ihnen ihre Arbeit gibt. Berufe in der Pflege stärken den Einzelnen in seiner persönlichen Entwicklung und können wohnortnah ausgeübt werden. Außerdem handelt es sich um sichere Arbeitsplätze. Es ist wichtig, diese Vorteile medial zu kommunizieren… Florian Seher: …aber auch ganz direkt: Denn die vielen Menschen, die diesen Beruf gerne ausüben, tragen das nach außen und überzeugen so ihr näheres Umfeld. Das klappt noch immer. Meiner Meinung nach bringt uns die Diskussion um noch mehr Geld und schlechte Rahmenbedingungen nicht weiter. Dass wir rund um die Uhr für unsere Bewohnerinnen und Bewohner da sein müssen, lässt sich nicht wegdiskutieren. Filiz Bezen: Ich meine: Im Kern geht es nicht um uns, die Mitarbeitenden, sondern um die Bewohnerinnen und Bewohner, 4 anstifter ÖSTERREICH 2 | 2022 anstifter ÖSTERREICH 2 | 2022 5

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